Das kindliche Lächeln

#1 von Nathanael , 12.09.2015 01:54

Ich sehe es bei mir selbst zwar nicht, aber ich erkenne es im Lächeln von Menschen. Wenn es mir gut geht, ich der Welt gegenüber konstruktiv und aufgeschlossen bin, dann fühle ich mich wie ein Kind. Dann sind die Fragen entweder aufrichtige oder neckend. Doch nur andere Kinder kennen den Unterschied. Körperliche Kinder sind noch rein und ihr Lächeln ist für mich der größte Antrieb, denn dieses Lächeln ist nicht nur eine herzerweichende unmittelbare Erfahrung für jeden Menschen, sonder auch ein Symbol.

Stellte Euch mal vor, Erwachsene würden wirklich ernsthaft versuchen, komplexe Themen auf kindgerechte Art zu kommunizieren und den Kinder eine Möglichkeit der Partizipation bieten. Und meine Erfahrung mit Kindern im Alter von 4 bis 5 Jahre, und ich durfte viele begleiten, wirklich viele ;) die würden niemals den Weg der Gewalt gehen. Sie sind empathisch,liebevoll, hilfsbereit, konstruktiv, haben eine natürliches Gespür für Gerechtigkeit und es sind die authentischsten Menschen die ich kenne, knallharte Wahrheit.

Wenn ich so in meinem näheren Umfeld unterwegs bin, dann oft als Beobachter. Oft habe ich das Gefühl, dass ich dann Menschen im Weg bin, weil ich langsamer laufe. Ganz selten gibt es mal einen Blick Kontakt. Und was ich da sehe? Oft denke ich sarkastisch hättest du mal lieber nicht geguckt. Aber es gibt auch schöne Momente und oft interagiere ich in meiner Beobachterrolle mit Kindern, oder Tieren, denn die meisten kindischen Erwachsenen sind nicht mehr empfänglich für bestimmte Signale. Ich erkennst sie an den leeren Augen, sie haben mein Mitgefühl.

Und da ich nun mal bin, wie ich bin, hat mich das Leben an Orte gebracht, wo ich an Grenzbereiche gekommen bin, wo dieses Scheinbild von "Gesellschaft" am individuellem Menschen in der Realität in sich zusammenstürzten lässt. So musst ich als Kinderfreund viel solche Prozesse Beobachten und um es bildlich zu machen, ein echt heftiges Beispiel. Ich war einer meiner Töchter auf dem Spielplatz. Da waren viel andere Kinder und der größtes Problem, die Eltern. Oberflächlich betrachtet waren da für das Wohnviertel normale Menschen und es waren richtig viele. Einige Untergruppen und Spielgemeinschaften. Und da ich ja ein guter Beobachter bin, sind mir drei Kinder aufgefallen. Zwei Jungs, Zwillinge vielleicht so 5/6 Jahre alt und deren Schester eben etwas jünger. Die Mama von den dreien steht in einer Gruppe von Frauen, die Rauchen, ziemlich laut und ehr auf die Gruppe der Frauen, als auf die Kinder zentriert. Da kommen dann gefühlt eben eher gebellte Befehle beim Empfänger an. Die zwei Jungs waren echt gut unterwegs und ganz oft hat das Kind in mir gsrufen, dass will ich auch machen. Die beiden haben mir Kombinationsmöglichkeiten von einer Alu Rutsche, Naturmaterial, also Holz, Kieselsteine, Sand, Dreck und dem Vorgang des Rutschen geboten, dass ich einige Mal aufjauchzte. Aber da hatte ich schon so ein komisches Gefühl. Denn die Mutter begann zunehmend zu intervenieren. Und irgend wann wollte die Mutter auch los. Die kleine Schwester von den Jungs hatte in der Zwischenzeit mit meiner Tochter, die auch in diesem Alter war gespielt und auch ich habe mich ihr zugewendet. Dann kam der entscheidende Moment. Die Mutter warf ihre gesamte Autorität in die Ansage, jetzt geht es los. Das Mädchen sagen einfach nur: "Nein." Und daraufhin machte diese Mutter einen Fehler, der mir sofort klar machte, dass diese Situation jetzt gleich eskalieren wird. Die beiden Jungs hatten zwar auch nein gesagt, aber die Aussicht auf Fernsehr hat sie umgestimmt. Nur dieses kleine Mädchen hatte sein wahrhaftiges Nein, denn es durchschaute alles, wenn nicht rational, so doch emotional. Es stellte die Autorität der Mutter in Frage. Doch eben die schlechte Wahl der Mutter, so zu tun als wäre ihr das Kind egal und zu antworten: "Dann gehe ich jetzt mit den Jungs nachhause und du bleibst hier." Darauf das Mädchen: "Okay" Die Mutter ging aus dem Sichtfeld des Kindes und versteckte sich, aber als ihre Tochter keine Anstalten machte, kam sie nach einigen Minuten sehr wütend wieder zurück. Sie ging auf das Kind zu und schrie: "Du kommst jetzt mit!" Das Mädchen rannte weg und die Mutter rannte hinterher und da geschah etwas unglaubliches. Diese arme Frau hat ihr eigenes Kind am Arm zu Boden gerissen, es dabei auf übelste Art beschimpft, sich auf den Oberkörper des Kindes gekniet und wortwörtlich gefragt "Hältst du mich für Scheiße?" Was mich aber am allermeisten schockiert hat, dieser gut besuchte Spielplatz wird Schauplatz einer ungeheuerlichen Tat und kein Erwachsener tut etwas dagegen. Ich war der einzige der etwas gesagt hat und die Frau aktiv gehindert hat, das Kind weiter zu misshandeln. Dafür habe ich einen hass-, getrieben durch Angst, erfüllten Blick und die wütende Worte: "Das ist MEIN Kind, mit dem kann ICH machen was ICH will!" von der Mutter und ein erbarmungsloses Schweigen der anderen Zeugen bekommen. Einzig das Lächeln des Mädchens, was sie mir nach diesem ganzen Scheiß geschenkt hat, und der Kommentar meiner kleinen Tochter, die auch Zeuge war und meinte abschließend: "Ich bin froh, dass Du mein Papa bist." Lässt mich dieser schlimmen Sache noch etwas gutes abgewinnen. Mich macht es krank in einer Gesellschaft zu leben, wo ich als Erzieher von ganz vielen Kindern den Satz gehört habe: "Kannst Du nicht mein Papa sein." Ja ich werde traurig, wenn ich sehe wie die Kinder kaputtgemacht werden und irgendwie zieht mich das Leben auch immer wieder an Punkte, wo ich Kinder beistehen muss, weil es sonst niemand tut. Ich weiß wie Jugend- und Sozialamt arbeiten und stelle in Frage, ob dem heeren Gedanke noch gedient wird, oder nur möglichst stressfreie individueller Existenz sichernder Tätigkeit nachgegangen wird und dabei die Empathie zuhause bleibt?

Doch eins stimmt mich dann doch irgendwie positiv. Es gibt auch noch viel andere Kinder und deren Lächeln begegne ich auch gerne. Oft, wenn ich mein wahres Kind nach außen kehre, dann begegnen mir Menschen: "Wünschen mir einen guten Tag" und sind wieder verschwunden. Nach herzlicher Erwiderung und Grübeln, ob ich den Menschen kenne, stelle ich dann oft einfach fest, na klar, das war ein Kind und auch wenn ich nicht alle Namen kenne, so sind wir Kinder doch irgendwie doch eins. Und sehr schön empfinde ich auch Kinder, die in niemals Kinder sein wollen, gerade deswegen so kindlich. Und das macht
den Unterschied. Kindisch sein kann jeder, aber was Kindlichkeit bedeutet, wissen nur wenige wirklich zu finden. Aber ich erkenne sie an den Augen.

 
Nathanael
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