Die Rolle des Interbankensystems für das Kreditgeschäft

#1 von ped43z , 21.08.2015 11:04

Im Artikel Kredite – Der Hebel zur Geldschöpfung wurde einführend die Entstehung von Buchgeld (Giralgeld) bei der Kreditvergabe beschrieben – sehr einfach und Rahmenparameter ausklammernd. Hier nun sollen weitere Strukturen und Prozesse beschrieben werden, welche die Geschäftsbanken nutzen, nachdem das Kreditgeld geschöpft wurde.

von Ped, 17.8.2015

Wenn Kreditgeld auf Reisen geht

Als Einführung für diesen Artikel nochmal zur Erinnerung der Vorgang bei einer Kreditvergabe (ohne Kenntnis desselben wird man das Nachfolgende nicht verstehen können). Demnach findet eine Buchgeldschöpfung durch Bilanzverlängerung in Aktiva und Passiva der Bank statt. Auf der Passivseite wird dem Kreditnehmer der Betrag in einem Sichtkonto gut geschrieben, seine Schuld ist mit den eingebrachten Sicherheiten (z.B. einer Immobilie) besichert, was einer Pfändung gleichzusetzen ist.
Der eintretenden Schuld steht also immer ein Vermögen gegenüber. Entsprechend Kreditvertrag zahlt der Kreditnehmer den Kredit plus Zins und Zinseszins ab (wobei das Geld dafür bei der Kreditvergabe NICHT mit geschöpft wird). Über die Rückzahlung des Kredits verkürzt sich die Bilanzsumme und nach vollständiger Rückzahlung ist das Buchgeld vollständig wieder vernichtet, die Zinsen natürlich nicht, sie müssen durch neue Kreditaufnahmen finanziert werden.

Was in oben erwähntem Artikel u.a. außen vor gelassen wurde, war, was denn nun geschieht, wenn der Kredit verwendet wird, wenn also Waren und Dienstleistungen mit dem neu geschöpften Geld bezahlt werden. Solange Käufer und Verkäufer ihre Konten bei ein und derselben Bank führen, ist der Vorgang eher trivial. Der Betrag um den sich das Sichtkonto des Kreditnehmers (Käufers der Ware) mindert, ist der Gleiche um den sich das Sichtkonto des Verkäufers erhöht. Es handelt sich um ein Nullsummenspiel, das Buchgeld ist nur innerhalb der Bank von einem Konto zum Anderen gewandert und der Zahlungsvorgang hat keinerlei Bargeld erfordert. Die Gesamtschuld der Bank (auf Bargeld) gegenüber den Besitzern der Girokonten hat sich in keiner Weise verringert. Nur ein paar Zahlen haben sich verändert, aber das spielt keine Rolle, weil die Geschäftspartner dem virtuellen Geld vertrauen. Verpflichtet, dies zu akzeptieren wären sie nicht, ist doch Buchgeld, im Gegensatz zum Bargeld, kein gesetzlich vorgeschriebenes Zahlungsmittel.

Führen Verkäufer und Käufer die Konten, auf welche gebucht werden soll bei unterschiedlichen Banken, wird es etwas komplizierter. Was gleich bleibt, ist das gerade Beschriebene, dem Girokonto des Verkäufers wird der vom Girokonto des Käufers abgebuchte Betrag gutgeschrieben. Spätestens aber jetzt wird offensichtlich, dass es sich bei Kreditgeld tatsächlich um Schuldgeld handelt, denn die Bank des Verkäufers ist vom Mittelzufluss an Buchgeld in ihren Büchern überhaupt nicht begeistert, sie vertraut diesem Geld nicht. Warum? Mit dem Zuwachs an Buchgeld auf den Sichtkonten ihrer Kunden vergrößert sich die Schuld der Bank auf echtes Geld – Bargeld!
Ein Zuwachs an dinglichem Vermögen (z.B. durch Besicherung eines Kredits) oder zu erwartende Zinseinnamen gibt es aber bei solch einer Überweisung zwischen Giro-Konten nicht. Theoretisch könnte man nun einen Geldtransporter von Bank 1 zur Bank 2 schicken, um den Barwert der Überweisung zu übergeben, was man aber kaum tut wird. Weswegen die Bank folgerichtig dieses virtuelle Geld erst dann akzeptiert, wenn die Bank des Käufers (Kreditnutzers) Sicherheiten für das Kreditgeld hinterlegt. Das kann so weit gehen, dass die Bank der Transaktion nicht zustimmt! Es mögen Fälle vorgekommen sein, bei denen Bankkunden sich über die lange Laufzeit ihrer Überweisung beschwerten – ohne zu ahnen, dass die Ursache vielleicht genau hier lag – die Bank also deshalb die Überweisung hinauszögerte.
Warum dieser krasse Fall die Ausnahme ist, hat diverse Gründe, die wir im weiteren noch beleuchten. Einer ist der, dass Überweisungen von Buchgeld zwischen den Banken keine Einbahnstraße sind. Zwischen den Instituten werden tagtäglich tausende und abertausende solcher Transaktionen realisiert. Wenn sich nun der Zu- und Abgang an Buchgeld, da gleich groß, aufhebt, ist die Bilanz unverändert.

Interbank-Kreditkonten und Zentralbankkonten

Wie aber soll man diesen komplexen Buchgeldverkehr erfassen, in dem tausende Giro-Konten bei hunderten Banken miteinander verrechnet werden müssen? Hier kommt daher ein neuer Kontentyp in´s Spiel – das Interbank-Kreditkonto. Eine Geschäftsbank hat bei jeder anderen Bank, auf deren Kundenkonten sie Buchgeld überweist, ein Interbank-Kreditkonto. Und umgekehrt hat jede andere Bank, die Überweisungen zu dieser Bank tätigt, ihrerseits bei dieser Bank ein Interbank-Kreditkonto. Sämtlicher Zulauf an Buchgeld den eine Fremdbank tätigt, wird nun auf deren Interbank-Kreditkonto bei der eigenen Bank ebenfalls gebucht und dieser Vorgang findet im Prinzip bei allen Geschäftsbanken statt. Somit ergibt sich ein feinmaschiges Netz von Interbank-Beziehungen, wie feinmaschig, das soll ein idealisiertes Beispiel veranschaulichen, welches von einem Netz ausgeht, in dem gerade einmal vier Geschäftsbanken tätig sind (Abbildung 1): >>> Hier geht´s weiter


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