Wo kommt das Geld her? - Daniel im Gespräch mit Peter

#1 von ped43z , 13.08.2015 09:37

Im folgenden das Skript zum Podiumsgespräch auf der Mahnwache am 10.August 2015. Auch weil die Diskussion sich nicht an den Plot hielt und hier weitere interessante Informationen dargestellt werden, dies also allen Interessierten online gestellt:

Daniel: Kommen wir gleich zur Sache - was ist denn nun Geld?

Peter: Nun, da gibt es viele Antworten, denn Geld kann aus verschiedenen Sichten betrachtet werden. Jeder wird erst einmal zustimmen, wenn man Geld als ein gesetzliches Zahlungsmittel bezeichnet. Wissenschaftlich betrachtet, ist oft auch von der These die Rede, dass Geld ein allgemeines Äquivalent von Waren und Dienstleistungen ist. Das wäre schonmal zu hinterfragen, aber es gibt weitere Begrifflichkeiten von Geld und schnell erkennen wir, dass hier viel Psychologie im Spiel ist. So ist Geld auch ein Versprechen auf Einlösen gegen tatsächliche materielle und ideelle Werte. Desweiteren bildet es eine dialektische Klammer zwischen Schuld und Vermögen - das Eine gibt es nicht ohne das andere (in unserem aktuellen Geldsystem). Geld ist - mehr als es vielen bewusst ist - Spiegel unserer Denk- und Handlungsweisen. Und selbst ist es auch ein Produkt menschlichen Denkens, wie auch seine Funktionalitäten keine Naturgesetze sind. Entsprechend sind die aufgestellten Regeln zum Geld nicht naturgegeben sondern willkürlich bestimmt. Und leider sind diese Regeln, da keine Gesetze, auch nicht wissenschaftlich, sie unterliegen keinem Determinismus und lassen sich nicht sinnvoll auf ihre Richtigkeit falsifizieren. Deshalb ist es müßig, die Regeln denen unser Geld unterworfen ist, logisch zu erfassen.

Daniel: Eine einfache Antwort auf das was Geld ist, gibt es also offensichtlich nicht. Wie sieht es denn mit der Herkunft des Geldes aus, wie entsteht eigentlich Geld?

Peter: Das nun ist eigentlich ein eher simpler Vorgang, Geld sind Münzen und Geldscheine. In Münzprägeanstalten des Bundes werden die Münzen gefertigt und dann an die Deutsche Bundesbank verkauft. Die Druckereien der Deutschen Bundesbank produzieren das Papiergeld. In Umlauf gebracht, zählt das Bargeld banktechnisch zur sogenannten Geldmenge M0. Viel interessanter ist allerdings, wie das Bargeld eigentlich in Umlauf kommt. Und noch etwas ist wichtig: Bargeld ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland. Das bedeutet, dass jede Behörde und jedes Unternehmen verpflichtet ist, Bargeld zur Begleichung von Rechnungen anzunehmen. Das ist rechtlich schwerwiegend und führt aktuell zu Streitigkeiten. So gibt es eine Initiative von GEZ-Gebührenzahlern, welche darauf bestehen, die Gebühr in bar zu bezahlen, das aber sehen die Zahlungsmodalitäten der GEZ überhaupt nicht vor. Man darf auf das Ende dieses Rechtsstreits gespannt sein.

Daniel: Stellt sich die Frage, mit was denn die GEZ-Gebühr dann bezahlt wird, wenn nicht mit Bargeld.

Peter: Damit sind wir beim Buchgeld und tatsächlich werden 95 Prozent aller Rechnungen bargeldlos, per Buchung auf Konten beglichen. Das, obwohl Buchgeld keine gesetzliches Zahlungsmittel sonder nur allgemein anerkanntes Zahlungsmittel ist. Eine Pflicht zur bargeldlosen Rechnungsbegleichung ist rechtlich nirgends verankert. Buchgeld spielt aber eine entscheidende Rolle, um Bargeld überhaupt in Umlauf zu bringen. Um es deutlicher zu sagen: Ohne Buchgeld kein Bargeld!

Daniel: Ok, es wird komplizierter, wo kommt denn das Buchgeld her?

Peter: Nun, es muss geschaffen werden und das geschieht - der Name lässt es vermuten - durch einen simplen Buchungsvorgang. In den Aktiva und Passiva von (in der Regel) privaten Geschäftsbanken wird im Rahmen einer Kreditgewährung, unter Hinterlegung von Sicherheiten in Höhe eben dieser Kreditgewährung, eine Bilanzverlängerung vorgenommen, das war´s.

Daniel: Wieder zwei neue Begriffe - Aktiva und Passiva, lässt sich kurz erklären, was darunter zu verstehen ist?

Peter: Natürlich, diese Termini sind Bestandteile der sogenannten doppelten Buchführung, einem Mechanismus zur Vorlage von Bilanzen. Dazu sind gewinnorientierte Unternehmen, zu denen natürlich auch Geschäftsbanken zählen, verpflichtet. So werden Gewinne und Verluste ausgewiesen und darüber die Steuern von Unternehmen berechnet. Die Bilanz wird in Form einer Tabelle geführt, deren linke Seite, die Aktiva, das Vermögen des Unternehmens darstellt. Die rechte Seite dagegen, die Passiva, zeigt die Herkunft der Vermögensgegenstände. So sind Gebäude und Maschinen eines Unternehmens solche Vermögensgegenstände und werden in den Aktiva aufgeführt, in den Passiva steht nun, ob und auf welche Weise diese Dinge fremd- oder eigenfinanziert sind. Kurz und vereinfacht gesagt: In den Aktiva steht das Vermögen, in den Passiva die Herkunft des Vermögens.

Daniel: Was hat das Ganze nun mit der Entstehung von Buchgeld zu tun?

Peter: Kurz habe ich ja gerade von Kreditgewährung gesprochen. Die erfolgt, wenn ein Wirtschaftsteilnehmer im Rahmen seiner Tätigkeit einen Geldbedarf signalisiert. Die Buchgeldschöpfung ist somit Folge eines Geldmangels.

Daniel: Oha, Bedarf erzeugt also Kredit, deshalb spricht man auch von Kreditgeld. Aber ich muss noch einmal nachfragen, denn Du sagtest das Geld wird nur durch einen Buchungsvorgang geschaffen, tatsächlich? Ist es nicht eher so, dass Einlagen von Kunden weiter verliehen werden?

Peter: Du sprichst hier von der sogenannten finanziellen Intermediationstheorie, der zu Folge das Geld der Sparer verliehen wird. Also keine Neuschöpfung von Geld sondern die Funktion der Banken als Intermediäre, als Zwischenhändler um Geldmangel zu befriedigen. Diese Theorie wird bis heute an akademischen Einrichtungen gelehrt, nichtdestotrotz aber niemals an einem einzigen Beispiel bewiesen, ist das nicht erstaunlich? Um es deutlicher zu sagen: Diese Theorie ist schlicht falsch!

Daniel: Du klingst ja sehr überzeugt mit Deiner Meinung, kannst Du das auch in irgendeiner Weise belegen?

Peter: Eine Theorie, wie die finanzielle Intermediationstheorie, die durch keinerlei Beweis untermauert ist, als praktisch gegeben hinzunehmen, halte ich - gelinde gesagt - für reichlich ambitioniert. Es dürfte eine gesonderte Untersuchung wert sein, wie sich eine solche durch nichts unterlegte Lehre solange halten konnte. Die Schöpfung von Geld durch Buchung dagegen wurde unzählige Male nachgewiesen und dokumentiert, belastbare Quellen dafür gibt es in großer Zahl und nicht zuletzt weisen gerade die Publikationen der zentralen Institutionen selbst, wie der Deutschen Bundesbank und der Bank of England klar auf diesen Sachverhalt hin.

Daniel: Das erscheint plausibel. So komisch es erst einmal klingt, wird also Geld per Buchungsvorgang im Rahmen einer Kreditvergabe im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nichts erschaffen. Das heißt auch, dass die Geldmenge erhöht wird, oder?

Peter: Ganz genau, es gab eine Geldmengenerhöhung, weil ein Geldmangel bestand. Der damit verbundene Geldbedarf wurde mit der Geldschöpfung ausgeglichen, somit ist das also auch völlig in Ordnung.

Daniel: Wäre es denn aber nicht besser, die Einlagen der Sparer zu verwenden? Es ist doch also Geld vorhanden und neues Geld, ein Mehr an Geld bedeutet doch Inflation?

Peter: Diese Einlagenverwendung ist durchaus Bestandteil alternativer Konzepte für das Finanzsystem, der Gedanke ist also bemerkenswert. Wir wollen uns hier aber auf die Analyse des bestehenden Systems konzentrieren. Und in diesem wird der Begriff Inflation etwas zu negativ konnotiert. Wenn die Erweiterung von Wirtschaftstätigkeit sinnvoll ist, sinnvoll also im Kontext eines tatsächlichen für die Allgemeinheit bestehenden Bedarfs an Investitionen, für die Ressourcen zur Verfügung stehen, nur eben nicht das Geld. Warum soll eben das, das einzig Fehlende, nicht bereitgestellt werden? Das Problem ist der Missbrauch der Geldschöpfung zur Gewinnmaximierung durch die privaten Geschäftsbanken. Deren Geldschöpfung dient eben nicht vordergründig der Gewährleistung funktionierender, gesunder Wirtschaftskreisläufe in einer Gesellschaft. Wenn sie es für sich profitabel halten, werden sie fast unbeschränkt Kredite vergeben - das können sie ungeachtet gegenteiliger Nachrichten wirklich fast unbegrenzt und so die Geldmenge aufblähen. Ob das wirtschaftlich sinnvoll ist, spielt dabei keine Rolle.

Daniel: Wird denn aber nicht immer wieder erzählt, dass die Zentralbanken die Geldmenge, also die Geldschöpfung steuern können?

Peter: Du hast recht, das ist in den Medien immer wieder zu hören, allein es stimmt einfach nicht. Richtig ist, dass Geschäftsbanken schon gewissen Vorgaben unterliegen. Die Wichtigste ist sicher die Einhaltung der Eigenkapitalquote (im Bankenwesen auch Kernkapitalquote genannt) von sechs Prozent nach Basel III.

Daniel: Basel, ist das nicht der Sitz der Internationalen Bank für Zahlungsausgleich, der BIZ?

Peter: Ist es und sich über diese "Bank der Zentralbanken" zu unterhalten, wäre sicher auch sehr erhellend, leider müssen wir das an dieser Stelle ausblenden. Aber zurück zur Eigenkapitalquote, diese beschreibt logischerweise das Verhältnis vom Eigenkapital zum Gesamtkapital. Danach muss also mindestens sechs Prozent des Vermögens (der Aktiva) aus Eigenmitteln (so ausgewiesen in den Passiva) finanziert sein.

Daniel: Ganz schön wenig, wenn ich bedenke, dass im normalen Wirtschaftsleben Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von weniger als einem Drittel insolvenzgefährdet sind.

Peter: Da gebe ich Dir völlig recht, es ist wirklich erstaunlich, wie gering Banken ihre Vermögenswerte eigenfinanzieren müssen. Aber ich möchte noch einmal auf den Vorgang der Bilanzverlängerung bei der Kreditvergabe zurück kommen, weil ich glaube, dass es wichtig ist, diesen Vorgang zu durchschauen.

Daniel: Gern, nur zu!

Peter: Mit der Bilanzverlängerung wird auf der linken Seite der Bilanz, der Aktiva, die Kreditsumme gebucht, sie erhöht damit das Vermögen der Bank. Auf der rechten Seite, der Passiva, erscheint nun die Herkunft des Vermögens, es ist der Debitor, der Schuldner. Er bürgt mit den erbrachten Sicherheiten bei einem Kreditausfall. Im gleichen Zuge wird ihm auf seinem Girokonto die Kreditsumme gut geschrieben.

Daniel: Das klingt einleuchtend. Um es mal zusammenzufassen, kann man sagen, dass die Aktiva die Vermögen und die Passiva die Schulden darstellen?

Peter: Das kann man durchaus! Wobei das Eigenkapital auf der Passivseite als eine "Schuld sich selbst gegenüber", alle anderen, eben die fremdkapitalbasierten Posten, als "Schuld anderer" klassifiziert werden können. Das Ganze zeigt deutlich - und aus dieser Erkenntnissicht heraus ist mir die doppelte Buchführung irgendwie sympathisch: Vermögen machen Schulden zwingend erforderlich, noch klarer: OHNE SCHULDEN KEIN VERMÖGEN. Wenn es also eine solche Konstellation gibt, kann man ohne weiteres von einer Ungleichverteilung sprechen. Das alles vom inhärenten Wesen dieses Systems aus, in dem der Begriff Schuld eine überragende Rolle spielt.

Daniel: Interessant, insbesondere die Deutung des Schuldbegriffs innerhalb des Systems. Was mich aber irritiert: Bislang ist nicht ein einziges Mal von Zinsen die Rede gewesen, die doch wohl eine überragende Rolle in unserem Geldsystem spielen - WARUM?

Peter: Ganz einfach, wir haben bis jetzt vom Geldschöpfungsprozess im Rahmen der Kreditvergabe gesprochen, mit dem Fokus auf den bilanztechnischen Ablauf. In diesem aber kommen Zinsen überhaupt nicht vor, sie spielen während dieser Phase in den Büchern der Bank (wiewohl sie Teil des Kreditvertrages sind) schlicht keine Rolle. Denn sie werden nicht als Geld geschöpft!

Daniel: Wie bitte? Es soll mehr Geld zurück gezahlt werden, als Geld im Rahmen der Kreditvergabe geschöpft wurde?

Peter: Unglaublich aber wahr und der einzige Weg ist...

Daniel: Neue Kredite aufnehmen?

Peter: Bingo! So ist es.

Daniel: Immer neue Kredite aufnehmen, um Zinsen zu bezahlen. Ist denn ein solches System nicht viel inflationsgefährdeter?

Peter: Ja, natürlich und aufgrund seiner exponentialen Eigenschaften sogar irgendwann explosionsartig anwachsend.

Daniel: Ist ja immer so bei Zinsen...

Peter: Oh nein, keinesfalls, allerdings bei Zins und Zinseszins, wie er in unserem Finanzsystem Anwendung findet. Zins an und für sich ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes, nämlich um die Geldmenge respektive Geldschöpfung zu regulieren, über positive und negative Zinsen.

Daniel: Letzteres als Mittel einer Geldumlaufsicherung.

Peter: Ganz genau

Daniel: Irgendwann müssen ja aber wohl die Zinsen in den Büchern auftauchen?

Peter: Daran erkennt man, dass Buchhaltung tatsächlich rein menschengemacht ist und mit Naturwissenschaften nichts zu tun hat. Dass Zinsen bei der Kreditschöpfung nicht auftauchen, ist reine Willkür. Wundersamerweise leuchten sie uns bei der ersten vertraglich festgelegten Rückzahlungsrate entgegen. Da steht in den Aktiva die Forderung über die vom Kreditnehmer zu leistende anstehende Rückzahlung und schaut man in die Passiva, sieht man nun zwei Posten, die Ratenzahlung UND die Zinsen. Ohne die Zinsen wäre alles gut, denn mit jeder Ratenzahlung würde systematisch auch der Kredit getilgt, die Bilanz wird verkürzt, sagt man. Das entspricht einer Vernichtung von Buchgeld, mit vollständiger Kreditrückzahlung wäre das Buchgeld wieder vollständig vernichtet. Sehr sinnvoll, sollte es ja auch nur einen vorübergehenden Bedarf an flüssigen Mitteln decken.

Daniel: Schuldentilgung vernichtet also Geld, Buchgeld. Soll das heißen, dass, wenn alle Kredite zurückgezahlt würden, es kein Geld mehr geben würde?

Peter: Das ist der Punkt, auf Basis unseres aktuellen Geldsystems würde bei so einem Fall die Wirtschaftstätigkeit zum Erliegen kommen, aber nur wenn man dumm genug ist, Alternativen nicht in Erwägung zu ziehen.

Daniel: Nun haben wir noch gar nicht über den Fall gesprochen, dass ein Kredit platzt. Die Banken geben das als Risiko an, mit Recht?

Peter: Nun, buchungstechnisch passiert folgendes: Auf der Vermögensseite (den Aktiva) bucht die Bank den gescheiterten Kredit als Verlust aus, sie schreibt ihn ab. Dabei ist zu beachten, dass Abschreibungen in der Bilanz den Gewinn reduzieren und damit steuermindernd wirken. Dass die erwarteten Zinsen nun nicht mehr eingenommen werden, ist mitnichten ein Risiko, vielmehr ist eine Gewinnerwartung nicht eingetreten, zwischen diesen beiden Begriffen sollte man unterscheiden. Außerdem geht die hinterlegte Sicherheit des Debitors in den Besitz der Bank über und mindert den Ausfall ein weiteres Mal. Ein Kreditausfall ist in der Regel für die Bank ein Buchungsvorgang, für den Kreditnehmer jedoch oft eine Katastrophe! Die Banken argumentieren auch mit den Zinskosten im Interbankenhandel, eher aber profitieren sie im Rahmen der kooperativen Geldschöpfung untereinander davon - den Beweis dafür muss ich an dieser Stelle schuldig bleiben, die Zeit rinnt dahin, versprochen, wird nachgeliefert. Im Bankensystem bleibt die Geldschöpfung wie deren Vernichtung ein Nullsummenspiel. Übrigens wird der Kreditausfall in den Passiva der Bank NICHT ausgetragen und erscheint als Schuld der Bank gegen sich selbst, logisch? Für mich nicht.

Daniel: Angefangen aber haben wir unseren Disput mit echtem Geld, mit Bargeld. Die Antwort wie das Bargeld denn nun in unsere Hände kommt, die steht noch aus. Immer sprachen wir jetzt von Buchgeld, wie kommt denn nun das Bargeld zu uns?

Peter: Über den "Kunstgriff" des Buchgeldes! Das auf den Sichtkonten der Bankkunden aufgeführte Haben ist nämlich als Forderung gegen die Bank zu betrachten, eine Forderung auf echtes Geld, auf Bargeld! In Umkehrung lässt sich auch sagen, dass erst durch die Kreditgeldschöpfung Bargeld im Umlauf gebracht werden kann. Dieses Bargeld kann eine Geschäftsbank bekanntermaßen nicht selbst schöpfen, sie muss es sich bei der Zentralbank leihen. Leihen heißt nichts anderes, als Kredit aufnehmen und hier kommt ein neuer Typ von Geld in´s Spiel, das Zentralbankgeld - finanztechnisch auch Geldmenge M0 genannt.

Daniel: Womit das Spiel der doppelten Buchführung erneut beginnt, nur mit den Geschäftsbanken als, salopp gesagt, Kunden der Zentralbanken?

Peter: Das kann man so sagen, wobei der Kundentyp Geschäftsbank bei einer Zentralbank Konditionen bekommt, wovon ein Privatkunde bei seiner Geschäftsbank nur träumen kann.

Daniel: Zum Beispiel bei der Absicherung aufgenommener Kredite?

Peter: Durchaus, hier kommt übrigens wieder die Eigenkapitalquote in´s Spiel, was zwar ein theoretisches Limit setzt aber heutzutage kaum noch greift, denn die Banken haben einen großen Spielraum bei der "Gestaltung" ihrer Bilanzen. Das betrifft vor allem ihren Ermessensspielraum, was eigentlich unter Eigenkapital zu verstehen ist.

Daniel: Gut, aber wir schweifen schon wieder ab, bleiben wir beim Bargeld?

Peter: Na klar, die Bank nimmt also bei der Zentralbank einen sehr niedrig verzinsten Kredit auf und bekommt die Kreditsumme auf ihrem Girokonto bei der Zentralbank gutgeschrieben. Die Kontonummern dieser Girokonten sind uns sogar wohlbekannt.

Daniel: Ich tippe mal auf die Bankleitzahl?

Peter: Und tippst richtig. Es ist das gleiche Konto, auf dem auch die geheimnisvolle Mindestreserve geparkt ist, zu deren Vorhaltung eine Geschäftsbank verpflichtet ist. Auch die Mindestreserve ist die Gutschrift für einen Kredit bei der Zentralbank. Die Geschäftsbank kann nun dieses Girokonto genauso benutzen wie ein Privatkunde sein Girokonto bei der Geschäftsbank. Sie kann also ganz normal Bargeld abheben, natürlich nicht am Schalter oder Geldautomaten sondern über Sicherheitsfirmen. Und im gleichen Maße wie die Zentralbank der Geschäftsbank Bargeld ausreicht, wird deren Girokonto um die gleiche Summe erleichtert. Das Bargeld liegt danach quasi als Kassenbestand in den Tresoren bzw. Geldautomaten der Geschäftsbank, womit der Bargeldzugriff für die Kundenebene gegeben ist.

Daniel: Stellt sich die Frage, wie eine Bank pleite gehen kann, wenn sie doch gar keine Risiken hat?

Peter: Nun ja, eine Kreditbank lebt von Krediten und den damit eingetriebenen Zinseinnahmen. Bleiben also die Kunden aus, kann es eng werden, gibt es keinen Markt, dann taugt das Geschäftsmodell nicht mehr. Das was die Vertreter des Neoliberalismus jeden Tag vorbeten, soll ausgerechnet für Banken nicht gelten? Zumal noch etwas ganz anderes dazu kommt: Banken - und das gilt gerade für die sogenannten big to fail - sind in ihren Geschäftsgebahren maßlos, so wie der Grundansatz des zins- und zinseszinsbasierten Schuldgeldsystems. Die damit verbundene Arroganz und Gier von Managern und Bankern macht blind für die Realität und treibt diese in immer größere Risiken. Sie selbst sind getrieben von einer Welt, in der nur Geld zählt, Anerkennung durch Boni und Schulterklopfen von Seinesgleichen, die vergessen haben, dass es die Menschen sind, die zählen.

Daniel: Banken sind also doch systemisch böse?

Peter: Das will ich damit auf keinen Fall sagen. Es gibt über 2000 Banken in Deutschland, mit durchaus seriösem sinnvollen Wirtschaften. Das sind Sparkassen, Volksbanken, Genossenschaftsbanken und weitere Finanzinstitute. Ebenso gilt, nicht die Menschen über einen Kamm zu scheren und wir wissen selbst, dass ein Ausgrenzen uns nicht weiter bringt, wir also einen anderen kooperativen Prozess der Veränderung wagen müssen.

Daniel: Das ist auch ein interessanter Aspekt, den Du gerade anschlägst. Wir haben bei Weitem nicht alle Themen im Rahmen der Geldschöpfung abhandeln können, ich denke nur an die Finanzierung von Staaten in diesem System an die Rolle der EZB, das Zentralbankensystem und und und.

Peter: Du sagst es. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Ereignisse in Griechenland wäre eine Erörterung von EZB und dem sogenannten Europäischen Rettungsschirm (ESM) wichtig. Auch haben wir die Aspekte Mindestreserve und Interbankensystem heute nicht ausreichend würdigen können, empfehlen aber Jedem sich damit zu beschäftigen.

Daniel: Danke für Deine interessanten Einblicke über unser Geldwesen.

Peter: Den Dank gebe ich sehr gern zurück, Daniel!


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RE: Wo kommt das Geld her? - Daniel im Gespräch mit Peter

#2 von nick91 , 13.08.2015 10:49

danke an euch, hattet ihr wirklich super gemacht, und großes lob nochmal an daniel, der meiner Meinung nach eine super Rolle als Moderator gehabt hatte!

 
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RE: Wo kommt das Geld her? - Daniel im Gespräch mit Peter

#3 von Rolf zu Darben , 18.08.2015 22:58

Das Lob wurde ja bereits mehrfach geäußert, aber ich schließe mich noch einmal dem nick an! :D


Aso und falls ihr es noch nicht gesehen habt, das Video ist online:
https://www.youtube.com/watch?v=9WePDl7R0gA

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RE: Wo kommt das Geld her? - Daniel im Gespräch mit Peter

#4 von Rolf zu Darben , 18.08.2015 23:46

Als ich grad daran saß, das Vid nochmal in einem extra-Format (also nicht als Mahnwachen-Komplettversion) zu schneiden, hab ich mir das ganze Gespräch noch einmal angehört und muss wirklich sagen, bei erneutem Hören hab ich noch viel mehr verstanden! Also wirklich danke für eure Arbeit, es ist klasse :D

Hab mir auch die wichtigsten Punkte nochmal rausgeschrieben und werde das Video wenns morgen fertig gerendert ist so hochladen und verbreiten, dass es hoffentlich auch einige Klicks bekommt.

Also ich kann es jedem nur empfehlen, sich das ganze nochmal in Ruhe zu geben. Georgs Beitrag werd ich mir morgen früh nochmal zu Gemüte führen, bin schon gespannt :)

Merci!

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RE: Wo kommt das Geld her? - Daniel im Gespräch mit Peter

#5 von Rolf zu Darben , 19.08.2015 13:14

So jetzt hab ich Georgs Part auch nochmal aufmerksam angeschaut und wurde abermals erhellt :D

Ich hätte noch 2 Fragen, vll kann da wer weiterhelfen:

Die erste ist, warum geht man denn dann in der gängigen Lehrmeinung immer noch von der Theorie der Finanzintermediation aus? Gibts da irgendeine plausible Erklärung zu? Ich meine ok, die Bundesbank sagt zwar, dass es so ist, aber es beschäftigen sich da ja schließlich tausende Finanzexperten damit und es kann doch kaum sein, dass die das alle blind glauben und da nicht weitergehen. Wenn ihr das schon nach einer "kleinen" Recherche (ich will eure Leistung damit überhaupt nicht abwerten, ich meine nur im Vergleich zu jemandem, dessen Job es ist sich mit dem Finanzsystem auseinanderzusetzen ist das ja trotzdem noch verdammt wenig investierte Zeit^^) rausbekommt, woran liegt es dann, dass die Lehrmeinung da immer noch falsch ist?

Und die zweite Frage ist weniger eine Frage als eine Anregung in welche Richtung wir dann weiterdenken könnten: Wir haben jetzt also einen extrem aufgeblähten Finanzmarkt, der Großteil des Geldes repräsentiert keine Realwirtschaft mehr, überall wird mit Schrottpapieren als Sicherung gehandelt weil die Anforderungen an die Sicherungen seit der Krise enorm zurückgegangen sind (siehe Georgs Teil) und irgendwann, quasi in dem Moment wo das Vertrauen geprüft wird und viele Akteure ihre Schuldscheine einlösen wollen, muss das ganze ziemlich krachen. Wenn nicht durch neue Geldschöpfungen nochmal nach hinten rausgeschoben. Den Fall einmal angenommen, dann stehen ganz viele Menschen mit Geld doof da, dem kein realer Wert mehr gegenübersteht. Sie sind quasi am Arsch. Die Frage die ich jetzt interessant finde ist: Wo konzentrieren sich in dem Fall die realen Werte, was sind die Verteilungsstrukturen. Also gibt es im Falle eines Crashs quasi eine zufällige Verteilung von "Werten" und Geld oder ist da eine klare Systematik erkennbar? Ich müsste wahrscheinlich nur mal ordentlich drüber nachdenken und würde wahrscheinlich selbst drauf kommen, hab aber grad nciht die Zeit dazu, muss Hausarbeit schreiben^^ .... Aber ich denke diese Frage ist im Anschluss an den Vortrag sehr interessant.

lg, gris


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zuletzt bearbeitet 19.08.2015 | Top

RE: Wo kommt das Geld her? - Daniel im Gespräch mit Peter

#6 von ped43z , 20.08.2015 00:41

Zitat
... warum geht man denn dann in der gängigen Lehrmeinung immer noch von der Theorie der Finanzintermediation aus? Gibts da irgendeine plausible Erklärung zu? Ich meine ok, die Bundesbank sagt zwar, dass es so ist, aber es beschäftigen sich da ja schließlich tausende Finanzexperten damit und es kann doch kaum sein, dass die das alle blind glauben und da nicht weitergehen. Wenn ihr das schon nach einer "kleinen" Recherche (ich will eure Leistung damit überhaupt nicht abwerten, ich meine nur im Vergleich zu jemandem, dessen Job es ist sich mit dem Finanzsystem auseinanderzusetzen ist das ja trotzdem noch verdammt wenig investierte Zeit^^) rausbekommt, woran liegt es dann, dass die Lehrmeinung da immer noch falsch ist?


Hier zeigt sich wieder, dass die Antwort aus der Sicht eines einzigen Aspekts nicht befriedigen kann. Vielleicht hilft ein Vergleich zu anderen Erkenntnisprozessen. Wie war es möglich, dass Jahrhunderte lang die offizielle Lehrmeinung vertreten werden konnte, dass die Erde eine Scheibe ist? Aus meiner Sicht deshalb, weil es mit unserer alltäglichen Sicht korreliert! Ein Bild was vermeintlich jeden Tag bestätigt wird, ist schwerlich zu zerstören. Ein weiterer Aspekt ist der, dass die wissenschaftlichen Eliten ebenfalls in ihrem Egotismus gefangen sind, also in ihren Elfenbeintürmen sitzen. Und die Nutznießer dieses Finanzsystems hofieren und korrumpieren diese wissenschaftlichen Eliten - aus schlichtem Eigeninteresse. Das war auch früher schon so, man denke nur mal an die Anfeindungen, denen Darwin nebst seiner Evolutionstheorie ausgesetzt war. Konnotation ist ein weiterer Aspekt. Von Haus aus wird Sparen positiv konnotiert, man hat es als positiven Gegenentwurf zur Verschwendungssucht propagiert - PROPAGIERT! Damit stärkt man in den Menschen aber was ganz anderes, nämlich die Gier, den Egoismus, die Konkurrenz. Sparen ist nichts anderes als Horten, Wegschließen vor Anderen, es ist verschüttete Empathie, man hat etwas was man nicht wirklich benötigt, weil es viel mehr ist, als man zum Leben braucht und ignoriert das Elend der Anderen. Da aber diese Ideologie durchgreifend ist, ist jeder, selbst der Arme in dieser Rolle gefangen. Wie gesagt, Sparen positiv konnotiert und wenn im Unterbewusstsein der Menschen dieses Bild immanent ist, dann kann man wunderbar eine Theorie unters Volk bringen, was dieses unbewusste Bild stützt.
Übrigens ist Manipulation so machtvoll, dass man die Wahrheit gar nicht restriktiv unterdrücken muss. Der Manipulierte nimmt sie einfach nicht WAHR. Hans Gestrich, ein deutscher Ökonom, hat bereits im Jahre 1936 in verblüffender Klarheit die finanzielle Intermediationstheorie widerlegt und die Geldschöpfung aus dem Nichts begründet. Wie gesagt, was wir da recherchiert haben, ist absolut nicht revolutionäres, es kommt nur schlicht bei den Leuten nicht an.

Zitat
Und die zweite Frage ist weniger eine Frage als eine Anregung in welche Richtung wir dann weiterdenken könnten: Wir haben jetzt also einen extrem aufgeblähten Finanzmarkt, der Großteil des Geldes repräsentiert keine Realwirtschaft mehr, überall wird mit Schrottpapieren als Sicherung gehandelt weil die Anforderungen an die Sicherungen seit der Krise enorm zurückgegangen sind (siehe Georgs Teil) und irgendwann, quasi in dem Moment wo das Vertrauen geprüft wird und viele Akteure ihre Schuldscheine einlösen wollen, muss das ganze ziemlich krachen. Wenn nicht durch neue Geldschöpfungen nochmal nach hinten rausgeschoben. Den Fall einmal angenommen, dann stehen ganz viele Menschen mit Geld doof da, dem kein realer Wert mehr gegenübersteht. Sie sind quasi am Arsch. Die Frage die ich jetzt interessant finde ist: Wo konzentrieren sich in dem Fall die realen Werte, was sind die Verteilungsstrukturen. Also gibt es im Falle eines Crashs quasi eine zufällige Verteilung von "Werten" und Geld oder ist da eine klare Systematik erkennbar? Ich müsste wahrscheinlich nur mal ordentlich drüber nachdenken und würde wahrscheinlich selbst drauf kommen, hab aber grad nciht die Zeit dazu, muss Hausarbeit schreiben^^ .... Aber ich denke diese Frage ist im Anschluss an den Vortrag


Diese Gedanken sind eine Steilvorlage in Richtung Griechenland-Krise. Und ich sage: Ja, die Systematik ist klar erkennbar. Die ganze Finanzkrise dort zielt in Wirklichkeit gar nicht auf das Geld sondern auf die tatsächlichen Reichtümer des Landes. Es geht darum, den Würgegriff der vermeintlichen(!) SCHULD auf Griechenland aufrecht zu erhalten, um Zugriff auf dessen Ressourcen zu bekommen. Daher ja auch das Pressing zur Privatisierung, was nichts anderes als Ausverkauf bedeutet. Ich hoffe sehr, dass in meinem Griechenland-Vortrag in anderthalb Wochen plastisch darstellen zu können. Bestimmte Eliten wissen ganz genau, dass dieses Finanzsystem in einen großen Krieg führen wird, in dem massivst echte Werte vernichtet werden, womit der Kreislauf von neuem beginnen wird. Aber bisher funktioniert das System auch so hervorragend, denn die großen Zentralbanken (Fed, EZB) werfen - und zwar ohne echte Kontrolle irgendwelcher Staaten - einfach riesige Summen auf den Markt, füttern damit die Finanzmärkte, die im Zusammenspiel mit Konzernen, Investmentgesellschaften mit genau diesen Summen, die Eigensanierung durchführen und mit diesem mit aller Macht am Leben erhaltenen Vertrauen auf diese Währung als Fiktion irgendwelcher Werte, sich die Reichtümer des Globus zusammenkaufen. Man darf nicht vergessen, dass die großen Banken dieser Erde eigentlich schon lange pleite waren, aber um die Buchhaltung geht es nicht, es geht um die Macht und jetzt komme ich wieder zum Ursprung, die Macht manifestiert als Glauben in den Köpfen der Menschen. Und genau in diesem Zusammenhang ist auch TTIP zu sehen, weil der Druck auf alle Wirtschaftseinheiten in diesem System immens ist und diese deshalb gar nicht anders können, als alle regulativen Schranken zu reißen. Diese ganze verkackte Scheinwelt bricht dann zusammen, wenn es gelingt, den Menschen klar zu machen, dass sie in einer Orwellschen Welt, mit ihrem ganz persönlichen Verhalten immer mehr zum Sklaven dieses kruden Systems konditioniert werden.
Sorry für die endlosen Sätze, der Tag ist jung...


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