Tipps, Links und Denkanstöße zum Geldsystem

#1 von ped43z , 05.08.2015 21:30

Hier werden allgemeine Informationen und Denkanstöße zum Geldsystem gegeben.

Aspekte:

  1. Rolle der Einlagen von Sparern
  2. Voraussetzungen zur Kreditvergabe: Mindestreserve und Eigenkapital
  3. Bilanzverlängerung - Bilanzverkürzung (Soll - Haben / Aktiva - Passiva)
  4. Rolle der Zinsen bei Kreditvergabe - gesamtheitlich, buchungstechnisch
  5. Interbankenverkehr - Zentralbankkonten - Zentralbanken
  6. Geldmengen M0 und M1
  7. Wie kommt Bargeld in Umlauf
  8. Was passiert bei Kreditausfall
  9. Staatliche Kreditaufnahme: Staatsanleihen
  10. Psychologische Aspekte bei der Schuldgeldvermehrung
  11. Anregung: Nicht Geld arbeitet - Menschen arbeiten!


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zuletzt bearbeitet 21.08.2015 | Top

Links zum Thema Geldschöpfung und ZB

#2 von ped43z , 05.08.2015 22:15


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Geldschöpfung und ZB - Stichpunkte zum Nachdenken

#3 von ped43z , 06.08.2015 16:28

Einführung

- Es gibt unterschiedliche Kreditformen (Wertpapiere, Dispo, Privatkredit, Kreditkarten ...)
- Fokus hier auf langfristigen Krediten (z.B. Hypothekendarlehen)
- Beschreibung des ZB-Systems hier streng auf den Kontext von Geldschöpfung gerichtet.

Geld entsteht bei Bedarf

- Geld ist kein Absolutum, welches als verlässliche Konstante im Markt kreist.
- Geld wird immer erst nach Bedarf erzeugt und zur Verfügung gestellt.
- Dieser Bedarf wird angezeigt, wenn Nichtbanken einen Kredit beantragen.
- Nach positiv verlaufener Bonitätsprüfung wird das Geld als Buchgeld über eine Bilanzverlängerung erzeugt.
- Der Kreditsumme steht immer ein (subjektiv geschätzter) gleichartiger materieller Wert gegenüber.
- Der Vorgang der Bilanzverlängerung bedeutet ein Hinzufügen des Kreditbetrags zu Aktiva und Passiva.
- Aktiva (Haben) beschreibt das Vermögen, Passiva (Soll) die Herkunft (Verbindlichkeiten), die "Schuld".
- Die Schulden werden also als Buchungssatz erzeugt.
- Im gleichen Zuge wird das Kreditkonto des Debitors belastet und gleichzeitig die Summe seinem Girokonto gutgeschrieben.
- Zinsen spielen bei dieser Bilanzverlängerung (=Buchgeldschöpfung =Erhöhung der Geldmenge M3) keine Rolle.
- Wichtig: Der Zins wird niemals geschöpft, Zinsen lassen sich nur aus anderen Krediten beschaffen.
- Ebenso wird bei diesem Prozess keinerlei Bargeld erzeugt (=Erhöhung Geldmenge M1) und in den Markt gebracht.
- Gesamtgesellschaftlich werden immer mehr Kredite benötigt aufgrund der Ansammlung von Vermögen.
- Vermögen heißt horten, um Zinsen zu erzielen.
- Geldvermögen ist vom Markt genommenes Geld und bedarf zusätzlicher Geldschöpfung (Kredite).

Geldvernichtung

- Mit Rückzahlung eines Kredits wird auch sämtliches für diesen geschöpftes Buchgeld wieder vernichtet.
- Die Zinsen jedoch bleiben erhalten (solange keine Negativ-Zinsen erhoben werden!).
- Im Gegenteil erhöht sich der sogenannte Zinssockel immer weiter.

Erste Schlussfolgerungen

- Das Geld (Buchgeld wie Bargeld) kann überhaupt nur deshalb existieren, weil ihm die Menschen vertrauen.
- Um Zinsen bezahlen zu können, müssen zusätzliche neue Kredite kreiert werden.
- Ein Kredit ist eine Schuld.
- Die Summe der Kredite muss ständig wachsen, damit auch die Zinsen bezahlt werden können.
- SCHULDEN SIND UNBEDINGTE NOTWENDIGKEIT (und in dem Sinne kein Übel), DAMIT DIESES SYSTEM FUNKTIONIERT!
- Buchgeld ist DAS Zahlungsmittel der Wirtschaft (2013: 70 Bill.€ Buchgeld-Umsätze)

Kreditverwertung

Beispielhaft bei vollständiger Verwendung des Kredits und der Begleichung von Kaufsummen auf KONTEN ANDERER BANKEN:
Der Computer der GB stellt das Girokonto des Debitors auf Null.
Der Kreditor bucht den Betrag auf das Girokonto des Zahlungsempfängers bei der Fremdbank.
Der Betrag wird auf dem Interbankenkonto dieser Bank bei der Fremdbank gebucht - als Soll.
Der gleiche Betrag wird auf dem eigenen Interbankkonto für die Fremdbank als Haben gebucht.
Der Saldo der beiden Interbankenkonto muss im Rahmen eines zwischen den Banken ausgehandelten Kreditrahmens bleiben.
Wird der Saldo gerissen, muss die überschuldete Bank diesen ausgleichen - durch Clearing.
Hierfür überweist sie den fälligen Betrag in Form ZB-Geldes von ihrem eigenen ZB-Konto auf das ZB-Konto der Fremdbank.
Buchgeld bleibt immer auf GB-Ebene, ZB-Geld immer auf Zentralbankebene, niemals Vermischung!


Mindestreserve
Im Bestand des ZB-Kontos der GB ist auch die Mindestreserve enthalten, daher auch der Name Mindestreservekonto
Mindestreservekonten sind die wesentlichen Schnittstellen im Interbankenverkehr (funktionieren wie Girokonten).
Wird die Mindestreserve unterschritten, muss die GB das Konto wieder auffüllen.
Das Geld auf dem Reservekonto ist ZB-Geld und muss bei der ZB geliehen werden - es kommt NICHT aus Kundeneinlagen.
Mindestreserve ist also vorgeschriebenes ZB-Geld in Höhe einer bestimmten Prozentzahl der Verpflichtungen (Einlagen).
Reserven können NICHT an Kunden weiter verliehen werden.
Reserven werden nach dem von der ZB vorgegebenen Zinssatz verzinst (Leitzins).
Die Mindestreserve wird auf der Aktivseite der Bank gebucht, zählt also als Vermögen.
Die Mindestreserve ist KEIN Hebel für die Buchgeldschöpfung und limitiert diese somit NICHT!
Umgekehrt: Wird nach einer Kreditvergabe die Mindestreserve unterschritten, leiht sich die GB ZB-Geld.
Diese Praxis wird von der EZB nie verwehrt.
Nicht die Mindestreserve sondern das Eigenkapital limitiert die Geldschöpfung der Banken (nach Basel II 6%, Basel III 7%).

Vom Buchgeld zum Bargeld
Das Guthaben des Debitors auf seinem Girokonto ist eine Schuld der Bank auf Bargeld ihm gegenüber.
Bargeld hat eine Geschäftsbank nicht per se, mehr noch, sie möchte es auch so wenig wie möglich haben.
Denn: Bargeld verursacht Kosten (Transport, Automaten, Sicherung, personelle Aufwände).
Um Bargeld zu erhalten, muss sich eine Geschäftsbank bei ihrer Zentralbank verschulden.
Sie nimmt Kredit bei der ZB auf (mind. zum Leitzinssatz)
Wie gehabt Kreditsumme in den Aktiva der ZB, Gutschrift als Sichteinlage in gleicher Höhe auf dem ZB-Konto der GB
Adäquat zur Buchgeldschöpfung handelt es sich hier um die Schöpfung von Zentralbankgeld.
Mit Nutzung des Kredits (Abholung von Bargeld) wird die Gutschrift um den Barbetrag gemindert.
Zentralbankgeld einschl. Bargeld beschreibt die Geldmenge M0.
Bargeld im Publikumsverkehr beschreibt die Geldmenge M1.


Wenn ein Kredit platzt

- Kreditausfälle sind ganz normale marktwirtschaftliche Geschäftsrisiken.
- Der Risikominimierung dient die Bonitätsprüfung des Kunden.
- Banken berücksichtigen unvermeidliche Kosten aus geplatzten Krediten (zuvor!) über Gebühren und Zinsen.
- Den Preis bezahlen die Kunden bereits im Vorfeld (Absicherung der Bank vor Kreditausfällen).
- Auf der Aktivseite der Bilanz wird die Kreditsumme abgeschrieben, man sagt ausgebucht.
- Abschreibungen sind Kosten und wirken für die Bank steuermindernd, es sind Aufwände.
- Auf der Passivseite jedoch erfolgt KEINE Löschung - UND - auf dieses Geld existiert kein Zinsanspruch mehr.
- Es erfolgt also keine zur Aufwandsbuchung korrespondierende Ertragsbuchung.
- Es wird also - im Gegensatz zur Geldschöpfung - hier kein Buchungssatz gelöscht (Aktiva und Passiva) sondern nur die Aktiva.

Staatsverschuldung

- Ist in diesem System unvermeidlich und sogar zu empfehlen.
- Eine Senkung der eigenen Staatsschuld kann nur auf Kosten anderer Staaten möglich sein.
- Das bedeutet: Konkurrenz zwischen Staaten, eine Voraussetzung für Krieg!

- Werden private Vermögen gehortet, also der Wirtschaft entzogen, kommt das einer Geldvernichtung gleich.
- Der Staat hortet kein Geld!
- Alternative: Der Staat schöpft sein Geld selbst.

Wichtiges zu Zentralbanken

- ZB erfüllen hoheitliche Aufgaben und können niemals pleite gehen.
- ZB können entsprechend beliebig Geld schöpfen und vernichten (wichtig in Bezug auf Griechenland)
- Der Staat aber (eigentlich ebenso hoheitlich tätig) darf keine Kredite bei ZB aufnehmen.


Nicht unwichtige Hintergrundinformationen

Banken sind nicht das Böse gegenüber uns "Guten", sondern in ihrem Handeln Spiegelbild von Gesellschaften, die auf Makro- wie auf Mikro-Ebene (zwischenmenschlich) vorrangig konkurrieren anstatt zu kooperieren. Daher wird eine Reform der Banken auch nur mit einer Reform der Gesellschaften erfolgversprechend sein.

Banken sind keine verschworene Gemeinschaft sondern stehen in Konkurrenz zueinander:
- In den vergangenen 10 Jahren schlossen etwa 380 Banken und 9600 Filialen.
- Betrifft vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken
- Gegenläufiger Trend bei den (privaten) Kreditbanken: von 272 auf 297
- Über ein Drittel geschlossener Filialen geht aber auf Kreditbanken zurück (3500).

Banken geben Menschen Arbeit, diese Menschen stehen insg. loyal zum Bankensystem:
- Loyalität beruht auf Bequemlichkeit, zum großen Teil jedoch auf Verlustängsten.
- Parallelen zu Tätigkeiten im Rüstungssektor und Großkonzernen.
- Etwa 640000 Menschen arbeiten im Bankgewerbe

Banken haben tatsächlich Kosten:
- Allein bei Deutscher Bank und Commerzbank arbeiten insg. etwa 150 Tausend Menschen.

Die Bilanzsumme der beiden größte deutschen Banken (Deutsche Bank und Commerzbank) entspricht mit 2,2 Bill.€ in etwa den deutschen Staatsschulden.
Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland beträgt 5,2 Bill.€ und steigt derzeit jährlich um 200 Mrd.€.

Die Mär von den bösen Banken ist populistisch und manipulativ:
- Nur ein Drittel der Finanzinstitute sind private klassische Kreditbanken.
- Private Kreditbanken vergeben auch nur ein Drittel der Kredite.
- Private Kreditbanken machen auch nur ein Drittel der Bilanzsumme aus.
- Aber: Landesbanken (16% der Bilanzsumme) sind eng mit den Kreditbanken verflechtet.

Was ist Geld?:
- Buchgeld ist das häufigste und allgemein anerkannte, aber kein gesetzliches Zahlungsmittel
- Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel.


Fazit

Geld kann in diesem System nur existieren, weil es eine stille Übereinkunft, ein Vertrauen gibt, dass es in der Zukunft IMMER zu einem Wachstum der Geldmenge, zu einem Wachstum der Schulden kommt. Weil dieses für das Einlösen der Zinsforderungen notwendig ist.


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