Kredite - Der Hebel zur Geldschöpfung

#1 von ped43z , 12.06.2015 21:31

Wann eine Bank Kredit geben darf

Dass hinter Krediten Leihgeschäfte stehen, ist auch für Jene, die sich nicht zu den sogenannten Experten zählen, keine sonderliche Neuigkeit. Ein Kauf steht an, aber die finanziellen Mittel stehen nicht zur Verfügung, also geht man zu einer Bank um sich bei dieser die notwendige Geldsumme zu borgen. Und wenn die Bank den Interessenten als kreditwürdig einstuft, wird sie ihm die gewünschten Mittel verleihen – so hoch sie auch sein mögen. Danach ist man Schuldner, im Bankenwesen auch Debitor (von lat. debere – schulden) und über einen definierten Zeitraum verpflichtet, die Schulden zurück zu zahlen, in der Regel mit Zins und Zinseszins. Denken wir bei dieser Betrachtung (und den folgenden) daran, dass wir uns mit dem gesetzlich verordneten Schuldgeldsystem befassen, wissend, dass es keineswegs alternativlos ist. Nach gerade Skizziertem stellen sich nun zwei Fragen:

Woher hat die Bank als der Gläubiger, im Bankwesen Kreditor genannt (lat. credere – vertrauen, anvertrauen) das Geld?
Von wem, über welche Prozesse und in welcher Form wird das Geld im derzeit weitestgehend verbindlichen (weil staatlich verordneten!) Geldsystem erzeugt?
Woher bekommt der Schuldner (Debitor) das Geld, einschl. der zu leistenden Zins -und Zinseszinsen für die Rückzahlung?

Wenn sich uns bei der Beantwortung dieser Fragen manche Logik nicht erschließt, Logik im Sinne von Gemeinnutz – denn darum, so meine ich sollte es ja eigentlich in einem Geldsystem gehen – dann liegt das nicht am fehlenden Intellekt sondern daran, dass dieses System den Fokus eben NICHT auf Gemeinnutz legt. Vielmehr liegt seine ideologische Basis und die entwickelten Wirkmechanismen in einem nur auf Eigennutz bedachten sogenannten homo oeconomicus und die Vorteile für die Gesellschaft fallen – nach Meinung der das vertretenden Wirtschaftsideologen – quasi nebenbei ab. Deren Interpretation des Wortes Vorteil bezieht sich dabei auf Mehrung von Wohlstand, in Form von persönlichem (privaten) Eigentum. Ob das wirklich erstrebenswert und von Vorteil ist, muss sehr ernsthaft in Frage gestellt werden und das wird im Artikel Unser Finanzsystem – Was es ist und was es nicht ist näher untersucht.

Noch eine weitere Bemerkung: Bewusst wird hier auf die das Wesentliche (absichtlich?) verbergende und den Interessenten abschreckende „Fachsprache“ des Bank- und Finanzwesens so weit als möglich verzichtet. Sprache muss verständlich sein und das kann sie auch in Bezug auf das Geldwesen.

Wann eine Bank Kredit geben darf

Bis heute wird vielfach – auch von nicht wenigen Wirtschafts- und Finanzexperten regelmäßig behauptet, dass die Einlagen der Kunden (Sparguthaben, Anlagen u.ä.) von den Geschäftsbanken genutzt werden, um sie als Kredite auszugeben (finanzielle Intermediationstheorie). Diese Behauptung wurde nie bewiesen und es ist erstaunlich, dass sie als wissenschaftliche Lehre bis in die heutige Zeit überlebt hat. Das Kreditgeschäft findet nämlich definitiv nicht mit Einlagen der Kunden statt.

Ist es dann eher richtig, dass solche Einlagen für die Bereitstellung der sogenannten Mindestreserve benötigt werden? Eine Voraussetzung die jede Geschäftsbank nach dem sogenannten fraktionalen Reservesystem erfüllen muss, um Kredite auszureichen. Die Mindestreserve muss eine Geschäftsbank danach auf ihrem Girokonto bei der Zentralbank des jeweiligen Staates als Guthaben vorhalten. Die Kontonummern der Geschäftsbanken kennen wir gut, es sind die Bankleitzahlen der jeweiligen Kreditinstitute. Über den von der Zentralbank definierten Mindestreservesatz errechnet sich die Höhe der Kredite, die eine Geschäftsbank ausgeben kann. Ein Beispiel:

Liegt der Mindestreservesatz für die Geschäftsbank bei einem Prozent und sie beabsichtigt Kredite in Höhe von einer Million Euro auszugeben, dann muss sie auf ihrem Konto bei der Zentralbank zehntausend Euro hinterlegen.

Ein Prozent ist übrigens tatsächlich der seit 2012 bis heute (Stand: Juni 2015) gültige Mindestreservesatz der Deutschen Bundesbank [1], wie auch der Europäischen Zentralbank [2]. Zum Vergleich: Eine chinesische Geschäftsbank muss derzeit (Juni 2015) immerhin umgerechnet zweihundert Tausend Euro bei der chinesischen Volksbank (so heißt die Zentralbank in China) hinterlegen, um die gleiche Menge Kredit erteilen zu können. Woraus sich ein Mindestreservesatz von 20 Prozent ergibt [3]. Verfügt eine Geschäftsbank nicht über eine ausreichende Mindestreserve kann sie sich – bei vorhandenen Sicherheiten – den Betrag übrigens auch bei der Zentralbank leihen und trotzdem das Kreditgeschäft durchführen.

Aber! Nicht ohne Grund wurde das fraktionale Reservesystem eingangs mit einem Fragezeichen versehen. Oben genannte Regelungen sind unbestreitbar aber werden sie auch tatsächlich angewendet? Das wird w.u. noch beantwortet.

Zusätzliche Voraussetzung für die Kreditvergabe ist das Vorhandensein einer gesetzlich festgelegten Eigenkapitalquote. Im Bankenwesen wird das Kernkapitalquote genannt und bezeichnet den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital (der Bilanzsumme) der Bank. Für deutsche Geschäftsbanken gilt eine Kernkapitalquote von sechs Prozent (seit 2015), ab dem Jahre 2019 soll sie um einen Prozentpunkt steigen. Wikipedia gibt hierzu eine bemerkenswerte Schlussfolgerung:

„Dies bedeutet, dass bei einer Kernkapitalquote von z. B. 7 % innerhalb eines Geschäftsjahres insgesamt 7 % der risikotragenden Aktiva ausfallen müssten, bevor das haftende Eigenkapital des betroffenen Kreditinstituts vollständig aufgezehrt ist und somit akute Insolvenzgefahr bestünde. [4]“

Das ist interessant, denn wie w.u. ebenfalls noch erläutert wird, ist die Erzeugung des Kredits ein reiner Buchungsvorgang. Und das die geliehene und schlicht aus dem Nichts geschöpfte Kreditsumme nun in den Aktiva und Passiva der Bank auftaucht, ist mit keinerlei Risiko verbunden. Es ist nichts anderes als ein wilkürliches Prozedere um dem Nullsummenspiel der doppelten Buchführung genüge zu tun. Man könnte meinen, die doppelte Buchführung sei genau dazu geschaffen worden.

Noch eine weitere Voraussetzung soll hier erwähnt werden, ein annähernd ausgeglichener Saldo von Überweisungen von und zur Bank, bzw. ausreichend Mittel um einen negativen Saldo ausgleichen zu können. Dieser Fakt wird in einem Artikel zum Zentralbanken-System ausführlicher behandelt, an dieser Stelle sei nur gesagt, dass es eine wichtige Funktion innerhalb des sogenannten Interbankensystems absichert.
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Wenn Ihr neugierig geworden seid: Den vollständigen Beitrag könnt Ihr hier lesen: http://peds-ansichten.de/kredite-und-ihr...chuldgeldsystem

Viele Grüße von Peter


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