2016-03-23: Redebeiträge - Zwei Jahre Mahnwache

#1 von ped43z , 23.03.2016 22:40

Hallo Freunde,

Ihr (Georg, Chris, Gris, Joset, Nathanael, Plakat) seid herzlich eingeladen, Eure Redebeiträge für den kommenden Montag hier einzustellen.
So kann sich ausgetauscht und die Reihenfolge der Beiträge abgestimmt werden.

Denkt bitte daran, das abgesprochene Zeitlimit von 7 Minuten wirklich einzuhalten (einfach mal übungsweise testen).

Plakat habe ich angeschrieben ;-)

Viele Grüße von Peter


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Zwei Jahre Mahnwache und eine Einladung

#2 von ped43z , 23.03.2016 22:48

In den folgenden Minuten reisen wir gemeinsam und quasi im Zeitraffer durch zwei Jahre Mahnwache. Was trieb eigentlich damals die Menschen zu den Mahnwachen in Deutschland? Der offizielle Anlass ist bekannt, es waren die Geschehnisse in der Ukraine einerseits – und die Berichterstattung der etablierten Medien über diese Geschehnisse andererseits. Eine Berichterstattung, die mit dem Feuer des Krieges spielte – das spürten die Menschen.

Was dadurch in den Menschen vorging, war eine Mischung aus Empörung, Zorn, Hilflosigkeit, Ungeduld – und vor allem die Einsicht, dass es so in Deutschland nicht mehr weiter gehen konnte, wenn der Frieden eine dauerhafte Chance bekommen sollte. Die Menschen spürten, dass sie belogen und zudem nicht beachtet wurden. Hier auf der Mahnwache konnten sie – wir – unseren Unmut nach außen tragen, ihn überhaupt erst einmal formulieren. Entsprechend emotional und spontan war das, was die Menschen hier hörten. Für viele Menschen war das ein befreiendes, ein neues Mut machendes Gefühl. Aber nach dem der erste Unmut und Aufbruchsgefühle raus gelassen worden waren, wurden aus den mehreren hundert Menschen weniger, ein paar Dutzend.

Zwei grundsätzliche Dinge änderten sich. Das, was auf der Mahnwache zu hören war, wurde tiefgründiger – und gleichzeitig wurde der Umgang der Menschen miteinander achtungsvoller. Der große Friedensgedanke der die Menschen hier zusammen bringt, wurde verbunden mit der Entwicklung des kleinen Friedens zwischen den Menschen. Aus dem Schlagabtausch von Meinungen, wie er im ersten Jahr der Mahnwache üblich war, entwickelte sich eine lebendige, emphatische Diskussionskultur. Die Menschen verstanden sich mit ihrer jeweiligen Einzigartigkeit zunehmend als Bereicherung, statt als Konkurrenz.

Gleichzeitig entwickelten die Menschen hier Tiefenwissen über große und kleine Politik, Wirtschaftsmechanismen, soziale – und psychologische Aspekte und das Finanzsystem. Über all dem wuchs die Erkenntnis, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Menschen massiv mittels Propaganda manipuliert werden – und sie so daran gehindert werden, einen unverfälschten Blick über unsere Gesellschaften und die eigene Rolle darin zu erlangen.

Und wir erkannten immer mehr, dass die große dramatische Politik, die Kriege, irgendwie auch mit unserem ganz „normalen“ kleinen Lebensweisen verbunden sind. Und an diesem Punkt sind wir nun angelangt – und laden Euch alle ein. Laden Euch ein, die Atmosphäre des Trennenden, sich gegenseitig Ausgrenzenden, die zweifelhafte Kultur von Intoleranz, Selbstsucht und der Unfähigkeit anderen Zuzuhören, das Denken in Feindbildern zu verlassen – und uns so nicht weiter gegeneinander ausspielen zu lassen, nicht weiter unsere Kräfte, unsere Energien im Gegeneinander zu vergeuden. Tauschen wir das destruktive GEGEN ein – in ein konstruktives FÜR.

Wir laden Euch alle ein, gemeinsam auf eine kreative, kooperative von gegenseitiger Achtung geprägte Suche zu gehen, wie wir diese Welt – unsere Kleine hier und vielleicht auch ein wenig die Große da draußen – besser machen können. Das auf eine Weise, die uns Eines auch noch bringt – und das ist letztlich der Kern dessen, an was wir glauben – gemeinsam tief empfundenes persönliches Glück. DAS was der wahre Sinn unseres Lebens ist.

Redezeit: 5 Minuten


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RE: Zwei Jahre Mahnwache und eine Einladung

#3 von Plakat , 24.03.2016 18:41

Vielen Dank für die Einladung. Wie üblich, werde ich keinen schriftlichen Redetext vorbereiten. Außerdem werde ich gleich gehen und bis einschließlich Montag keinen Internetzugang haben. Und ich habe mir auch noch keine großen Gedanken gemacht.
Aber was mir spontan einfällt:
Was mir gefällt:
Im Regelfall gute Diskussionskultur mit gegenseitiger Ergänzung.
Wenn unüberlegte Äußerungen gemacht werden: Möglichkeit sich in gegenseitig achtender Weise dies zu korrigieren
Überhaupt bei allen grundsätzlichen Meinungsunterschieden doch gegenseitige Achtung
Diejenigen, die diese Diskussionskultur nicht teilten, blieben weg. Trotzdem gibt es einen stabilen Kern.
Was mich am meisten stört:
In den großen Medien kommen wir nicht vor. Wir wissen ja, warum. Aber ich nutze meine beschränkten Möglichkeiten, darüber zu informieren (z.B. bei coloRadio).

Und über den Zusammenhang von notwendigen Systemveränderungen und persönlichen Änderungen und gegenseitiger Unterstützung werden wir uns sicher auch noch einig.

Wie erwähnt, das sind nur ein paar Gedanken.

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RE: Zwei Jahre Mahnwache und eine Einladung

#4 von ped43z , 24.03.2016 22:38

Seid Ihr so lieb, Freunde und rückt schon mal die Themen Eurer Beiträge raus?
Nicht, dass es unglückliche Überschneidungen gibt.
Ich würde die Sprengstoffanschläge in Brüssel - wieder mal - in den Gesamtzusammenhang bringen; also Primärprobleme und Kausalitäten, wo tatsächlich der übergroße Teil der Todesopfer zu beklagen ist. Die doppelbödige Trauer um die Opfer etc.
Wenn Du, AO, das Thema bearbeiten möchtest, wähle ich mir ein anderes.

Viele Grüße von Peter


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RE: Zwei Jahre Mahnwache und eine Einladung

#5 von Rolf zu Darben , 25.03.2016 00:55

Sehr schöner Beitrag Peter, kann man wohl kaum besser zusammenfassen! Danke!

Ich hoffe ich komm morgen oder vll. heut Nacht noch dazu, meinen Beitrag einzuordnen, ich werds hier so schnell wie möglich posten.

Ich überlege nur grad, ob dein Beitrag direkt am Anfang stehen sollte oder ob wir ihn erst nach einem aktuelleren bzw. "triggernden" typischen Beitrag bringen sollten. Also erst ein Beitrag, der quasi einen "typischen" aber fundierten aktuellen Redebeitrag am offenen Mikro der MW darstellt. Danach ein spezieller auf das Jubiläum ausgerichteter Beitrag, eben deiner. Ich glaube so fände ich das am passendsten, wie denkt ihr darüber? Möchte eben nur vermeiden, dass die Leute beim ersten Beitrag das Gefühl bekommen, wir würden uns um uns selbst drehen, auch wenn dein Beitrag sehr umfassend und weitsichtig geschrieben ist.

Danke Plakat für deine Mitarbeit, hätte nicht gedacht, dass wir dich so umgehend über das Forum erreichen :)

lg, gris

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RE: Zwei Jahre Mahnwache und eine Einladung

#6 von ped43z , 25.03.2016 13:05

Hi Gris,

habe ich mir auch schon überlegt, meinen Beitrag an die dritte oder vierte Stelle in der Reihenfolge zu stellen, ist sinnvoll.

Frohe Ostern
VG von Peter


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Redebeitrag: Offene Fragen zu den Anschlägen von Brüssel

#7 von ped43z , 26.03.2016 19:22

Ich beziehe mich auf das aktuelle medial breit ausgerollte Geschehen. Erneut hat es einen Terroranschlag gegeben. Nach zwei mal Paris im Vorjahr nun ein weiterer in Brüssel. Ähnliche Anschläge gab es Jahre zuvor in London und Madrid. Der Anschlag von Brüssel veranlasst mich, auf einige Parallelen hinzuweisen. Diese Parallelen werfen natürlich eine Reihe von Fragen auf.

Erste Parallele

Ein Aufschrei des Entsetzens und eine vermeintlich detailierte und über alle großen etablierten Medien hinweg tagelange und zeitaufwändige Berichterstattung über den Anschlag dominierte die gesamte Nachrichtenstruktur. Über diesen Umfang wurde eine massive Reduzierung der Themenvielfalt erreicht. Der Fokus der Menschen wurde sehr eindringlich auf immer dieses Thema geführt. Entsprach das der Realität an Geschehnissen in Deutschland, Europa und der Welt? Nein. Warum weise ich darauf hin? Weil zumindest die Öffentlich-Rechtlichen Medien aber von einem Anspruch auf Qualität und Wahrhaftigkeit auch jedes andere Medium sich die Ausgewogenheit der Berichterstattung zu eigen machen sollte.

Zweite Parallele

Das Klima der Angst wurde geschürt. Die Gefahr die vom Terrorismus ausgeht, wurde in großer Emotionalität ausgebreitet. Die Täter wurden umgehend benannt und moralisch verurteilt. Die Gefahr die von diesen Tätern für die Demokratie ausgeht, wurde eindringlich beschworen und so ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen mit den Regierungen der westlichen Welt als Verpflichtung angemahnt um dieser Gefahr zu begegnen. Die Alternativlosigkeit derer politischer Entscheidungen wurde hintergründig zur Verpflichtung für jeden anständigen Demokraten erhoben. In der Stunde der Gefahr müssten alle eng zusammen rücken, wir könnten nicht länger untätig bleiben. Was fällt auf? Wie schon in Parallele eins entspricht das mediale Bild exakt der politischen Agenda der Regierungen. Es wird Angst erzeugt und diese Angst in Handlungsbereitschaft gegen einen tatsächlichen – oder vermeintlichen Gegner überführt. Der Anschlag in Brüssel – was immer auch dessen Hintergründe sind – wird für einen Anschlag auf das Unterbewusste der Menschen missbraucht. Einzig Emotionen zählen. Reflexion, eine wirklich tiefgründige kritische Analyse oder Nachfragen nach den möglichen Ursachen – und zwar in allen Richtungen – wird unterbunden.

Dritte Parallele

Einerseits – und ich gestatte mir, das mal in Anführungszeichen zu setzen – „versagten“ die Geheimdienste. Die Anschläge waren nicht vorhersehbar. Andererseits wurden die Täter innerhalb von Tagen, meist sogar innerhalb der ersten 24 Stunden identifiziert oder gefasst. Täter die gefasst wurden, mussten leider erschossen werden, was mit derer Gewaltbereitschaft begründet wurde. Über die Medien wird Aktionismus verbreitet, der Ermittlungserfolge suggeriert. Mit Aussagen, die NICHTS sagen, wird eine Jagd medial begleitet, als ob die Berichterstatter selbst im Fieberwahn stehen. Jeden Tag werden vermeintliche Täter präsentiert, welche vermeintliche Täter vom Vortag ersetzen. Die Menschen werden in Atem gehalten, um kommen gar nicht dazu, das Geschehen mit Abstand und kritisch überdenkend zu betrachten.

Kein Täter konnte - da ja tot - innerhalb eines Gerichtsverfahrens über Hintermänner und deren Rolle aussagen. Es bleibt die Tatsache, dass es sich um VERMEINTLICHE Täter handelt. Immer wurden an exponierten Stellen Dokumente, Pässe und Bekennerschreiben gefunden, die – wieder Anführungszeichen – „eindeutig und unzweifelhaft“ den Täter und dessen seit Jahren genutztes terroristisches Umfeld identifizierten. Dieses immer gleiche Muster ist auffällig und ich möchte an den Terroranschlag 1980 auf den Bahnhof in Bologna erinnern, bei dem 85 Menschen starben und ich gebe den Hinweis auf die Operation Gladio, deren Existenz und Aktivitäten inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen sind. Gladio war eine verdeckte militärische Organisation der NATO in Italien, deren Ziel in der Entfachung von Terror bestand, um politische Prozesse in Italien zu beeinflussen, genauer gesagt, über ein geschürtes Klima der Angst ein politisches System zu destabilisieren. Meine Frage lautet: Ist die Präsentation der Täter eine Vermeintliche, eine von Menschen, die nie die Möglichkeit bekamen zu reden, also eine Farce?

Parallele vier

Die Emotionen über Terroranschläge wie Empörung und breit ausgerollte mediale Trauer sind extrem selektiv. Terrorismus wird nur im Zusammenhang mit der Gefährdung des westlichen Wertesystems thematisiert. Dass Terrorismus in vielen Staaten des Nahen – und Mittleren Ostens Alltag ist, wird vollständig ausgeklammert. Offensichtlich sind gleich geartete Emotionen der Menschen hier für die Opfer dort nicht erwünscht. Dabei betragen die Opferzahlen in diesen Staaten ein Vielfaches derer in Westeuropa. Es wird also mit zweierlei Maß gerechnet, die Trauer wird nach Bedarf verordnet und ist doppelbödig. Die Verlogenheit wird deutlicher, wenn man erfährt, dass der Mainstream in Syrien, dortige Terroristen die mit unglaublicher Brutalität Schrecken erzeugen – was ja das Ziel von Terrorismus ist – dass also westliche Medien diese Schlächter als moderate Opposition titulieren.

Parallele fünf

Ich erkenne in allen Fällen das Prinzip der Entkopplung, des Entfernens kausaler Zusammenhänge, welche auf primäre Ursachen für ein zunehmendes Klima der Gewalt hinweisen. In keinem Fall wurde der zur Beurteilung der Geschehnisse unbedingt zu nennende Zusammenhang mit der Verantwortung westlicher Staaten zur Destablisierung von Staaten der Zweiten – und Dritten Welt thematisiert. Und – das ist nachvollziehbar! Denn so würde offensichtlich, dass der Terrorismus ein Kind westlicher Politik ist und bis zum heutigen Tag aktiv gefördert wird, um politische Ziel durchzusetzen. Nirgends wird thematisiert, dass ohne das Geld, die Logistik, die Destabilisierungspolitik und die Waffen westlicher Staaten der IS überhaupt nicht existieren würde!

Ohne weiteres würde ich – und ich glaube auch Ihr – weitere Parallelen finden, die deutlich machen, dass Terrorismus offensichtlich von Machteliten als Vehikel genutzt wird, um zum Einen Gewalt gegen andere Staaten - siehe Syrien - zu legitimieren - und zum anderen Menschen geistig für einen politischen Transformationsprozess reif zu machen, der in einem Überwachungsstaat Orwellscher Prägung mit völlig entmündigten Menschen enden kann. Auf diese Gefahr wollte ich mit den hier geäußerten Gedanken hinweisen.

Redezeit: 8 Minuten ;-)


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zuletzt bearbeitet 28.03.2016 | Top

RE: Redebeitrag: Offene Fragen zu den Anschlägen von Brüssel

#8 von Nathanael , 28.03.2016 12:30

Hallo Ihr Lieben,

ich bin leider etwas spät dran und kann jetzt keinen wirklichen Text hier präsentieren. Obwohl ich den Frühling sehr mag, habe ich immer in dieser Zeit sehr zu kämpfen, um meine innere Ruhe zu wahren. Denn ich selbst nehme das Streben nach Außen sehr tief wahr und in diesen Zeiten offenbaren sich mir größere Zusammenhänge, wenn sich mein SELBST in tiefer Dissonanz befindet. Ich nehme dann alle möglichen Widerstände viel differenzierter und auch intensiver wahr. Und oft schrecke ich vor der Realität zurück, weil mir immer mehr gewahr wird, wie jedes Jahr die Mauern höher werden. Es sind die Mauern im Gefängnis Gesellschaft die mir in aller Tragweite bewusst werden.

Aber es hat auch etwas Gutes, denn so erkennen ich für mein SELBST neue Ansatzpunkte um Dinge zu wandeln und Realitäten zu verändern und sei es eben "nur" im Kleinen. Auch ein Punkt, der uns als Kollektiv verbindet. Und ich merke wie sehr ich im Grunde um ein Thema ringe. Es gäbe viele Dinge zu sagen, aus meiner Sicht jedenfalls. Aber die Komplexität der Dinge erfordert es, dass ich schon versuche eine Grenze zu finden, um mein Anliegen zu vermitteln,

Aber damit ich wenigsten eine grobe Ahnung vermittel kann, würde ich mein Beitrag wie folgt nennen:

Gesetz Erzeugt Zwang - Chronik eines Armutszeugnis

Im Grunde war der Umgang mit dem Beitragsservice auch ein Anlass für mich, zur Mahnwache zu kommen. Denn als ich damals dann sah, wie die Zwangsbeiträge für üble Propaganda benutzt werden, da war ich schon froh, dass Menschen auf die Straße kamen, die eben wirklich das Mensch Sein leben möchten.

Ich würde einen kurzen Abriss geben, wie sich die GEZ in den Beitragsservice umgewandelt hat und welche Konsequenzen daraus resultieren. Und ich selbst sehe auch im Urteil des höchsten Verwaltungsgericht vom 18.03.2016 als eine Art Sargnagel der Demokratie in diesem Land. Also nicht nur Plattitüde, sondern wahrhaft ein Armutszeugnis.

Natürlich möchte ich am Ende Fragen stehen lassen. Denn in diesem Kontext wird es nun bald eng für die Menschen die sich verweigern. Denn ab jetzt ist das Tor für Willkür offen und wir werden es erleben, das Menschen ihr letztes Hemd genommen wird. Aber es liegen auch Chancen darin, doch es bedarf Mut und Entschlossenheit. Die große Frage am Ende....

So weit von mir.... Ich freu mich auf Euch.... Bis später und herzlich sonnige Grüße

Nathanael

 
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RE: Redebeitrag: Offene Fragen zu den Anschlägen von Brüssel

#9 von Rolf zu Darben , 28.03.2016 13:46

Mein Redebeitrag (fertig):


Ich möchte heute zu Ungleichheit, Leistung und Kapitalismus sprechen, weil ich denke, dass dies Themen sind, die man in seinem Streben für eine bessere und gerechtere Gesellschaft unbedingt betrachten sollte. Aufgrund der Komplexität des Themas werde ich nur verschiedene Aspekte anschneiden um Denkanregungen zu geben.

Ungleichheit findet auf vielen Ebenen statt: Bei der Zuteilung von materiellen Gütern, bei der Versorgung mit gesunder Nahrung und Medizin und nicht zuletzt beim Zugang zu Bildungschancen. Im Sinne einer solidarischen Gesellschaft, die ein friedliches und faires Zusammenleben anstrebt, sollte die Verringerung der Ungleichheit ein klares Ziel sein. Denn wenn Ungleichheit zu groß wird, führt sie zwangsläufig zu Konflikten und spaltet eine Gesellschaft.

Unser Wirtschaftssystem und das damit verbundene gesellschaftliche Denken und Fühlen begünstigen jedoch nicht nur enorme Ungleichheiten, es bringt sie sogar notwendigerweise hervor! Der weltweite Kapitalismus hat dazu geführt, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung soviel besitzt, wie die Hälfte der Menschheit. Natürlich ist Ungleichheit kein ausschließliches Phänomen des Kapitalismus und hat wahrscheinlich zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte existiert. Die Art und Weise, in der die freie Marktwirtschaft die Ungleichheit hervorbringt und fördert ist jedoch mehr als bedenklich.

„Wer hat, dem wird gegeben!“ oder „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen!“ sind für dieses System sehr charakteristische Redewendungen. Unser aktuelles Geldsystem mit Zins und Zinseszins führt ebenso zu exponentieller Kapitalvermehrung bei wohlhabenderen Schichten wie Monopolstellungen in der Wirtschaft tendenziell zu einer Übernahme ganzer Märkte führen. Wir erleben in Debatten rund um Hartz 4 oder Grundeinkommen immer wieder, dass vor „leistungslosem Einkommen“ gewarnt wird. Wer faul ist, dürfe dafür nicht auch Geld bekommen. Seltener erwähnt wird, dass bei der Vererbung von großen Besitztümern und der in meinen Augen viel zu geringen Erbschaftssteuer in Deutschland ebenso „leistungsloses Einkommen“ entsteht. Wie kann es eigentlich sein, dass in einer Gesellschaft, die sich selbst die Chancengleichheit zum Anspruch setzt, riesige Vermögen durch Generationen durchvererbt werden können? Und wie kann es sein, dass es Stundenlöhne gibt, die den gesetzlichen Mindestlohn um das 50-fache übersteigen … kann ein Mensch überhaupt so viel leisten? Und ist es überhaupt sinnvoll, Einkommen an Arbeit, also an Leistung, zu koppeln? Schließlich stehen die Zeichen der Zeit darauf, dass durch die Digitalisierung, die Automatisierung und die Machinisierung immer mehr menschlich zu leistende Arbeit entfällt. Die Kopplung von Einkommen, also der materiellen Existenzberechtigung, an Arbeit scheint daher ein überholtes Konzept zu sein und macht es umso notwendiger, über die Sinnhaftigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens nachzudenken.

Auch ist das Argument der Faulheit in der modernen Psychologie weitgehend überholt, vielmehr haben wir alle psychische und körperliche Konditionierungen die uns gewisses Handeln ermöglichen und anderes verhindern. Und selten sind wir für diese Konditionierungen ausschließlich selbst verantwortlich. Gleiches gilt im Übrigen auch für die 1% Superreichen, auch sie sind geprägt durch ihr Umfeld und die darin präsenten Ideologien. Deshalb lehne ich Denkweisen, die für alle Probleme auf der Welt „den Superreichen“ oder „den Kapitalisten“ die Schuld geben und diese dann als „böse“ abstempeln wollen, deutlich ab. Schwarz-weiß-Denken hat noch niemanden weitergebracht, um wirkliche Lösungen zu finden sollten wir lernen, sachlich und der Komplexität der Dinge entsprechend an Sachverhalte heranzugehen.

Anstatt die Schuld nur bei Politikern, Großkonzernen oder Medien zu suchen, sollten wir auch unsere eigene Rolle im kapitalistischen System betrachten und reflektieren. Welche Art des Wirtschaftens unterstützen wir durch unser Geld? Mischen wir uns genug in politische Prozesse ein? Streiten wir für Unabhängigkeit von Monopolen und versuchen stattdessen, solidarische Strukturen mit unseren Mitmenschen aufzubauen? Denn es ist wichtig zu verstehen, dass Ungleichheit oder Macht nichts ist, was ausschließlich eine Seite der anderen aufzwingt. Macht müssen die Beherrschten akzeptieren damit sie funktioniert, Ungleichheit entsteht auch dadurch, dass die Masse der Menschen zu passiv ist und keine alternativen Strukturen aufbaut. Die Bequemlichkeit setzt uns hier leider oft Schranken, gehören wir doch global gesehen auch zu den Profiteuren des weltweiten Kapitalismus. Aus dieser Bequemlichkeit gilt es auszubrechen.

Ein System, das Konkurrenz statt Kooperation und Profit vor Mensch propagiert, kann nicht zu einer fairen und friedlichen Gesellschaft führen. Verteilungskonflikte münden früher oder später in Krieg, das Streben immer besser zu sein als der Andere führt früher oder später zu Missgunst, Angst, Neid und Hass.
Um dieses System zu verändern, müssen wir uns selbst verändern und die Menschen um uns herum mit diesem inneren Wandel anstecken. Der Unfrieden in den Köpfen manifestiert sich in einem unfriedlichen System. Ändern wir uns, ändern wir das System!


Redezeit: 5-7 Minuten


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zuletzt bearbeitet 28.03.2016 | Top

RE: Redebeitrag: Offene Fragen zu den Anschlägen von Brüssel

#10 von ped43z , 28.03.2016 14:32

Hi Ihr Gutsten,

danke für Eure Gedanken/Beiträge. Das passt alles!
Um auf Deinen Beitrag zu kommen, Rolf, ich kann nicht anders:

http://peds-ansichten.de/2016/03/der-kri...en-und-auswege/

Bis heute abend
Herzliche Grǘße von Peter


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RE: Redebeitrag: Offene Fragen zu den Anschlägen von Brüssel

#11 von Rolf zu Darben , 28.03.2016 14:38

Hehe, das Ende meines Beitrags geht genau in die Richtung wie du merken wirst :D

Bis dann, ich freu mich!

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