Dialog mit Antifa bzw. Antideutsche

#1 von Wir sind Das Demos und Die Demos , 16.04.2015 23:07

Dialog mit Antifa bzw. Antideutsche

Wegen der destruktiven Diskussion eines sogenannten Antideutschen am Rande der Mahnwache diese Woche, möchte ich hier aufrufen, Informationen und Handlungsweisen für ein zukünftiges Vorgehen zusammenzutragen. Ich möchte nicht alleine probieren einen Dialog zu starten, da zu viel auf dem Spiel steht.

1. Was sind die Vorwürfe uns gegenüber gewesen:

- Antisemitisch
- Völkisch
- Friedensbewegung, (so ungefähr) dass ich nicht lache…
- Wir sind verantwortlich für PEGIDA
- Anhänger von Personen wie Jürgen Elsässer und Ken Jebsen
- Was waren die weiteren Vorwürfe???

1.1. Welche Argumente können wir diesen Vorwürfen in Zukunft sachlich und konstruktiv entgegenbringen?

2. Zum Antisemitismusvorwurf bzw. angebliches Rechtssein:

- Wie ist die Tatsache zu beurteilen, dass die Antifa (woraus auch eine sogenannte Antideutsche Strömung herausgetreten ist) bis Ende der 90er Jahre Palitücher als Symbol der Solidarität mit den Palästinensern getragen hatten (Antideutsche Kritik ist wohl erst Ende der 90er aufgekommen und die Symbolik wurde dann daraufhin von den Nazis übernommen) und ebenso wie die damalige RAF antisemitisch und antiimperialistisch eingestellt war?

Waren das nicht auch Fehler die gemacht worden sind? Dürfen wir keine Fehler machen, um daraus zu lernen?

Anstatt z.B. von den sogenannten Antideutschen in Dialogen belehrt zu werden, wurden und werden wir teilweise noch attackiert und mussten uns selber belehren. Dürfen wir nicht antiimperialistisch sein? Denn Imperialismus ist eine Form des Faschismus und auch wir sind Antifaschisten.

Wurde denn die Tatsache von den sogenannten Antideutschen aufgearbeitet, dass auch die 68er-Bewegung antisemitisch und antiimperialistisch geprägt war?

- Ist Kapitalismuskritik (Antideutsche sind Gegner des Kapitalismus, mit für mich nicht nachvollziehbarer Haltung bzw. ohne erkennbare Argumente, wie denn der Kapitalismus abgeschafft werden soll) immer antisemitisch? Sind sogenannte Antideutsche dann mitunter nicht auch strukturell antisemitisch?

- Wenn ich also einzelne Banken kritisiere bin ich antisemitisch, wenn ich aber bei der Blockupy –Bewegung z.B. gegen die EZB mitmache, bin ich nicht antisemitisch sondern antikapitalistisch? Sorry, das entbehrt mir jedes Verständnisses bzw. bin ich hier diesbezüglich SEHR VERWIRRT!

- Antideutsche kritisieren einige Formen des regressiven (rückschrittlichen) Antikapitalismus, die mir eventuell nicht abschließend klar sind bzw. den wir in der Mahnwachen-Bewegung durch Aufklärung eigentlich schon längst überwunden haben.

Ich bin für die Abschaffung des Kapitals und da gibt es für mich nicht irgendwelche Formen (außer der faschistischen) des Antikapitalismus, sondern nur die Art und Weise, wie der Kapitalismus vernünftig abgeschafft und also auch kritisiert wird.

Ich bin entweder Kapitalist, Antikapitalist, Ausgebeuteter oder z.B. "freier" Aussteiger. Eine sich selbstzerstörende Chimäre wie der Libertarismus (Anarcho-Kapitalismus), der nur ein Ego-Kapitalismus ist, müsste in letzter Konsequenz ebenfalls überwunden werden und ist kein reiner Anarchismus.


- Antideutsche werden als kommunistisch eingestellt bezeichnet. Wie passt es zusammen, dass man als Kommunist gegen jede Form des Antiamerikanismus ist, wo doch Amerika den Kommunismus aktiv bekämpf hatte, dem Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind und in Teilen der antikommunistischen US-Amerikanischen Bevölkerung der Begriff „ Kommunist!“ noch heute eine Beleidigung darstellt?

Nur weil die USA laut Antideutsche "als einziger, ehrlicher (!) Verbündeter" (der Bund ist ehrlich aber Staaten bzw. Regierungen sind es nicht) von Israel gesehen wird, kann es kein Argument sein, wenn man konstruktive Kritik z.B. gegen die USA oder Israel äußert, dass man alleine deswegen automatisch antisemitisch ist. Ist dieser Vorwurf (strukturell antisemitisch zu sein) nicht auch ein struktureller Faschismus, wenn Kritik zu 0% zulässig ist?

- Können Kommunisten rechts sein, wenn uns vorgeworfen wird, dass wir Rechte seien, obwohl bei den Mahnwachen ebenfalls Kommunisten vertreten sind, die frei aus Werken von Marx zitieren könnten, was unser Besucher leider nicht konnte und dann negativ überrascht war, dass es hier plötzlich jemanden gab, der bei Marx den Ton angeben konnte?

Ich bin ebenfalls ein Freund der USA und ein Freund von Israel, solange sie das Gute tun.

Darf nur ein US-Amerikaner die USA kritisieren, um nicht „Antiamerikanist“ zu sein? Darf nur ein Jude Israel kritisieren, um nicht Antisemit zu sein? Wenn dem so ist, muss ich Israel und die USA kritisieren, da dies eine nationalistische und faschistische Haltung wäre!

Ich bin mir aber sicher, dass die USA und Israel entgegen der Meinung von sogenannten Antideutschen sich sehr wohl kritisieren lassen, solange es konstruktive Kritik ist, ohne dass die Gegenseite gleich als antisemitisch diffamiert wird.

Oder dürfen nur sogenannte Deutsche die USA und Israel Nicht kritisieren, da die gehirngewaschenen Ur- und Ururgroßeltern Mittäter und Nazis waren? Dürfen wir als freie Geister nicht vernünftig kritisieren? Sind wir also diesbezüglich zeitlebens unmündig gemacht? Von wem?


- Wenn ich Banken bzw. den Kapitalismus kritisiere bin ich also struktureller Antisemit, weil etwa alle Banken jüdisch sind?

Es sollte allgemein bekannt sein, dass nicht alle Banken in Händen von Menschen jüdischer Abstammung sind und uns die Religion und Staatszugehörigkeit egal ist. Betreff Zinsen scheint ja derzeit sowieso eine gegenteilige Tendenz zu entstehen, wo man nun sogar Zinsen bekommen kann, wenn man einen Kredit aufnimmt.

Kapitalismus ist ein notwendiges Übel hin zum Weltfrieden und ohne Zinsen hätte es so also auch nicht funktioniert und eine Kritik z.B. an überhöhten Zinsen - das eine Kritik am Zinssystem ist - ist absolut zulässig, wenn dann nicht noch antisemitische (regressive) Sprüche dazu kommen.

- Sind wir Gedankenkontrollspinner, weil es eine (erst nach Jahren) bewiesene Verschwörung in den USA gab, wo innerhalb von ca. 20 Jahren bis in die Siebzigerjahre hinein, tausende, ahnungslose US-Zivilisten dem ehemals geheimen CIA-Programm MKULTRA (totale Gedankenkontrolle) zum Opfer gefallen sind, wo im Rahmen des Project-Paperclip auch Nazis in die USA geholt worden sind und MKULTRA auch an die Arbeiten von NAZI-KZ-Ärzten anknüpfte bzw. darauf aufbaute und MKULTRA also auch aus dem Geist von Nazis bestand, der vorher an Juden in KZ´s experimentell angewendet worden ist?

Ist es ca. 30 Jahre später aufgrund der unwiderlegbaren Beweise (z.B. weltweit und auf fast allen US-TV Kanälen per CGI eingeblendete, vom Hubschrauber unabhängig frei schwebende Helikopterlandegestelle, wo die Helikopter-Kameras sich selber filmen etc.) nicht erlaubt zu vermuten und zu behaupten, dass die USA erneut (über 3000) Menschen an 9/11 geopfert haben?

Solange es Geheimdienste und eine intransparente und nicht sauber und lückenlose geführte Aufklärung gibt, müssen und werden wir zweifeln! Denn was ist, wenn die anderen Unrecht haben und wir Recht behalten sollten? Wer kann die totale Verantwortung dafür übernehmen Recht zu haben, dass die USA die Anschläge nicht selber inszeniert haben?

Es ist unerheblich nicht Recht zu haben, dass 9/11 kein Inside-Job war, aber es ist der Menschheit gegenüber unverantwortlich, mit einer endgültig vermeintlichen Weisheit zu behaupten, dass es absolut nicht sein kann, dass die USA 30 Jahre nach MKULTRA, wo ebenfalls Zivilisten im Rahmen der Terror- und Spionagebekämpfung etc. geopfert worden sind, 9/11 mit einer fast unvorstellbaren Intelligenz inszeniert wurde!

„Dem traue nie, der einmal Treue brach!“ (William Shakespeare). Und die Treue wurde gegenüber der damals ahnungslosen US-Bevölkerung gebrochen!

Wir können es uns leisten Unrecht zu haben und sind als Mahnwachenbewegung belehrbar und also auch Mahner_innen, aber wir können es uns nicht leisten Recht zu haben und von einem guten aber noch unwissenden oder desinformierten Willen, die Antideutsche genannt werden attackiert zu werden, die leider denken sowieso Recht zu haben, dass ein eindeutiges Merkmal der destruktiven Diskussion vom Montag war!


In eigener Sache (und falls hier irgendwann noch andere Antifaschist_innen mitlesen, muss ich hier sagen, dass ich dann wohl ebenfalls als ein sogenannter „Antideutscher“ eingeordnet werden müsste, aber noch einen Schritt weiter gehe und in letzter Konsequenz gegen internationalen Nationalidentitätismus, also gegen Staaten, Nationen und deren selbsterhöhenden Identitäten bin, die ebenfalls ein noch notwendiges Übel und ein Hindernis für einen Weltfrieden sind und ich auch als Anarchist auf Antifaschistische Demos gehe und mir nicht sagen lassen muss, ob ich ein rechter oder vielleicht noch rechter Anarchist bin, denn das ist unmöglich! Genauso wenig, wie es „rotlackierte Nazis“ in der Antifa gibt. Wenn schon dann können damit aus einer unüberlegten Unbedarftheit nur Nationalsozialisten gemeint sein, die es bei der Antifa Nicht gibt!


3. Sind wir etwa völkisch?

- Das war eine wirklich krasse Aussage und ich dachte ich bin im falschen Film, mit welchem Halbwissen und vorgefertigten Vorurteilen hier mit Stakkato argumentiert worden ist. Wir sind keine Deutsche Volksbewegung, sondern eine Internationale! Wir stehen nicht auf der Straße weil wir Frieden ausschließlich für die Deutschen und also in Deutschland haben wollen, sondern weil wir einen Internationalen Frieden, also einen Weltfrieden haben wollen und wenn dieser unteren anderen auch vom sogenannten Deutschen Boden ausgehen wird, soll es mir Recht sein…


4. Friedensbewegung so lalala…

- Nur weil die 68er vorbei sind und die meisten von uns sich nicht als Hippies bezeichnen würden, sich die Kleidung und die Musikstile verändert haben, heißt es nicht, dass wir keine Friedensbewegung sind. Wo ist denn sonst noch eine Weltfriedensbewegung in Deutschland, die weltoffen und vernetzt ist? Bei Pegidia? Antifa? Bei den Grünen 68er-Verrätern und Waffenlieferungsunterstützern?

Es ist fast unfassbar, dass es Menschen gibt die mit gefährlichen Halbwissen eine ernstgemeinte Friedensbewegung versuchen zu bekämpfen!

Wir sind nicht nur Anti, sondern auch Pro. Von der Gegenseite kam es auf mehrfache Nachfrage zu keiner Pro-Aussage, sondern nur zu Ausweich- und Ablenkungsmanövern.

Für was sonst lohnt es sich noch auf die Straße zu gehen, außer für einen Weltfrieden? Es gibt nicht nur Faschismus auf der Welt der bekämpf werden muss. Umfasst eine Pro-Weltfrieden-Bewegung nicht alle Probleme, die durch vernünftige Aufklärung gelöst werden können, um jenen eben auch irgendwann mal erreichen zu können?

Wir wollen keine Kriege, wir wollen unsere Kinder nicht als Soldaten an der Waffe ausbilden lassen, oder uns „Wahrheiten“ von dubiosen Quellen wie vom Staat diktieren lassen, sondern wollen ihnen und allen nach Frieden strebenden Menschen eine Welt zeigen, die nicht in Ordnung ist und wo die sogenannte Wahrheit nicht immer Wahrheit ist, da wir heute noch nicht das Recht auf die Wahrheit haben und wir es uns erkämpfen und erarbeiten müssen!

- Sogenannte Antideutsche sind größtenteils auch für die Abschaffung des Staates, aber nehmen Staaten und deren Nachrichtendienste als Quellen für Wahrheiten. Das passt für mich nicht ganz zusammen, je nachdem wie man es sieht (blinde und gefährliche Autoritätstreue)…


5. Wir sind verantwortlich für PEGIDA

- Ja das sind wir mitunter und wir sind sicher nicht durch und durch erfreut darüber, dass Menschen nun ihr strukturell antihumanistisches und braunes Weltbild frei äußern tun. Aber wir sind froh, dass diese Menschen (ja es sind dennoch Menschen, die nicht als Rechte geboren worden sind…) endlich mal sichtbar werden, damit auch die Antifa den braunen Gedankenmüll aus deren Köpfen beseitigen kann!

Wir alle sollten es als Chance sehen, denn das braune Gedankengut ist in der Bevölkerung weit verbreitet und hat sich über die Jahre in fast allen Gesellschaftsschichten z.B. in Form von Ressentiments etablieren können.

Wollen die sogenannten Antideutschen bzw. die Antifa etwa, dass diese Menschen zu Hause bleiben und ihren geistigen Müll an deren eigene Kinder und Kindeskinder weitergeben?

Wir können rechtes Gedankengut am besten aufklärerisch bekämpfen, wenn es sichtbar ist und nun ist es sichtbar und es ist „gut“ so, damit es irgendwann auch mal endgültig aus den Köpfen raus zu bekommen ist!

Es werden wohl die letzten braunen Generationen hier in D sein, die wir dann gemeinsam und endgültig überwunden haben werden...


6. Anhänger von Personen wie Jürgen Elsässer und Ken Jebsen

- Leider wieder Halbwissen! Wir haben keine Anführer, sondern jede/r kann Reden und Gegenreden halten, die bei argen Entgleisungen auch unterbrochen bzw. abgebrochen werden können. Wenn Jürgen Elsässer auf die Mahnwache nach Dresden kommen würde, kann ich fast garantieren, dass es vehemente Gegenreden geben würde, die ihn in vielen Punkten eines Besseren belehren würden… Es kommt ganz auf die Information an, die mitgeteilt werden will und auch zwischen Müll ist manchmal ein kleiner Schatz zu finden! Wir wollen nicht warten bis der Müll verrottet ist, um diesen zu finden! Unser Schatz ist die Wahrheit, die man nicht kaufen, sondern nur finden kann...!

- Wir haben ein offenes Mikro von Menschen für Menschen, egal welcher Herkunft oder „Gesellschaftsschicht“ und uns interessiert nicht, ob jemand einen feinen Anzug trägt oder mit Alltagskleidung vor das Publikum tritt. Wir wollen einen Konsens erreichen, der nur wie in der attischen Demokratie (die Roots der heutigen, verdrehten Scheindemokratie) erreicht werden kann, wo es nicht Parteien, sondern einen demos consensus gibt.

Wir werden z.B. strukturellen Antisemitismus, den uns die Antifa bzw. die sogenannten Antideutschen leider nur unfreiwillig (!) offenbart haben immer mit Gegenreden entschieden entgegentreten, sollte dieser überhaupt noch auftreten.

- Wir müssen immer wieder dazu einladen, dass Antifa und die sogenannten Antideutschen (ich kann dieses Wort irgendwann echt nicht mehr ab - bezeichnen sich sogenannte Antideutsche selber als Antideutsche oder als Antifaschist_innen? Klingt fast wie Antimensch. Und was ist wenn es keine Deutschen mehr gäbe? Als was werden Antideutsche dann bezeichnet?) in den Diskurs bei uns eintreten, denn uns verbindet viel mehr, als der Gegenseite überhaupt bewusst ist und wir können voneinander sicher noch einiges lernen und irgendwann gemeinsam für den Frieden weltweit, mit nicht nur einer stereotypen Sichtweise stehen.




Das waren jetzt hier erst mal meine Gedanken und Anregungen für zukünftigen Gesprächsstoff und ich möchte auch gleich noch „nur_wegen_dir“ als erste Interventionskraft vorschlagen, wenn sie damit einverstanden ist (und das hier überhaupt mal liest:), falls es denn mal wieder so einen scheiß Stress wegen Halbwissen und Desinfo gibt.

Es sollten sich aber auch andere bereit erklären, in solchen Situationen für einen konstruktiven Dialog sofort mit den richtigen, aufklärenden und bedachten Worten zur Stelle zu sein, sodass diese Menschen nicht wieder leer und noch selbstüberzeugter ablaufen, sondern wenn dann mit neuen, weiterarbeitenden Gedanken für ihren weiteren Weg konfrontiert werden.

Die Medien haben leider ganze Arbeit bei der Diskreditierung der Mahnwachenbewegung geleistet, aber ich denke, wir werden es noch irgendwie hinbekommen, dass wir einen Konsens finden werden, da wir nicht sehr verschieden aber eben teilweise älter mit mehr Erfahrung sind.


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RE: Dialog mit Antifa bzw. Antideutsche

#2 von Wir sind Das Demos und Die Demos , 18.04.2015 21:40

Habe den Text noch mal ein bisschen verbessert. Hier auf Facebook: https://www.facebook.com/notes/100733923592341/

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RE: Dialog mit Antifa bzw. Antideutsche

#3 von ped43z , 27.04.2015 20:33

Sehr guter Beitrag! Und versprochen, von mir gibts dazu noch mehr Gedanken.
Leider hat mich das Wetter heute so nass gemacht, dass mein Erscheinen bei der Mahnwache zwar heroisch aber auch dumm gewesen wäre, gehört halt auch zum Fahrradfahren, sorry dafür an alle.

Was mir auffällt, ist die Art wie Sprache verwendet wird, "aus dem Bauch raus", das hat auch der Antifa-Kollege gemacht. WIR ALLE SIND ABER KONDITIONIERT, viel mehr als wir glauben. Daher beabsichtige ich, zukünftig, regelmäßig etwas ausführlicher über Sprache, über die von uns (unbewusst) regelmäßig in falschem Kontext und aus nicht vom Bewusstsein getriggerten Anlässen verwendete Worte zu sprechen.

Denkt mal an den Vortrag, den ich über die Angst hielt, dass Thema ist da ganz nah dran. Nächste Woche wird es wohl nicht schon wieder so schütten, da werde ich einen Vortrag über die Verwendung des Wortes Verschwörungstheorie halten, wird anstrengend, auch für mich.

Nur ein Beispiel zu dem von Dir Gesagten, Demos.

Was ist Antisemitismus? Warum verwenden es die Leitmedien und Politiker immer und immer wieder, immer im gleichen Kontext, nämlich dem mit Israel. Bis unsere Birne so weich ist (und das ist sie!), dass sie den Begriff einfach unreflektiert verwendet? Wenn wir das Wort analysieren, erkennen wir, dass es Antisemiten vor allem im Nahen Osten gibt, in Israel. Denn dieses Land betreibt eine aggressive, rücksichtslose Politik gegenüber den Völkern der semitischen Sprachfamilie, den Arabern und Nordafrikanern. "Dieses Land" (für Israel) ist natürlich auch eine nicht ganz zulässige Verallgemeinerung, vielleicht wäre es besser zu sagen, es sind die Träger und Verfechter der zionistischen Eliten Israels und der ihnen nahestehenden und äußerst einflussreichen Freunde vor allem in den USA. Das bedeutet daher natürlich auch, dass Judenfeindlichkeit und Antisemitismus wie auch Antizionismus nicht gleichgesetzt werden können. Was außerdem auffällig ist: Durch die Meinungsmanipulierer wird ständige Spielgelfechterei, Schattenboxen getriggert. Gerade die Antisemitismus-Debatte ist ein sinnloser Streit um Symbole, das Wort dient einzig und allein dazu, AUSZUGRENZEN. Daher hatte eine Diskussion mit unserm Antifa-Freund auch keinen Sinn, es ging viel mehr darum, seine (eingeimpften) Erwartungshaltungen zu durchbrechen und ihm einfach nur zuzuhören, was nicht heißt, seine Meinung zu teilen. Es ging einfach nur um das Vorleben einer anderen kooperativen Kultur.
Das ist auch das, was ich als wichtigste Aufgabe für uns sehe, weil es uns nämlich fordert, anders zu denken, zu reflektieren, unser Unbewusstes zu erforschen, über welches eine ungeheure Macht auf unser Denken und Tun ausgeübt werden kann. Wir sind alle noch viel zu sehr im DAGEGEN gefangen.

Danke nochmal Demos.
Werde mir erstmal in Ruhe Deine Zeilen durchlesen.
Viele Grüße von Peter


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RE: Dialog mit Antifa bzw. Antideutsche

#4 von Rolf zu Darben , 29.04.2015 19:58

Danke für den Beitrag Demos, ich stimme in vielen Punkten zu.

Du hast gefragt, ob Antideutsche sich selbst auch als "antideutsch" bezeichnen. Soweit ich mich in die "Szene" reingefühlt habe, wollen sie sich selbst lieber als "ideologiekritisch" statt "antideutsch" verstanden wissen.

Da komm ich gleich zu einem wichtigen Punkt: Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass man bei den antideutschen Argumenten scharf trennen muss zwischen Punkten, die sich auf reale Sachverhalte wie aktuelle Konflikte beziehen und Dingen, die auf einer "theoretischen Ebene" arbeiten. Also beispielsweise ist der strukturelle Antisemitismus eine Denkstruktur, die wichtig zu erkennen ist und die Antideutschen leisten wenn es um Theorie-Debatten eine denke ich nicht unwichtige Arbeit. Aber immer wenn sie das auf tatsächliche Sachverhalte anzuwenden suchen, fallen sie in undifferenzierte Schwarz-Weiß-Muster und sind nicht mehr fähig, aus dem theoretischen "Elfenbeinturm" in die Realität zu kommen und sich dort angemessen zu verhalten. Ich will hier natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, aber das ist zumindest der Eindruck den ich bekommen haben als ich mir so einige Debatten angeschaut habe.

Ganz kurz dazu, dass du meintest, sie wüssten keine positiven Zukunftsvisionen zu formulieren und sind immer nur am meckern/kritisieren. Ich glaube das liegt daran, dass in der antideutschen Ideologie viel die kritische Theorie der Denker rund um die Frankfurter Schule (e.g. Theodor Adorno) eine Rolle spielt. So wie ich diese Denkrichtung verstehe, meint sie, dass Dinge im wissenschafltichen Sinn niemals zu verifizieren, nur zu falsifizieren sind. Man kann niemals feststellen, ob etwas wirklich wahr ist. Man kann nur Dinge, die offenkundig falsch sind, ansprechen und kritisieren und dadurch Entwicklung hervorrufen. Und ich denke diese Denkfigur prägt auf vielen Bereichen das antideutsche Denken: man setzt sich nicht für irgendeinen vermeintlich richtigen Lebens- oder Gesellschaftsentwurf ein, sondern beschränkt sich darauf offenkundig (aus Sicht der jeweiligen Akteure) "falsche" Ansichten zu kritisieren. Daher vielleicht de Eindruck, dass sie immer nur dagegen sind.

Werd die Tage vielleicht nochmal mehr dazu schreiben wenn ich die Zeit dazu finde, sitz grad noch in der Uni ;) Um einen Eindruck wirkliche "antideutscher" Standpunkte zu bekommen, ist es vielleicht auch dienlich, sich wirklich mal in deren Publikationen einzulesen, beispielsweise die Zeitschrift "Bahamas" (antideutsches "Flaggschiff" wenn man so will). Wenn man mit den pöbelnden Menschen die die Mahnwache zu stören suchen diskutiert, bekommt man vielleicht auch schnell einen falschen EIndruck. Weil, bei allem Respekt, da sind auch viele Kids auf der Suche nach einer möglichst elitären Identität dabei.

lg, Rolf

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RE: Dialog mit Antifa bzw. Antideutsche

#5 von ped43z , 02.05.2015 10:07

Die Online-Präsenz http://www.redaktion-bahamas.org/hefte/edit20.html
ist auf jeden Fall eines Studiums wert.
Die Antideutschen bringen eine andere Sicht mit, aber man erkennt gleichermaßen Stereotype.
@Rolf: Absolut richtig, es gibt natürlich auf Krawall gebürstete, denen es gar nicht um Inhalte geht, aber auch hier geht letztlich nur Deeskalation, gelle?
Hab nur mal zwei Artikel bei Bahamas gelesen, einen aktuellen zu Tröglitz und einen älteren zum Antisemitismus.

Und wieder habe ich (ja, anders kann ich es nicht ausdrücken) gespürt, dass zuerst WIR gefordert sind. Wenn ich den Antideutschen abspreche, Fehler im System zu erkennen und diese auch anzusprechen, was will ich dann?! Wenn wir Ihnen das Recht absprechen, mit ihren Erkenntnissen oft auch falsch zu liegen, gehen wir dann gegen unsere eigenen Fehler auch mit dieser Konsequenz vor? Eher nicht! Wer erinnert sich noch an meinen Vortrag zur Angst, insb. das Beispiel der Mutter, die ihr Kind verlor?

Die Antideutschen stellen sich DAGEGEN, gegen einen undifferenzierten Anti-Amerikanismus, Anti-Israelismus so meine Sicht. Und das ist übrigens das Manko fast aller Bewegungen, nämlich GEGEN irgend etwas zu sein, deshalb müssen wir wohl auch GEGEN die Antideutschen sein? Natürlich nicht, da gibt es Schnittmengen und hüben wie drüben, den ernsthaften Willen, die Dinge besser zu machen. Wir sind aber alle im System gefangen, mit unseren Angsthaltungen, mit unserer Abgrenzung von anderen Meinungen (damit den Menschen), der von uns verwendeten Sprache. Wir sind manipuliert!

Ich nehme mich auch selbst in die Pflicht - und damit Deinen Hinweis Demos, ernst - bei nächster Gelegenheit eine aktivere Rolle einzunehmen. Denn IN DIESER HINSICHT warst Du uns allen voraus, denn Du hattest Verantwortung übernommen. Das wird in keiner Weise geschmälert, wenn sich irgendjemand nun kritisch zum WIE äußert, es geht nicht gegen Deine Persönlichkeit, Dein Engagement, im Gegenteil, es geht um das besser werden, für uns alle, um das Erweitern von Kompetenz. Ohne Dein Tun gäbe es die Kritik nicht, ohne die würde ich jetzt nicht so darüber nachdenken, würde mich nicht mit den Antideutschen beschäftigen (die ich bislang völlig aus meiner Wahrnehmung ausgeblendet hatte). Da bleibt doch letztlich nur Positives.

Nochmal zu den Antideutschen. Ein radikal vorgetragener Anti-Amerikanismus wird von denen verurteilt, zu Recht! Wir müssen differenzieren lernen und das auch in unserer Sprache zum Ausdruck bringen, ein Verteufeln wird uns keinen Schritt weiterbringen. Wenn wir einen Draht zu Vertretern anderer politischer Strömungen bekommen wollen - und uns dort gut einbringen wollen, dann brauchen wir vor allem das: Wissen, Wissen, Wissen.
Das ist auch der Grund @Rolf, warum ich derzeit extrem viel recherchiere, dabei immer ausgehend von aktuellen Themen. Und warum ich es niederschreibe, nämlich um Erkenntnisse zu formulieren, Zusammenhänge aufzuzeigen, Kritik herauszufordern. Unsere Argumentation ist noch immer viel zu schmal. Es liegt an uns, zu Wissensträgern zu werden, in Wirtschaft, Politik, Philosophie, Geschichte, Psychologie, um andere zu erreichen. Dabei sollten uns andere Meinungen stimulieren, nicht hemmen oder verängstigen.
Und es geht, das werde ich immer und immer wieder betonen, um Empathie. So kann man auch verstehen, warum die Antideutschen entstanden sind, nämlich (aus meiner Sicht) als nach der Wende eine zunehmende Tendenz aufkam, das Bild des nationalsozialistischen Deutschlands weich zu zeichnen, was den Mitgliedern der jüdischen Glaubensgemeinschaft bitter aufstieß. Dieser letztlich Verhöhnung der Opfer stellten sich die Antideutschen entgegen, ließen aber (wieder meine Sicht) das Pendel gleich in die andere Richtung ausschlagen, als sie jede Kritik an Israel mit Antisemtismus gleich stellten. Weil eben auch ihre Sicht, mit der Sehnsucht nach einfachen Lösungen verbunden war - und, was damit verbunden ist, ausschließlich auf andere, nur nicht auf sich selbst zu zeigen. Womit sich der Kreis geschlossen hat.

@Rolf: Zu den Skeptikern komme ich am Montag übrigens auch, wir sollten diese Herangehensweise eher positiv sehen, wenn sie nicht die Ausschließliche ist. ;-)


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zuletzt bearbeitet 02.05.2015 | Top

RE: Dialog mit Antifa bzw. Antideutsche

#6 von Sahar ( Gast ) , 23.05.2015 23:02

Grundsätzliche Verhaltensweise?

Das Wichtigste ist, dass alle versuchen entspannt zu bleiben, wenn uns jemand aggressiv und beledigend entgegentritt.
Ruhige Sprache und Gestik, nicht auf Handgreiflichkeiten einlassen. Das ist für manche Naturen sehr schwer, desshalb ist das Alkoholverbot obligatorisch. Jeder sollte
zur Vorbereitung des, hoffentlich nie eintretenden, Szenarios "aggressive/r Mahnache-für-Frieden-Gegner_innen bzw. -Teilnehmer_innen oder Polizist_in" gedanklich durchspielen.
Wenn die Mahnwache wieder wächst, muss sich jeder, der aggressiv oder mit Aggression auf Agression reagiert, dem Vorwurf des Agent_in Provocateur ausgesetzt sehen!

Sahar

RE: Dialog mit Antifa bzw. Antideutsche

#7 von Wir sind Das Demos und Die Demos , 26.05.2015 14:34

Danke Sahar, ja da gebe ich Dir Recht. Zumindest bis jetzt gab es da noch keine Probleme bezüglich körperlicher Gewalt, sondern es blieb alles bei destruktiver statt konstruktiver Wortgewalt uns gegenüber. Ich hoffe auch das wird in Zukunft weniger, deswegen die Planung der Pressearbeit...

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