Das Märchen vom Restrukturierungsfonds

#1 von ped43z , 21.11.2015 10:08

Folgender Artikel erschien im Sommer des Jahres 2015 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anle...n-13800594.html

Dieser Krisenfond ist - um es volkstümlich auszudrücken - eine Volksverarsche, anders gesagt: Manipulation. Die Sau wird jedes Jahr mal durchs Dorf getrieben, um den Leuten weiszumachen, dass die Politik umtriebig ist. Hier nur ein Beispiel aus dem Jahr 2012:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-krisenfonds-einnahmen-gehen-2012-auf-520-millionen-euro-zurueck-a-935139.html

Der Restrukturierungsfond wurde im Ergebnis der Bankenkrise von 2008 beschlossen und soll laut ihren Schöpfern ähnlich einer Versicherung zur solidarischen Bankenrettung wirken.
Während also die Banken über die Jahre kleckerweise Kohle auf diesen Fonds buchen, werden sie zur gleichen Zeit reich beschenkt.
Die eine Billion Euro, die die EZB auf den Markt wirft, wird natürlich zum Nutzen der Kreditbanken (aus dem Nichts) geschöpft.
Damit kauft die EZB faule Kredite bei den Privatbanken auf, womit der Verlust auf die EZB übergeht, die EZB verschuldet sich de facto bei sich selbst (ist aber alles egal, eh nur Buchgeld, wenn auch in diesem Falle Zentralbankgeld, der Leser versteht?).
Die Privatbanken erhalten damit die Zinsen (das Buchgeld auf deren Konten wird vernichtet, so als ob der Kredit ganz normal getilgt worden wäre), was ihr Eigenkapital stärkt. Die eine Billion Euro werden also nicht Brutto in den Geldkreislauf eingebracht, so mein Verständnis. Der aufmerksame Beobachter erkennt außerdem, dass bei dem ganzen Zirkus Steuergelder schlicht keine Rolle spielen, wozu auch.

Hier wird also Aktionismus vorgetäuscht - Propaganda pur. Man achte nur auf die Sprache, Bsp. gleich am Anfang aus Deinem Link:

Zitat
Die größten Banken der Europäischen Währungsunion werden in diesem Jahr 2,8 Milliarden Euro in die Rettungsfonds der Region pumpen


Ich kann mir richtig vorstellen, wie verantwortungsvolle Banker im Schweiße ihres Angesichts das Geld in den Fonds PUMPEN. Ja, diese Assoziation soll im Kopf des Lesers hergestellt werden, deshalb steht es auch gleich am Anfang des Textes und entwertet die weiter unten stehende Angabe von 1,3 Billionen Euro welche die STAATEN für die Banken von 2008 bis 2011 aufbrachten - entweder über Steuergelder oder aber über neu aufgenommene Kredite bei den Banken selbst.
Erst mal die Irrsinnigkeit des Vorgangs an sich und dann das Verhältnis der Summen zueinander. 70 Mrd. Euro Fondssumme (irgendwann in 50 Jahren, reine Theorie) zu 1,3 Billionen (einer Summe die beim nächsten Mal ganz sicher überboten wird).

Zitat
Die Fonds haben ein Finanzierungsziel, das mindestens einem Prozent der versicherten [langfristigen, das Eigenkapital der Banken stützenden; ped43z] Einlagen aller Kreditinstitute auf dem Gebiet des entsprechenden Landes entspricht.


EIN Prozent der versicherten Einlagen, na da kann ja nichts mehr schief gehen oder? Gleichzeitig baut sich bei mir ein Fragezeichen auf, denn im Zuge dieser Logik gibt es also auch UNversicherte Einlagen. Hm, wer muss da versichern?
Die Einlagen aber sind aber nicht die per Bilanzverlängerung erzeugten Kredite, welche die Banken im Zuge der Geldschöpfung vergeben. Wenn also die Banken weiter so machen und wie wild Geld schöpfen um es dann zu verbriefen, hat sich (oh Wunder) seit 2008 nicht das Geringste geändert, bis auf die Tatsache, dass der Hypothekenmarkt zusammengebrochen ist. Das aber wiederum ist nicht der "Verdienst" der Banken, sondern der potenziellen Kreditnehmer, die jetzt nicht mehr nur real nicht kreditwürdig sind (was ja schon vor 2008 der Fall war) sondern auch ideell "die Lust verloren haben", also auch der Kopf der Menschen hat es geschnallt.

Und so läuft jetzt das Geschäft über alle Arten von Verbriefungen aus Investments und nun ist auch klar, warum Griechenland so gepresst wird, denn die Banken sind - Stand heute - unbedingt abhängig von diesem Geschäftsmodell.


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RE: Das Märchen vom Restrukturierungsfonds

#2 von Nathanael , 21.11.2015 16:19

Lieber Peter,

besten Dank für diesen sehr interessanten Artikel:

"Der Restrukturierungsfond wurde im Ergebnis der Bankenkrise von 2008 beschlossen und soll laut ihren Schöpfern ähnlich einer Versicherung zur solidarischen Bankenrettung wirken."

Ich frage mich immer, wie es die "Geldschöpfer" schaffen, dass in allen Bereichen der freie Markt das Mantra ist und gerade im Finanzsektor im Grunde Sozialismus herrscht?
Aber ich denke hier ist das Zusammenspiel mit den Medien und Verlagen sicher auch ausschlaggebend.

Blödes Geldsystem! Guter Beitrag!

Herzliche Grüße

Nathanael

 
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