Die Marke Mahnwache und ihre Menschen

#1 von ped43z , 08.11.2015 01:26

Liebe Freunde,

am vergangenen Dienstag, den 3.11.2015 fand beim Orga-Treffen ein Brainstorming mit nachfolgender Diskussionsrunde statt. Anlass ist eine aufgekommene Diskussion um den Namen, unter dem sich die Menschen jeden Montag abend auf dem JGP treffen.

Es ist natürlich - und wenn man die Entwicklung der Teilnehmer der MW betrachtet - nur folgerichtig, dass nun auch der Name, mit dem wir uns als Kollektiv für andere Menschen präsentieren, in den Fokus geraten ist.
Aus meiner Sicht ist das grundsätzlich auch völlig in Ordnung und ich verstehe sowohl die Menschen, welche für eine Beibehaltung des Namens "Mahnwache für Frieden" plädieren, als auch jene, die für eine Neubenennung argumentieren.

Trotzdem hatte ich all die Wochen, während dieser Konflikt mehr oder weniger unter der Oberfläche schwelte, ein ungutes Gefühl. Die Hauptfrage die sich mir über die Zeit stellte, war, ob wir hier die richtige Diskussion führen. Richtig im Sinne dessen, was wir anstreben. Und außerdem ist ein Gefühl in mir, welches sagt, dass die Diskussion um die Marke vielleicht auch einen anderen Konflikt verbirgt.

Nathanael bringt öfter mal den Begriff Kämpfer in´s Spiel und er vertritt die Meinung, dass er den Kampf umgeht, wenn es möglich ist - was meist für alle Akteure bessere Alternativen aufzeigt. Die Diskussion, so wie sie um das Label der Mahnwache geführt wird, empfinde ich als Kampf. Vielleicht muss es ja so sein, vielleicht ist es eine Phase unserer Selbstfindung und die Erfahrungen daraus sind allemal wertvoll. Aber Freunde, mich schmerzt es trotzdem.
Weil wir - aus meiner Sicht - einen Kampf gegen uns selbst führen, einen zerreibenden, zermürbenden Kampf, der uns wegführt, von dem, was wir von Herzen anstreben. Auffällig schien mir ein Lagerdenken - und seid mir nicht böse - dieses Lagerdenken hat sich am Dienstag bestätigt.
Es hat mir gezeigt, dass wir alle noch immer ordentlich in gesellschaftlich etablierten Denkmustern verharren, wenn es mal richtig "um die Wurst" geht.

Das sind meine Gefühle, natürlich. Aber jeder von Euch, der sich Zeit für eine Reflektion des Abends genommen hat, wird gespürt haben, dass wir drohten, in einen abnutzenden Kampf mit unschöner Dynamik zu geraten. Oder liege ich doch falsch? Was ich damit nicht sagen will, ist, dass mir leidenschaftliche Diskussionen unangenehm sind, ganz im Gegenteil!

Es geht halt immer darum, wofür wir diskutieren, für eine gute Sache, mit offenem Herzen und offenen Verstand, der bereit ist die Argumente der Anderen wahrhaftig zuzulassen? Oder in dem wir unsere Argumente aus gut befestigten Schützengräben auf die andere Seite feuern und in Deckung gehen, wenn zurück geschossen wird? Der Dynamik, in der wir unsere Energien sinnlos verpulverten, konnten sich viele, mich eingeschlossen, nur schwerlich entziehen.

Noch etwas wurde mir bewusst. Es ist eine Kunst, wenn man in einen Konflikt geraten ist, ihn vielleich sogar gesucht hat, von außen auf das Glashaus zu schauen. Man verrent sich und kämpft und kämpft und kämpft, reine Abnutzung. Der Kampf fokussiert sich auf die Meinungshoheit, die keinen weiterbringt, weil diese Hoheit von den Kämpfenden bei passender Gelegenheit sofort wieder abgejagt wird.

Diese Vorbemerkungen sind mir wichtig, weil obige Gedanken Grund meiner Initiative für das Brainstorming und nachfolgend die Diskussion waren. Ich erkannte, dass wir alle im Kampf sind und uns der klärende Blick von draußen fehlt, um innezuhalten. Wenn ich mich verrenne, ist es kein schlechtes Mittel, mal einfach zurückzugehen. Gehen wir deshalb noch mal zum Anfang, zum gemeinsamen Anfang und reflektieren unsere Sichten. Das kann man mit Moderation tun, aber einen Kampf zu moderieren (ja, ja Nathanael, Du mein Ringrichter ;-), frisst auch Ressourcen, das funktioniert nicht für alles und nur eine begrenzte Zeit.

Brainstorming ist alles; lebendig, durchaus laut, emotional, kreativ und voller Energie. Ideen können weitergesponnen werden und kein Gedanke (so das Brainstorming mit Anspruch geführt wird) ist zu albern, als das er nicht wertvoll wäre. Aber eines ist es eben nicht: Kampf, verzehrender Energie fressender Kampf. Seine einzige Regel lautet: Lasse alles zu und vermeide jede Kontradiktion. In unserem Falle erlaubte es den Weg weg von dem inhärenten Gegen den alten Namen oder Gegen einen neuen Namen – so dachte ich. Aber so einfach war es dann doch nicht, wie sich herausstellen sollte.

Was ich heute weiß ist, dass eine solche Methode durch Wiederholung ihre wahre Kraft entfaltet, vorausgesetzt sie wird von den Menschen nicht nur freundlich, sondern auch innerlich mitgetragen. Brainstorming ist ein wunderbares Hilfsmittel für uns, um zu lernen wirklich zuzulassen, unabdingbar dafür ist natürlich, dass wir uns dabei vertrauen können. Es ist eine besondere kooperative Art zu denken.

Die Ergebnisse des Brainstormings sind eine kollektive Leistung und sind hervorragend geeignet, Schnittmengen zu erkennen. Brainstorming finde ich also wirklich gut, in unserem Fall habe ich mich allerdings – nutzend der positiven Merkmale dieses Ideenaustauschs, versucht, an unser Problem heranzutasten. Aber nun genug der ewig langen Vorrede.

Erkenntnisse aus dem Brainstorming

Die Frage an die Teilnehmer lautete – ganz bewusst, wie gesagt, ich tastete: Welche positiven Gedanken fallen Euch ein zur Entwicklung der Marke Mahnwache?

Und rasch wurde mir klar, dass ich den Konflikt immer noch unterschätzt hatte, ich benötigte einige Zeit, um mich zu sammeln. Und trotzdem war es sehr interessant, wie so ein Konzept auch (unterbewusst) unterminiert werden kann. Die (im Grunde bekannten) Argumente wurden GEGENeinander ausgetauscht.

Ein neuer Name erschließt neue Gruppen, die wir bislang nicht ansprechen können.
Ein neuer Name erschließt neue Gedanken.
Der Name Mahnwache ist aus einem Grundgedanken entstanden, weil die Menschen die Schnauze voll haben. Er ist ein gigantisches Netzwerk n Deutschland und unter dieser Fahen sollte eine neue Friedensoffensive gestartet werden.
Der Name MW bietet bessere Möglichkeiten, für die Vernetzung mit anderen MW.
Wir mahnen und wachen für den Frieden.
Wichtig ist, was wir tun, das sollte uns antreiben.
Ein neuer Name steht für Dezentralität.
Die Existenz der MW in Dresden gibt Rückhalt für andere MW in Deutschland.
Ein neuer Name kommt besser bei den Medien an.
Bleiben wir dem Namen MW treu, bleiben wir auch uns selbst treu.
Eigentlich ist der Name egal.
Ein Logo verändert man nicht.

Nach meinem Verständnis wurde es absurd, denn ein alter oder neuer Name bewirkte etwas. Ein Name? Und die Menschen?
Ganz klar, ich hatte die falsche Frage gestellt, Euch auch überfordert. Nicht, dass der Prozess bis dahin wertlos gewesen wäre. Aber mein Ansinnen war ja, die Menschen wieder zusammenzuführen und eine positive Atmosphäre für die nachfolgende Diskussion zu erschaffen. Alle im Kollektiv sollten die Möglichkeit erhalten, den Aspekt neu und weitestgehend unvoreingenommen zu betrachten. Deshalb stoppte ich und wechselte die Fragestellung.

Ging die Frage Euch zu weit weg vom eigentlichen Thema? Für mich auf keinen Fall, ich glaube wir sind noch immer voll im Prozess der Selbstfindung, der Identifikation mit der MW und der als Mensch. Und dabei geht es um Halt, um Mut, Erkenntnis, Loslassen und Angst. Alles Eure von mir gespürten Empfindungen, die sich bei der Namensdiskussion wiederfinden. Mit der folgenden Frage nahm dann das Ganze (für mich jedenfalls) ordentlich Fahrt auf:

Für was stehen wir, was wollen wir?

Wir stehen für gelebten Frieden.
Wir sind ein Forum für nachhaltige Veränderungen.
Wir sind eine Vernetzungsplattform.
Wir sind aktiv für eine andere Welt.
Wir sind eine Dresdner Friedensinitiative.
Wir sind Aktivisten die etwas tun.
Wir sind eine Plattform die sich auf die Fahne geschrieben hat, dass wir offen bleiben.
Wir vergessen nicht wo wir herkommen.
Wir sind eine Bewegung die nach vorn blickt.
Wir sind eine Zelle des Widerstandes die nach vorn blickt.
Wir haben uns alle gefunden, weil wir etwas verändern wollen.
Aus unserer Plattform sollen Aktionen entstehen, die über die MW hinausgehen.
Ich möchte auch bei mir bleiben.
Wir stehen für eine Bewegung, die sich ständig weiterentwickelt.
Wir möchten unser Potenzial nutzen, um auszustrahlen.
Wir möchten eine MW sein, die Öffentlichkeit in Dresden bekommt.
Wir wollen ein Zueinanderbringen verschiedener Meinungen.
Wir wollen uns verbinden mit anderen MW.
Wir sind eine Plattform für Viele.
Wir wollen uns vernetzen.
Wir sind Impulsgeber.
Wir sind Menschen die sich treffen und über Frieden diskutieren.
Wir wollen mit allen Strömungen arbeiten.
Wir wollen anderen helfen sich zu entfalten.
Wir sind Teil eines kollektiven Widerstandes.
Wir stehen für offenes Bewusstsein.
Wir sind eine unabhängige dezentrale Instanz.
Wir sind auf dem Weg von Recht zu Sittlichkeit.
Wir trauen uns an die Oberfläche zu schauen und haben kein Schablonendenken.
Wir stehen für Inhalte und Veränderungen.
Wir wollen Denkschranken einreißen.
Wir sind offen, wir sind Veränderung.
Wir wünschen uns Öffentlichkeit.
Wir lassen uns nicht kleinkriegen.
Wir sind am Montag unserem inneren Frieden ein Stück näher.
Wir sind der Marktplatz des Lebens.
Bei uns finden Menschen eine Plattform, die sonst ausgeschlossen sind.
Wir wollen andere abholen.
Wir inspirieren und motivieren.
Wir fühlen uns als Hoffnungsträger.
Wir schauen dahin, wo andere noch nicht hingeschaut haben.
Wir sind ein neues Medium.
Wir sind bewusste Demokraten.
Wir verkörpern eine Methode, einen Prozess, einen Inhalt.
Wir sind Einäugige unter Blinden.
Wir sind ideenreich.
Wir sind Veränderung.
Wir sind Tugend und Wahrheit.
Wir wollen mitnehmen und akzeptieren.
Wir stellen Ethik über Moral.
Wir sind überzeugt.
Wir sind ein Ort des Friedens.

Salopp gesagt, finde ich, dass wir hier ein tolles Postionspapier haben, in dem sich die Menschen der MW spiegeln. Dabei massig Ansatzpunkte die man schöpferisch weiterentwickeln kann.
Aus jetziger Sicht hätte ich nach diesem Brainstorming gerne vorgeschlagen, die nachfolgende Diskussion wegzulassen, warum? Weil wir eigentlich weg waren vom Kampf, wir spielten uns die Bälle zu, es gab keine Verlierer – und genau das wurde dann aber über die Diskussion wieder angefacht. Und das lag an mir, denn erneut hatte ich Euch überfordert.

Vielmehr ist es doch jetzt für Jeden von uns reizvoll, dass was uns in kreativen 15 Minuten so rausgeperlt ist, mal stärker zu beleuchten um die Aufgaben, die uns wertvoll sind, auch mal präzise zu formulieren.

Wir versammeln uns zwar unter dem Banner der MW, aber wir handeln als Menschen. Ich vernetze mich als Mensch mit anderen Menschen, NICHT mit Institutionen. Als Mensch trete ich auf, ich stelle mich niemals vor mit guten Tag ich bin der Peter von der MW, sondern ich bin Peter, der Mensch der mit dem Namen Peter gut leben kann.

Uns als Menschen zu begreifen, die auf andere Menschen ausstrahlen und diese auch wahhaftig als Menschen anerkennen wollen, das ist eine große Aufgabe, aber die Mühen sind es wert und ich erlebe das beglückend tagtäglich – im positiven Sinne (wohlwissend, dass es auch Menschen gibt, die wir niemals erreichen werden).

Vorerst NICHT die Diskussion zum Namen der MW weiterzutreiben, das ist meine bescheidene Empfehlung an Euch aus der Erfahrung der vergangenen Wochen.
Ungeduld kann voranbringen, die damit verbundene Machtausübung kann aber auch zerstören, akzeptieren wir den Status Quo und entwickeln uns weiter.

Seid Ihr alle ganz herzlich gegrüßt von Peter


>>> So wir zu unserem ganz persönlichen kleinen Frieden streben, so sind wir auch in der Lage den Frieden weiter zu geben. <<<
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RE: 2015-11-08: Die Marke Mahnwache und ihre Menschen

#2 von Nathanael , 08.11.2015 04:49

Lieber Peter,

ich habe Deine Zeilen sehr gerne gelesen und konnte auch Deinen Gedankengängen folgen. Was ich für mich raus ziehe, dass ich Deine Wahrnehmung und Reflexion in vielen Dingen teile. Ich habe mich an diesem Abend wirklich versucht als Ego rauszunehmen. Und ich schätze auch immer sehr stille Beobachter, die eben einfach nur wahrnehmen und gleiche dann meine Wahrnehmungen ab. Und auch in Deinen Worten habe ich diese Situation wiedergefühlt.

Wir konnten lernen, dass in einer guten Methode und der richtigen Frage, die Energie zielgerichtet und konstruktiv fließt. Und zu Recht beschreibst Du dieses Gefühl als beklemmend und möchtest auch gerne vermeiden. Doch wahrhafte konstruktive Energie kann nur das ganze Potenzial entfalten, wenn auch die Grundgefühle VERTRAUEN und LIEBE existieren. Und was Du eben spürst, dass ist MISSTRAUEN und ANGST. Doch es ist keine gute Basis mit MISSTRAUEN und ANGST in die Kreativität zu gehen.

Vieles scheint verlockend, aber ich mahne nochmals, wir sollten auch auf die Schattenseiten blicken. Und dies meine ich nicht für das Individuum, denn nur ich weiß um die meinen. Es geht auch nicht darum irgendjemanden bloß zu stellen. und erst in diesem INNEREN KAMPF werden wir zu voller Authentizität. Wenn wir uns schon entschließen als Kollektiv zu agieren, dann sollten wir auch irgendwann mal anfangen.

Wir müssen uns VERTRAUEN und LIEBE schenken, mehr nicht. Und dieser Prozess kann im Grunde nur funktionieren, wenn MENSCHEN im Einklang schwingen. Wir sind ein bunter Lampenmix der wild durcheinander blink. Guck mal, ich blinke blau, ich bin grün. Wir müssen verstehen wie Kollektiv wirklich funktioniert.

Aber was ich wirklich wunderbar finde, ist der zweite Teil. Und ja, klinkt wie ein Positionspapier, also jedenfalls viel echter als alles bisher. Und ich kann Dir schon an der ersten Frage zeigen, dass eben das Thema wo Du nicht hinsehen möchtest, voll durchschlagen würde und eben wieder ANGST und MISSTRAUEN mitschwingen.

Denn schon die Frage. Was bedeutet für Dich gelebter Frieden? lässt hier viel Platz für alles Mögliche und da haben wir das Paradox der Sprache.

Aber ich möchte es eben auch gerne konstruktiv sehen. Und ehrlich gesagt fand ich Georgs Idee vom Ansatz her echt gut. Denn so entkoppeln wir auch die Marke vom Geist der dahinter steht. Und bei dem zweiten Teil des Brainstormings (können wir das nicht anders nennen?) musste ich sogar wirklich herzlich lachen, weil ich es erkenne, Sehr schön.

"Ich möchte auch bei mir bleiben."

Ja, dass klingt gut. Und ja, wir sollten diese Methode nochmal nutzen, vielleicht auch anderes Material, denn ich sehe an den Aufzeichnungen, dass es für Dich schwierig war, manchmal zu folgen. (Habe mich eh die ganze Zeit gefragt, wie Du das hin bekommst?) Vielleicht wären kleine Karten und Stifte da viel besser? Denn dies ist wirklich wertvoll.

Aber ehrlich gesagt sehe ich da noch viel zu viele wirs, die keine wirs sind. Jedenfalls für mich.

"Wir wollen uns verbinden mit anderen MW." Wollen wir das wirklich? Wer hat es schon probiert? Warum taucht die Frage auf? Wo ist die Selbstverantwortung?

Das wären meine Fragen. Und so könnten wir viele Punkte abarbeiten und an jedem verdammten Punkt feststellen, dass wir niemals in LIEBE und VERTRAUEN kommen werden. Nicht als MENSCHEN nicht als KOLLEKTIV.

Niemand hat gesagt, dass es leicht wird. Aber hat niemand denn verstanden, dass er handeln muss? Kennt niemand das universelle Prinzip? Deswegen schweigt auch niemand...

Aber an diesem Punkt muss ich einfach widersprechen. Nein, es wäre nicht gut den begonnen Weg abzubrechen. Wir müssen über dies Sache weitersprechen. Und da ich Nathanael nicht sprechen lassen konnte, ist viel in mir, was ich dazu sagen hätte wollen. Denn schon am Anfang hätte mehr deutlich gemacht werden müssen, dass es manchen MENSCHEN nicht um eine Namensänderung per se, sondern es um ein ganz anderes Prinzip ging. Und wie schafft man Ausstieg? Wie stellt man System in Frage?

Ich denke hier, ging es eher um Strukturen, als um Namen. Nur sollte eben jeder für sich erkennen, auf welcher Ebene er da war. Und die MENSCHEN den dieses Thema wichtig ist, haben es zu undeutlich formuliert. So sind wir schon unbewusst in Kampfmodus gewesen. Aber dies erlernen wir eben nur in genau solchen Situationen. Warum also Energie auf andere Dinge richten? Sicher müssen wir dosiert und vorsichtig sein, aber die Zeit rennt uns weg und jeder der hier denkt ich bin paranoid, dem kann ich nur sagen, mach die Augen auf!

Aber im Grunde müssen wir ja nicht total tief in den Schmerz gehen, denn ich kann nur nochmal Georgs Vorschlag als sehr zielführend erwähnen und die Kombination aus Peters Empfinden des Positionspapiers, was ich auch so teile, eine gute Richtung vorgeben. Wir wissen jetzt, da köchelt was. Hat im Grunde mit jedem Selbst zu tun, aber muss gewahr sein, weil es immer wieder stören wird. Das müssen wir erkennen.

Aber wir sind auf einem guten Weg. Ich hatte auch ein Idee, wie wir uns selbst besser in Orga Treffen regulieren können. Denn ich suche immer nach geeigneten Regeln für verschiedenen Diskussionen. Und ein Ansatz ist mir gekommen. Auch um gewisse Barrieren sichtbar zu machen. Denn ich fände es gut, wenn wir bei den Meldungen noch andere Faktoren ein beziehen könnten. Zum Beispiel dass das Gewicht einer Meldung, gerade in heißen Diskussionen, durch ein eher ruhigen Beobachter passiert oder durch einen Vielredner, eben ganz anders gewertet wird. Dass auch mal Einstieg für rhetorisch schwächere Menschen möglich ist. So können sich auch die Vielredner etwas disziplinieren, so lernen kürzer und präziser zu sprechen.

Wenn irgendjemand die Dinge die ich gerade schreibe als schmerzhaft empfindet, dann weiß er noch gar nichts. Wenn ich so massiv bin, dann hat es einen Grund. Und ja Peter, im Grunde wurde ich mal so richtig Tacheles reden, aber wer hält es aus?

Ich kann für mich nur sagen, wenn hier wirklich bald bestimmte Dinge nicht geklärt werden, dann knallt es heftig. Und in meiner Natur liegt es konstruktiv zu sein, ich werde immer das tun, woran ich glaube. Doch ich bin erfahren genug zu wissen, wann etwas tot ist. Ich möchte es verhindern und genau an diesem Punkt bin ich am System gescheitert. Und wenn wir uns eben nicht gewahr werden, dass wir noch ganz viel System sind, dann verliere ich die Geduld und werde eben wo anders hinwandern. Doch im Moment fühlt es sich sehr gut an, doch an mir liegt es nicht.

Und um eben auch den Namen etwas zu entkoppeln, würde ich eben immer diesen Kontext Position JGP 19 Uhr Montag "Mahnwache für den Frieden" und eben deshalb ist das mit dem Namen auch nicht so verkehrt. AGORA Hamburg nennt es "Marktplatz für den Frieden" Warum können wir so was nicht auch? Damit zeigen diese MENSCHEN doch auch, dass sie bestimmte Dinge erkannt haben. Und so gesehen passt der Name einfach nicht wirklich, obwohl es eben auch Argumente dafür gibt. Aber wo ist hier LIEBE und VERTRAUEN und wo ist MISSTRAUEN und ANGST?

Wenn ich jetzt jeden MENSCHEN der bei uns vorbeikommt, die noch nicht da waren, dann fragen die immer, was wir sind. Im Grunde müsste ich schon hier sagen, wir sind ich. Versteht nur keiner. Also hangle ich mich immer um diese Tretmine, denn ich empfinde sie so, und dann frag ich mich manchmal, im Grunde könnte ich diesem MENSCHEN sonstwas erzählen. Aber bei allem ich sind wir Gemache weiß ich, es gibt kein wir. Ich fühle es oft nicht. Aber ich habe es schon gefühlt und es wird immer besser. Wir müssen nur etwas konsequenter die Themen trennen. Und wenn wir es wirklich ernst meinen, dann müssen wir relativ schnell die schlimmsten Baustellen abarbeiten, nur so können wir in die Heilung gehen. Wir müssen einfach nur aufrichtig und ehrlich miteinander umgehen. Auch wenn das größte Problem ist, dass wir alle oft unehrlich uns selbst gegenüber sind. Aber wenigstens erkennen wir es und beginnen zu handeln!


 
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RE: 2015-11-08: Die Marke Mahnwache und ihre Menschen

#3 von ped43z , 08.11.2015 12:26

Lieber Nathanael,

danke für Deine Reflexion zu nachtschlafener Zeit.
Eigentlich könnte ich Deine Worte so stehen lassen, für mich ist damit fast alles gesagt, was mich gegenwärtig umtreibt.

Wir ändern die Worte, wir ändern die Welt und bekennen uns zu unserer schönen Sprache:
Brainstorming -> stürmische Kreativ-Viertelstunde
Wäre so ein erster Ansatz.

Du hast Dich auch sofort auf die Bekenntnisse und Vorstellungen zu dem, was wir tun, "gestürzt". Ja, genau dort ist der Hebel. Dort sind die Ebenen erkennbar geworden, unser (teilweise - warum auch nicht - diffuses) Selbstverständnis und wo wir in unserem Prozess stehen. Dort können die Fragen gestellt werden, die mitnehmen, da ist ein reiches Betätigungsfeld, in dem wir uns weiter entwickeln und noch mehr nach außen strahlen können. Ganz bewusst gehe ich auf diese inspirierenden Gedanken jetzt konkret nicht ein, wahrscheinlich würde ich die maximale Zeichenzahl für einen Post sprengen .

Die Widersprüche in den Aussagen (vergessen wir nicht, es war eine stürmische Kreativ-Viertelstunde) aufzulösen, sehe ich außerdem als extrem konstruktiv. Das Wasser an der Oberfläche hat gekräuselt und gezeigt, dass da in der Tiefe etwas auf die Erkenntnis durch uns wartet. Das empfinde ich schön, weit weg von bedrückend, DAVOR habe ich keine Angst. Und wir kommen zur Verantwortung. Das WIR hinter dem sich jeder verstecken kann, wird zur Vielzahl von ICHs, die ein dynamisches WIR ergeben, in dem aber die ICHs (Mensch) nicht als Einheitsmasse einer Institution untergehen.

Liebe und Vertrauen, richtig, das ist der Schlüssel - und im Umkehrschluss müssen wir darauf achten, dass sich Liebe und Vertrauen entwickeln können. Wir sind - jeder in Verantwortung für sich selbst - gefordert, es zuzulassen.
Eine Frage habe ich noch. Du sagtest, dass Du es nicht gut fändest, den begonnenen Weg abzubrechen. WELCHEN Weg?

Deine Besorgnis ob der gesellschaftlichen Umstände, ob der Zeit die uns wegläuft, kann ich geradezu körperlich nachempfinden. Nur meine ich, wir hatten NOCH NIE Zeit, es war immer fünf vor zwölf. Und wir haben die Gegenwart, natürlich, das heißt, wir haben IMMER die Zeit. Und so wie wir (als Summe der ICHs) sie nutzen, wird uns die Zukunft die passende Gegenwart liefern, na klar. Bekennen wir uns aber auch immer wieder dazu, eben Menschen zu sein, begrenzt, zu Fehlern neigend. Alles kann im Sinne der Zukunftsvorstellungen umsonst gewesen sein, aber NICHTS ist umsonst, denn wir leben im hier und heute. Und jeder neue Tag, den uns die Natur schenkt, gibt uns die Möglichkeit im Jetzt glücklich zu sein, in dem wir zu etwas streben, uns selbst verwirklichen.

Erkenntnis über die Welt (das universelle Prinzip?), über das eigene Ich, führt auch zu einer Art von Gelassenheit. Nie habe ich die Welt in ihrer Fülle, Schönheit und Unbarmherzigkeit, die Menschen in ihrer Gutherzigkeit und Bösartigkeit so erkannt, wie ich es heute tue. Und genau das bringt mich dazu, abzulassen vom Kampf. Das was ich hier tue, sehe ich immer weniger als diesen - so fühle ich es. Und damit ist in mir mehr Kraft und Energie, mich und das, was ich berühre gut schwingen zu lassen.

Gehen wir unseren Weg weiter, nehmen wir Verantwortung wahr, erkennen uns und damit andere. Die 51 Thesen, welche mutige Menschen an die Tür des Orga-Treffens geheftet haben, können uns dabei eine extrem wertvolle Hilfe sein.

Sei Du und Ihr alle herzlich gegrüßt von Peter


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RE: 2015-11-08: Die Marke Mahnwache und ihre Menschen

#4 von Daniel , 09.11.2015 07:34

"Wir sind ein Ort des Friedens" fehlt in der Auflistung, ist aber so gesagt worden. :)



Liebe Grüße
Daniel

 
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RE: 2015-11-08: Die Marke Mahnwache und ihre Menschen

#5 von ped43z , 09.11.2015 09:36

Zitat
"Wir sind ein Ort des Friedens" fehlt in der Auflistung, ist aber so gesagt worden. :)



Wie jetzt? Steht doch drin!? ...
Sind übrigens 52 Thesen.
Da ist mir wohl mal die Tinte nicht schnell genug aus dem Füller gelaufen.

Herzliche Grüße von Peter


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RE: 2015-11-08: Die Marke Mahnwache und ihre Menschen

#6 von Nathanael , 09.11.2015 15:06

Eine Oase...

Eine Haltestelle...

Ein Marktplatz des Lebens...

Ein Rathaus der Menschen...

Tauschbörse der Gefühle...

Artillerie des Lebens...

Werkstatt der Gedanken...

Kampfplatz der Worte...

Schule des Lebens...

Alles und nichts...

Was du willst...

Was ich lebe...

Atmung und Herzschlag...

Fotoalbum der Geschichte...

Flackerndes Licht in der Dunkelheit...

Ort von menschlicher Wärme...

Ersatzdroge...

Selbstverwirklichung im Kollektiv...

Ohne Dogmen, doch mit Sprache...

Freiheit vor Regeln...

Datenspeicher...

Gelebte Sittlichkeit...

Eine starke Position...

Kinderspielplatz...

Partizipation...

Alleine ganz viele...

Wie auch immer wir es nennen wollen. Für mich hat alles seine Berechtigung. Eigentlich müssig um Namen zu ringen. Aber wir sollten für die Erkenntnis dankbar sein, denn jedes Thema hat eben seine Berechtigung und wenn in diesem Konstrukt Kollektiv gegen Menschen eben dieses Bedürfnis entsteht, dann nehmen wir es wahr. Und so haben wir auch über dieses "Kampfthema" eben auch einen Teil der Lösung erahnt.

Wenn ich davon schreibe, dass wir als Kollektiv weiter dran bleiben sollen, dann beziehe ich mich auf die Identität. Denn ja, ich spüre da große Dissonanz. Und ja, es ist müssig Worte dafür zu suchen. Das ist Ablenkung und Verwirrung. Aber wenn wir eben nun wissen, was diese Verwirrung erzeugt, wie der Mechanismus funktioniert, so können wir es reflektieren. Ich möchte als keinen Streit über den Namen "Mahnwache für den Frieden - Dresden"

Im Gunde versuche ich deutlich zu machen, dass wir eine starke POSITION haben. Denn diese POSITION lebt!!! Und ja, es ist sogar gut mal zu sagen, dass wir bei bestimmten Lernaufgaben wirklich sehr gut auf die Lösung zu steuern, sie eben annehmen lernen.

Aber in der Orga scheint eben ein Bedürfnis zu bestehen, diese POSITION in WORTE AUF PAPIER zu schreiben. Eigentlich nicht machbar. Doch hier die kollektive Intelligenz, denn ja, es muss auch über die Sprache in die Lösung gegangen werden und Kooperation ist unabdingbar...

Und im Grunde müssten wir als Kollektiv über die ERWARTUNGEN der MENSCHEN an das KOLLEKTIV sprechen. Denn wenn ich in diesem alten Denkmuster bleiben soll, dann kann ich da eine klare eigene POSITION aufzeigen. Aber eben nur im Dialog kann geklärt werden, was ist ERWARTUNG und was ist schon KOLLEKTIV. Wir müssen ernsthaft die Fragen finden, die wir betrachten müssen. Nicht um zu analysieren was falsch ist, es geht nur um das Erkennen. Und dann eben mit den Stärken als KOLLEKTIV versuchen die erkannten Lernaufgaben anzunehmen und zu überwinden.

Und für mich spiegelt die Frage Namensänderung auch sehr wohl wider, wie es im MENSCHEN aussieht. Denn schon hier kann ich nur sagen, die Anatomie von Botschaften haben eine große Macht und auch der Hörer hat vier Ohren. Verwirrung total...

Doch wir erkennen zu nehmend, dass Sprache nur ein begrenztes Werkzeug ist, was aber auch einen Teil der Lösung beinhaltet. KOLLEKTIV SPRACHE.

Auf unsere gelebten Position JGP sind wir wirklich authentisch...

Dies trifft auch auf die Position Orga Treffen zu, aber wir hängen eben im Marken Denken und wollen die gelebte Position über andere Kanäle transportieren. Doch wir müssen endlich erkennen, dass eben nicht nur die Sprache und das Denken auf einer POSTION PAPIER nicht wirklich zur wahrhaften Gültigkeit kommen.Denn alles was den Anspruch, die Erwartung auf Gültigkeit beinhaltet, ist nichts als ein Versuch, der im Grunde scheitern muss...

Denn es gibt nur das SEIN, alles andere ist Täuschung oder interpretierte Reflexion.

Schönheit und Wahrheit...

Das einzige wirklich Konzept. Aber wer bin ich, so etwas zu kommentieren?

 
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