Moglichkeiten für Regulierungsmechanismen in kollektiven Gruppenprozessen

#1 von Nathanael , 23.10.2015 03:47

In diesem Thread möchte ich versuchen, den von mir im realen Leben durchgeführte "Experiment" noch etwas fachlich unterfüttern Und ich möchte gerne damit erreichen, dass wir dies als eine Art kollektive Lernaufgabe verstehen, wo aber nicht zwangsläufig jeder involviert sein muss. Aber im Grunde wäre eben meine Anspruch, dass wir in der Auseinandersetzung mit der Moderator Rolle, das Umsetzen der gewonnenen Erkenntnis dann in einem aktiven Prozess daraufzuarbeiten, dass wir irgendwann nur noch in ganz selten Fällen einen Moderator benötigen.

Denn ja, ich sehe auch in der Rolle des Moderators eine Art Selbstdisziplinierung. Und ich glaube langsam auch zu erkennen, dass es viel Menschen gibt, die viel besser für die Rolle geeignet sind, als sie selbst glauben. Und mir geht es eben darum, dass die Menschen die bisher diese Funktion übernommen haben, dies zwar auch aufrichtig, wertvoll und eben auf Grund der Situation notwendig sind. Aber hier wird für mein Gefühl auch kollektive Erwartung erzeugt und somit wird diese Rolle unter Umständen auch zur Last. und ich möchte eben einige bestimmte, relativ universelle Mechanismen aufzeigen und mit Euch zusammen eine Art Vorstellung von Moderation und den verschiedenen Möglichkeiten der Anwendungen erkennen.

Im Grunde ist dieser Versuch nichts anderes, als ein ganzheitliches Selbstbildungsangebot. Warum?

Zum Einen geht es im Grunde bei der Rolle des Moderators eben wirklich um eine Rolle. Wenn sich ein Mensch darauf einlassen kann, dann wird diese Erfahrung sehr schön sein und ich glaube eben auch, dem Menschen selbst weiterbringen. Denn dann setzt er sich bewusst bestimmten Regeln aus, bekommt auch eine Macht über eine Gruppe und muss dann für sich als Souverän abwägen, welche Maßnahmen er umsetzten muss. Wenn der Mensch es dann schafft, in dieser Rolle möglichst sein Ego zu entkoppeln, dann hat dies mehr mit spiritueller Erkenntnis zu tun, als irgendeine heilige Schrift zu lesen.

Und hier wird es dann eben kompliziert. wie können wir als Kollektiv die Rolle des Moderators gestalten? Mir ist auch die Dissonanz bei einigen von Euch klar, denn ja, wir handhaben die Rolle Moderator ganz natürlich. Jetzt kommt mein Aber, wir benutzen es in einer krankhaften Welt. Das wäre jetzt schwarz weiß. Aber ich erkenne die Nuancen. Im Gruppenprozess Montags auf dem JGP funktioniert es wirklich gut und ich freue mich, dass wir da so schöne Alternativen leben. Aber in den Rückkopplungen im Orga Kreis merke ich eben, dass wir auf diesen Regelmechanismus einfach nur mehr vor Ort nutzen sollten.

Bei Orga Treffen fände ich es für die Anfangszeit sehr wichtig, die Rolle Moderator sehr ernst zu nehmen und auch verbindliche Regeln zu formulieren. Ich möchte hier keine Schablone erzeugen, sondern Sicherheit und Orientierung schaffen. Denn ja ich fände es gut, wenn auf Grund der Inhalte, dann jemand der nichts mit dem Inhalt zu tun hat, die Moderation übernehmen kann. Und gerade Menschen die sich selbst nicht für einen guten Moderator halten, würden wahrscheinlich sehr staunen, wenn sie ein paar einfache, universelle Regeln hätten (das Papier zum festhalten) sie dann aber durchaus das "Rüstzeug" für eine gute Moderation haben.

Und in diesem Prozess geht es mir darum, dass die Rolle nicht nur bei einen oder zwei Menschen hängen bleibt, denn dass ist kollektive Erwartung. Aber ich will eben, dass die Menschen die sozusagen Schnittmengen mit Moderation haben, aber tendenziell der Gefahr von Verschleiß unterliegen, ihr Wissen in möglichst reduzierte und konsensfähige Inhalten weitergeben. So können sie ihr know how umwandeln in Orientierung für Anfänger schaffen und sie zur Handlung ermuntern.

Durch meine Erfahrung ist mir aber auch Gewahr, dass wir die Rolle Moderator nicht von der Dokumentation trennen können. Denn dort müssen wir auch eine Art Grundverständnis schaffen, da ich auch hier viel Dissonanz spüre und auch gespiegelt bekam.

Denn ich denke schon, dass es sinnvoll ist, dass der Moderator gleichzeitig für die Dokumentation verantwortlich ist. Das klingt für viel unglaublich, aber zeigt mir eben nur, dass es kein wirklich ausgeprägtes Verständnis für Dokumentation vorhanden ist. Was ja aber kein Problem ist, doch möchte ich es eben benennen.

Und da ich selbst sehr viel Erfahrung mit Prozesssteuerung, Methodik, Didaktik und eben auch Dokumentation besitze, möchte ich eben gerne Strukturhilfen entwickeln, die eben universell anwendbar sind und uns als Kollektiv helfen vorwärts zu kommen.

Ich habe ein ganz anders Verständnis von Dokumentation, als viele Menschen. Aber ich war in den verschiedensten Untersystemen immer genötigt, mich damit zu befassen. Und gerade dort, wo ich Freude am Prozess hatte, war es sehr bereichernd und ich konnte die unterschiedlichsten Auslegungen von Moderation erfahren.

Dabei habe ich auch unzählige Dokumentationsmöglichkeiten kennengelernt. Und ich würde gerne mein Wissen bereitstellen, um auch eine neue Sicht auf Dokumentation zu geben.


Ich finde es wichtig und wertvoll, dass wir bestimmte Dinge dokumentieren. Aber wenn ich jetzt wirklich objektiv diese Dokumentation analysiere, dann entstehen bei mir einige Fragen.

Wo dokumentieren wir? Am Montag per Video und bei Orga Treffen mit schriftlichen Protokoll.
Wie ist der Zugang zur Dokumentation? Die Montags Treffen jederzeit im Internet und bei Orga Treffen im Forum als Datei
Welche Sinn hat die Dokumentation? Video soll Inhalte transportieren und auch "werben", Orga Protokoll soll Transparenz verdeutlichen und Verantwortlichkeit benennen.

So weit scheint alles klar, aber ich erkenne da schon verschiedenen Qualitäten. Denn schon bei der Sinnhaftigkeit der Orga Protokolle komme ich echt in Dissonanz. Denn mein Anspruch an dieses Dokument ist eben eine Art Transparenz, also Zugänglichkeit. Und wenn ich dann selbst als interessierter Mensch daran scheitere einen Zugang zu finden, dann werde ich sensibel. Und da ich eben auch Protokoll und Eigenverantwortung sehr ernst nehme, finde ich es manchmal schade, dass es eben kein wirklich gutes Protokoll gibt, um eben genaue Verantwortung nachzuvollziehen.

Mir geht es nicht darum, ein Werkzeug zu schaffen, was die Fehler andere Menschen ausfilter, sondern jeden zur Selbstverantwortung anhalten. Denn Wahrhaftigkeit entsteht durch Handlung. Also ein überprüfbares Resultat. Und meiner Ansicht nach lohnt es sich, ein sinnvolles Protokoll zu entwickeln, was auch ein Teil der Rolle Moderator etwas Selbsthilfestruktur gibt, dann kann etwas wunderbares sein.

Zu den anderen Fragen stelle ich mir folgende.

Wer partizipiert von der Dokumentation? Was sind die Ansprüche des Kollektivs? Wo gibt es Barrieren? Welchen Nutzen hat Dokumentation? Wird der Aufwand dem Nutzen gerecht?

Ich mach Dir eben oft meine Gedanken und mir geht es dann bei den Fragen um praktische Ansätze. Vieles scheint Urschleim, aber ich kann eben nicht anders, Ich habe mir die Protokolle alle angesehen. Und wenn ich diese Dokumentation auf mich wirken lasse, dann springt meine bunte Knete Phantasie an und es spricht der "professionelle Erzieher"

Diese Protokolle sind eine Mischung aus Lerngeschichten, Speiseplan und Tagebuch. Da muss ich immer an meine "professionellen Kollegen/innen" denken, die konnten auch selten entkoppeln, dass Dokumentation über und mit dem Kind etwas anderes ist, als Dokumentation im Moderationskreis von Berufenen, oder eben ein Gespräch mit anderen Kollektiven (Eltern, Ämter etc.) abbildet.

Ich habe immer versucht zu erklären, dass es nicht geht, in verschiedenen Dokumentationen die selbe Sprache zu benutzen und dann auch nicht die Ziele differenziert Betrachten. Also Nutzen Aufwand Analyse. Ich war immer der Feind. Dabei will ich doch nur helfen zu erkennen ;)

Ich möchte nicht den Eindruck vermitteln, dass ich die bisherigen Protokoll schlecht oder gut finde, Kunst entbehrt immer jeder Kritik und wenn es aus liebevollen und inneren Antrieb geschieht, dann gibt es nichts einzuwenden. Denn dann ist das Gebot der Stunde, statt nur Kritik, sollte auch Alternative geboten sein.

Aber ich will eben neue Wege gehen, deswegen blicke ich nach vorne und möchte meine Sicht als Betrachtung verstanden wissen, die keine Wahrheit beinhaltet, aber dann doch universell anwendbar wird.

und hiermit möchte ich meine eigen Dokumentation, dem Protokoll vom 20.10.2015 gegenüberstellen. Was ich als ein weiteren Baustein verstehe, um meine tiefere Absicht erkennen zu lassen. Denn hier kann ich etwas die Dissonanz zwischen Moderator und Dokumentation entwirren. Was Peter dankenswerterweise, wie so oft, dokumentiert hat, kann jeder lesen. Und wenn ich dies tue, dann erzeugt es in mir, dass ich es nicht so könnte, vermittelt aber ein Gefühl für die Situation, den Prozess.

Aber wenn ich, und es ist echt manchmal hart, beobachte, welcher Aufwand betrieben wird und der Nutzen nicht sein Potenzial entfaltet, dann möchte ich gerne Anstöße geben, weil ich einfach fühle, wie Energie falsch gerichtet wird. Aber es bleibt eben nur mein Gefühl und ich weiß oft nicht, wie ich die Menschen erreichen kann. Ich möchte mich niemals aufnötigen, aber wenn ich etwas erkenne, woran ich glaube es zu tun, dann werde ich es versuchen.

Protokoll der Moderation vom 20.10.2010

Chronist: Nathanael
Darsteller: eben alle Anwesenden

Dramaturgie

1. Einleitung

Festlegen der Tagesordnungspunkte und Regeln
Feddbackrunde mit folgendem Meinungsbild:

Schöne Veranstaltung, die jedem Anwesenden gut gefallen hat und aber die Betrachtungen zu Problemen folgenden allgemeinen Konsens erzeugte:
Flugblätter und die Aktionen am Montag sollten überdacht werden und mit betreffenden Menschen wertschätzend im Dialog geklärt werden. (Strategie, Verantwortung?)
Regeln am Montag auf dem JGP funktionieren gut, aber oft gibt es noch Probleme, die Mechanismen zu nutzen. (Selbstverantwortung?)
Es wurde mehrfach deutlich, dass es verschiedene Erwartungen an die Inhalte und die Struktur eine Veranstaltung auf dem JGP gibt. (Struktur/Rhythmus/Zyklus kollektive Lernaufgabe?)
Auch das Thema Außenwirkung wurde mehrfach angesprochen (Selbstverantwortung und auch kollektive Lernaufgabe?)

2. Die Hauptteil

2.1 Prozessentwicklung für politische Teilhabe an kollektiven Entscheidungen. (Thema: Wahlsystem, Teilhabe ,Selbstbildung)

Hier Reflexion über TTIP Abstimmung und Verbesserungsvorschläge

Arbeitsgruppe Aktion
Hat die Abstimmung durchgeführt und dokumentiert. Geeignete Aufarbeitung und die Probleme vor Ort wurde so weit im Dialog der Anwesenden geklärt. Support erwünscht, aber nicht zwingend.

Arbeitsgruppe Form
Die inhaltliche Aufarbeitung und Annäherung zur Aktion war für den ersten Versuch ganz gut. Der Inhalt an sich ist lange bekannt und auch verschieden Dokumentiert. Und mit der Aktion ist im Grunde diese Arbeitsgruppe inaktiv geworden.

Arbeitsgruppe Mechanismus
Zeigten Dissonanzen auf und halfen dialektisch bei der Entwicklung des Prozesses. Ausfilterung von Störungen.

- weitere Verwertung der Dokumentation?
- Etablierung und Optimierung des Abstimmungsmechanismus für kommende Aktionen?
- Schnittstellen zwischen Individuum und Kollektiv?
- Wo bedarf es noch Hilfe, wo ist zu viel Energie?

2.2 Vorbereitung kommender Aktionen 26.10. und 02.11.2015

Die Arbeitsgruppen Aktion und Inhalt haben der Arbeitsgruppe Mechanismus eine grobe Übersicht für die kommende Aktion gegeben und es wurden teilweise Inhalte erarbeitet oder beleuchtet. Die Arbeitsgruppe Aktion / Inhalt 26.10 trifft sich an bekannten Ort, Freitag 19 Uhr. Die jeweils Selbstverantwortlichen übernehme Planung und Durchführung und werden Kollektiv über Forum und Orga Treffen einbeziehen und eventuelle Hilfe anfordern. Für den 02.11. wurde Einzelvortrag angekündigt und über die Möglichkeit des Umsetzung des Abstimmungsmechanismus besprochen und weitere Inhalte erörtert.

(Schön war zu erleben, dass die im Punkt 2.1. gewonnen Erkenntnis, im Punkt 2.2. bereits versucht wurde anzuwenden)


2.3 Prozess zu Verbesserung der Vernetzung

Durch individuellen Beitrag, wurde eine Barriere in der Vernetzung sichtbar, die sehr komplex und weit gefächert ist. Hier wird deutlich, dass durch Einbringen eines Themas auf rationaler Ebene, am falschen Ort zwar durchaus Erkenntnis fördert, aber eben viele Unklarheiten aufwirft, die auf Handlungsebene nicht entstanden wären. Würden wir öfter Vernetzung einfach leben, also einfach einen andere Menschen mitbringen, wenn wir gemeinsam am Montag die Plattform bieten, dann hätten wir Zeit sparen können. Aber es zeigt eben auch, dass unser kollektives, wie auch individuelles Bewusstsein manchmal noch etwas reifen muss und niemand von uns ausgenommen ist.

2.4. Prozess auf Suche nach einem Orga Treffpunkt

Hier zeihte sich auch sehr Stark viele Grenzen. Zum einen gab es Missverständnisse, die im Grunde niemals entstehen hätten müssen. Es wurde deutlich, dass es viel verschieden Faktoren im menschlichen Miteinander gibt, dass es selbst bei sehr reflektierten und bewussten Menschen zu Missverständnissen führt. Wir sollten daher einfach weiterhin sensibel bleiben und auf uns als Kollektiv vertrauen. Und einen Dialog zur Grundsatz Debatte über einen "Ort für die Orga" zu führen, wäre ein längerfristiges Ziel.

3. Fazit und nächstes Treffen

Gute Arbeitsatmosphäre mit einigem Holpern. Arbeitsgruppen haben sich gefunden und ausgetauscht. Einige Fragen sind offen geblieben und müssen neu aufgegriffen werden. Nächster Termin 27.10.2015


So weit mein Protokoll ;)

Ich weiß, dass wird jetzt bestimmt alle verwirren, aber so würde ich eher ein Protokoll verfassen und es im Grunde auch in der Rolle als Moderator mit dem Kollektiv im Prozess gemeinsam formulieren. Für meinen Geschmack wär mein Protokoll schon viel zu lange. Aber ich weiß eben nicht wie ich den Prozess sonst anders umschreiben soll. Denn ich möchte Eine Art Standardprotokoll entwickeln, was der Protokollant mit möglichst wenige Worten, also wirklich auf Inhalt reduziert und auch Konsequenzen bennent und Verantwortlichkeit aufzeigt.

Und mir geht es eben nicht um einzelnen Namen, sondern um die Eigenverantwortung. und Ihr werdet sehen, es wird Menschen geben, die werden sich als Verantwortliche für eine spezielle Arbeitsgruppe mit konkreten Angaben verbindlich benennen lassen. Denn ein Protokoll sollte auch Verbindlichkeit und Übersicht ermöglichen. und stellt dem nach auch eine Dokumentation für unser Kollektiv dar, was wir eben raus ziehen können, wenn die Frage auftaucht, dass hatten wir alles schon.

Und ich finde da eben Ergebnisprotokolle als die beste Form für Orga Treffen aller Art. So weit von mit...

 
Nathanael
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kollektive Prozesse und die einzelnen Rollen im Kollektiv

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