kollektive Prozesse und die einzelnen Rollen im Kollektiv

#1 von Nathanael , 21.10.2015 21:29

Hier möchte ich etwas Wissen über Gruppenprozesse, die Rolle von Menschen in Gruppen und deren Wechselwirkung bereitstellen.


Gruppenprozess, was ist das?

Jeder Mensch hat ständig damit zu tun, wird aber nie wirklich bewusst darauf achten, da solche Prozesse als natürliche Anlage im Menschen selbst verwurzelt sind und somit störende Gedanke ausgeblendet werden können, aber es ist durchaus wertvoll sich diesen Prozess einmal ins Bewusstsein zu rufen und ihn dann gelegentlich als Möglichkeit der Bewertung von bestimmten Gruppensituationen zu erleichtern und auch so Fehler zu vermeiden, oder wenigsten zu erkennen.

Im Grunde findet dieser Prozess immer dann statt, wenn sich Gruppen zusammenfinden. Aber dieser Mechanismus muss auch universeller erkannt werden, denn es ist ein Unterschied ob dieser Prozess bei einer Mahnwache vor Ort, oder eben auf anderen Ebenen stattfindet. Jede Veranstaltung, jede Demo, jeder Arbeitskreis, jede Teamberatung, jede Art von Gruppen wo Menschen zusammenkommen, durchlaufen diesen Prozess.



Egal ob nun Menschen kurze Zeit zusammen auf ein Konzert sind, oder ob sie als Gruppe lange zusammen sind, dieser Prozess findet im Kleinen und auch immer im Großen statt und muss mit verschiedenen Zeitqualitäten betrachtet werden.

Die Phasen sind der natürliche Ablauf, es können aber auch Phasen übersprungen werden, oder durch die Dynamik wieder zurückgeworfen werden. Die Begriffe sind ganz gut, um die einzelnen Phasen zu charakterisieren. Auch ist es für einen eventuelle Moderator wichtig, diese Phasen zu erkennen und dann eben vielleicht Hilfestellung anzubieten. Moderator kann hier für vieles stehen. Für einzelne Menschen aber auch für Unterkollektive oder sogar das selbstregulierende Kollektiv. Je wie es erforderlich ist und nützt.

Orientierung

Die Gruppe kommt zusammen und lernt sich kennen, jeder checkt ab, wer da ist und es gibt die Begrüßung.

Um eben Menschen eine Orientierung zu geben, können von seiten des Moderators einige Dinge erfolgen. Er kann für Sicherheit sorgen, in dem er einfache und akzeptierbare Regeln zur Verfügung stellt, Sicherheit vermittelt und Vernetzung fördert.

Machtkampf

Die Gruppe geht dann in den Machtkampf. Dabei geht es um Positionierung und Kenntlichmachung der Rollen in der Gruppe. Anzeichen sind verschiedenen Standpunkte und verbaler Schlagabtausch.

Der Moderator sollte verstehen, dass Machtkämpfe wertvoll sind und sich eher auf die Einhaltung der Regeln beschränken und diese Kämpfe zu lassen und in konstruktiven Diskurs münden lassen. Das machen wir meiner Ansicht nach schon richtig gut. Bei den offenen Mikros habe wir den Mechanismus des kollektiven Moderators schon. Auch wenn wir manchmal noch am wahrhaftigen Leben scheitern, aber der Weg ist gut. Aber gerade bei Orga Treffen sollten wir solche Überlegungen als unsichtbares Fundament versenken. Das macht uns manches bestimmt leichter. Aber auch da haben wir schon ein hohes Niveau und kann nicht oft genug betonen, dass ich oft einfach weit in der Zukunft bin und dann noch zu unerfahren diese Dimension zu überbrücken und mehr Wertschätzung auszudrücken. Machtkampf mit Menschen wie Euch macht wirklich Spaß! Und ich danke allen dafür, die diese wertschätzende Art ermöglichen!

Harmonie

Die Gruppe kommt nun in die Phase von Vertrauen. Sie kennt die einzelnen Rollen und versucht das Potenzial zu leben. Das ist der Teil des Tun als Gruppe, der eigentlich wichtigste Prozess an sich. Denn dann sind wir das Kollektiv und Leben es einfach.

Hier bedarf es im Grunde keinen Moderator, denn die Gruppe regelt sich selbst. Und nur im Notfall sollte und muss hier eingegriffen werden. Aber da wir schon bei der Qualität im Machtkampf ganz anders aufgestellt sind, gelingt uns das Leben der Harmonie auch so gut und im Grunde müssten wir manchmal weniger darüber reflektieren, als uns einfach zu freuen und mit neuen Gedanken an neue Harmonie anknüpfen. Einklang eben... ;)

Differenzierung


Und hier kann der Moderator
Dies kann als eine Art Berreicherungsphase für den einzelnen Menschen gesehen werden. Hier verbindet der Mensch die Inhalte der vorherigen Phase mit seinem bisherigen Weltbild. und wenn die Inhalte in Resonanz gehen mit den Fragen des Menschen, dann entsteht eben hier der Lernprozess. Und je nach dem wie dieser Abgrenzungsprozess gegen die Gruppe verläuft, wird eine Veränderung im Handeln stattfinden.

nochmal zur Erinnerung, wie ein kognitiver Lernprozess aussieht:



Hier kann der Moderator einwirken und auch ein stück weit Identifikation stiften oder auch Feedback ermöglichen. Aber als Kollektiv sind wir da auch schon echt gut dabei, solche Dinge ganz natürlich anzustreben.

Abschied

Das beschreibt die Trennungsphase der Gruppe. Natürlich ist es ein Unterschied, ob dieser Prozess bei einem Konzert wo viele Menschen um mich sind, die ich aber gar nicht kenne und dieser Prozess eher unbeobachtet abläuft, oder ob ich eben in eine Gruppe bin, die schon vertraut ist. Und auch so wird die Abschiedszeremonie dann ganz anders wahrgenommen und gestaltet.

Ein Moderator kann dafür Sorgen, dass wider aktiver wird. Ein Fazit zieht und Perspektiven aufzeigt. Denn oft fällt es Menschen schwer sich zu Verabschieden und damit den Neuanfang zu zulassen. Aber durch einen schönen und herzlichen Abschied ermöglicht der Moderator so die Fokussierung auf den Prozess und verdeutlicht im Neuanfang des nächsten Prozesses die Lebendigkeit der Dinge. Das ist doch was schönes. Deswegen bin ich auch immer sehr für eine eher künstlerischen Abschluss. Denn Menschen die mit Herzschwingung aus einem Prozess gehen, die werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder mit Herzschwingung in die nächste Orientierung gehen. Was wollen wir denn mehr?


Rollen im Kollektiv

Soweit zu dem Prozess in der Gruppe. Aber ich fände es nicht zielführend, wenn ich an dieser Stelle enden würde. Denn ein wichtiger Faktor bei Gruppenprozessen ist und bleibt der Mensch. Und zu Menschen muss ich im Grunde nicht viel erzählen, denn jeder von Euch kennt welche... ;)

Aber ich finde es hilfreich, wenn ich trotzdem einige Dinge aufzeige, damit Ihr selbst mal erkennen könnt, welche Rolle Ihr in den verschiedensten Gruppen so einnehmt. Hilft gut bei der Selbstanalyse. Ich möchte hier nicht irgendwelche Rollen beschreiben oder klassifizieren, weil eine eindeutige ussage per se nicht möglich ist. Aber das folgende Diagramm soll verdeutlichen, dass verschiedene Rollen, auch verschiedene Stellungen im Kollektiv nach sich ziehen.




Somit wird deutlich, dass auch die Rollen durchaus mit dem Kollektiv zu tun haben. Jeder der sich dafür interessiert, sollte sich wirklich mal mit den einzelnen Rollen und auch den verbundenen Funktionen befassen, denn dies Ermöglicht zweierlei. Zum einen kann jeder sich selbst wiederfinden. Und zum Anderen kann jeder so eine wage Ahnung von der Vielfalt und auch Wechselwirkung zwischen Rolle und Prozess erlangen.


 
Nathanael
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Moglichkeiten für Regulierungsmechanismen in kollektiven Gruppenprozessen

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