Erziehungsratgeber und andere Betrachtungen

#1 von Nathanael , 18.10.2015 21:02

Unter dieser Rubrik möchte ich gerne Struktur anbieten. Hier können wir gerne über Erziehungswissenschaften, Soziologie, Psychologie und ganzheitliche Sichtweisen anhand von Fachbüchern diskutieren und und so auch eine Angebot in diesem Leseraum der Bibliothek zu schaffen und Streitkultur pflegen ;) Aber ihr wisst ja, Bunte Knete...

Am liebsten würde ich jetzt ganz, ganz viele Bücher hier anführen und könnte stundenlang darüber meine Betrachtung darbieten, aber dass wäre dann vorbei am Ziel (ist eben oft mein Problem). Aber ich denke so können wir eben auch eine Art kollektiven Abgleich schaffen und die Vielfalt widerspiegeln und trotzdem liebevoll und authentisch zu sein.

Und wenn ich dann bei mir bleibe, dann kann ich dieses Gefühl alles teilen zu wollen, zu verschenken, dann doch auf ein Buch reduzieren. Und da mir Kinder besonders am Herzen liegen, möchte ich gerne ein Buch vorstellen, was ich als universell betrachte und von Mann und Frau gelesen werden kann, um eine andere Sicht auf die Rolle der Eltern vorzubereiten und zu unterstützen. Denn in meiner Kompetenz als Seelenbewahrer und Seelenvater kann ich jedem Menschen der sich mit diesem Thema Kinder befasst, sei es als Eltern oder auch professionellen Erziehern und Lehrern, dieses Buch wirklich empfehlen.

Ich selbst habe fast 7 Jahre mit Kindern professionell gearbeitet und weil ich immer Mensch geblieben bin, ertrage ich es heute einfach nicht mehr und ich habe vor Jahren vor diesen Zuständen gewarnt. Krude Einzelschicht, danke aber sie haben keine Kompetenz waren die Reaktionen 2009 seitens des sächsischen Bildungsministeriums. Ich kann nur sagen, jede Mutter, jeder Vater der gezwungen wird, sein Kind abzugeben, wenn es noch nicht so weit ist, macht sich unbewusst zum Mittäter am Seelentot der Kinder. Und alle sind überfordert.

Dieses Buch ist erst zu mir gekommen, als ich bereit war es zu verstehen und mir ist bewusst, dass es für mich bestimmt war, denn dort wurde mir beschrieben, was ich schon immer gemacht habe und für mich löste es das Entweder Oder Denken auf. Denn dann verstand ich auch den Konflikt Berufung und Professionalität und konnte für meine vorherigen "Gegner" nur noch Mitgefühl empfinden.

Aber da ich ja doch ab und zu mal jungen Eltern begegne (danke Chris) finde ich es doch lohnenswert mal ein Buch zu empfehlen. Und auch wenn Menschen sich noch gar nicht über die heilige Pflicht der Elternschaft Gedanken machen, kann es ja vielleicht doch bereichern und ein Fundament schaffen. ;)

Ich muss sagen, dass ich aus der Praxis die Erfahrung gemacht habe, dass Kinder sehr gut auf meditative Übungen reagieren, dass eine Harmonisierung der energetischen Schwingung unglaubliche Effekte bei den Kindern auslöst. Ich muss mit Tränen in den Augen zurück denken, wenn ich diese Wesen der vielen Kinder sehe, wahrnehme und sie sich in ihrer Lebensweisheit bereichern und mich teilhaben lassen. Und genau deshalb sind meine Kinder es mir wert, jeden Kampf zu schlagen der nötig ist. Und ich benutze hier ausnahmsweise das besitzanzeigende Fürwort "meine" denn ich bin eben Seelenvater und der Satz:

"Kannst Du nicht mein Papa sein?"

...habe ich so oft gehört, dass ich jedem Pseudowissenschaftlicher intellektuell die Maske vom Gesicht reiße und in seiner Scham und Selbstverachtung spiegeln möchte, aber keine Lust habe mich abzuarbeiten. Ich könnte locker eine Abhandlung über ganzheitliche Erziehung schreiben, ohne ein Zitat zu benutzen. Bin ich deswegen dann nicht wissenschaftlich genug? Seht Ihr die Dissonanz zwischen Berufung und Professionalität? Und so gerne ich mit Kindern arbeiten möchte, so kann ich es hier und jetzt nicht wirklich, denn ja, ich muss leiden, nicht körperlich, nicht geistig, ich fühle es. Das einzige was ich anbiete ist meistens Elternschule wo die Kinder mir die Fortschritte berichten...

Und so betrachte ich diesen ersten Versuch, um auch weiterführend und multidimensonal eine Art Menschenbild entstehen zu lassen. Damit wir einige Dinge gedanklich verknüpfen und auch deutlich machen können. Und Selbstbildung ist ein zentrales Grundthema, was dann zur Entfaltung des Potenzials im Menschen selbst beiträgt und erst so Folgeschnitte in der Weitung des Bewusstseins ermöglicht.

Um trotz des Charakter des Buches eine wissenschaftliche Brücke zu bauen, sollten sich eher rationale Eltern (also meistens der Mann;)) mit Bindungstheorie und Entwicklungspsychologie befassen. Und ich werde zu einem späteren Zeitpunkt, exemplarisch einige Wissenschaftler und Buchempfehlungen benennen, die meiner Ansicht nach sehr hilfreich sind, um kindliche Bedürfnisse und vor allem kindliches Denken wenigsten rational zu verstehen. Denn ja, Kinder Denken anders und haben eine ganz andere Zeitwahrnehmung. Sie sind emotional und gefühlsbetont und die Seelen werden auf Minimum ein gedampft je angepasster ein Kind wird. Und es gibt da einige gute "Tests" die ein Erwachsener benutzen kann, um den geistigen Entwicklungsstand eines Kindes oder Menschen zu verschaffen. Aber später...

Und das schöne und universelle an diesem Buch ist eben, dass der Leser auf sich selbst zurück geworfen wird. Denn ein Teil des Buches behandelt das innere Kind und wirft durchaus Fragen auf, über die sich jeder Mensch Gedanken machen kann, ohne dass es wirklich dogmatisch ist.

Natürlich könnte an dieser Stelle der rationale Verstand mal kurz Googlen und bei "Osho" ziemlich krasse Sachen lesen und nein ich kann auch nicht nachvollziehen, wie er vor sich selbst sein paradoxen Lebensstil rechtfertigt, aber er hat zu Lebzeiten wenigstens nichts verleugnet (wobei hier eben viel manipuliert wird, was eben gewesen sein soll) und das macht ihn authentisch. Und da ich auch authentisch bin, weiß ich eben auch, dass er mir geholfen hat, aber ihn nur als ein kleines Teil betrachte. Und egal wie der Mensch hinter der Person Osho war, so wertvoll können seine Worte für andere Menschen sein. Denn wenn ich mir vorstelle, dass sich alle Menschen die professionell mit Kinder arbeiten an diesen Gedanken orientieren, dann würden wir ganz schnell neue Ort haben. Dann könnte keiner mehr daneben stehen und möglichst stressfrei sein Lebensunterhalt verdienen.

Und wer keinen Impuls verspürt dieses Buch zu lesen, warum auch immer, der kann aber trotzdem gerne mit mir über die Elternschaft reden. Mann wie Frau. Ich will keinen Ratschlag verkaufen, ich möchte mein Wesen verschenken, denn ja, ich sehne mich nach Kinderlachen auf allen Straßen, denn ich höre nur "Egomobil" Lärm und rieche nur Abgase und sehe hinter Fenstern traurige Kinderaugen, die gerne mit mir spielen würden, denn der Geschichtenerzähler kennt alle Geschichten und Lieder und wenn nicht, dann denkt er sich neue aus.

Im Grunde sehe ich in diesem Buch auch eine Art Strukturierungs- und Verständnishilfe für die Eltern. Denn es wird sehr deutlich gemacht, dass es eine heilige Pflicht ist und ist immer gemahnt achtsam zu sein. Und wer das verstanden hat, der weiß das dieses heilig nichts mit Religion zu tun hat. Sondern die einzige Möglichkeit darstellt, die Dinge zu ändern und es nur daran liegt, ob ein Mensch eine gewisse Disziplin und Enthaltsamkeit lebt. oder eben unreif durchs Leben stolpert und den Hals nicht voll kriegt. Überall dieser Krieg! ;)

Aber ich denke schon, dass eine demütige Haltung und Respekt vorm Leben eine Grundsäule ist. Denn wenn wir selbst an den Kindern genesen, dann können wir einen Blickwinkel erlangen, da kann ein herzensguter Mensch einfach nur weinen. Und frag mal den Kaiser nach seinen Kleidern ;)

Im Grunde ist die Essenz des Buches, dass jeder Mensch mit sich selbst klar kommen sollte, bevor er überhaupt Kinder zeugt und dann eine meditative und natürliche Lebensweise führt, damit wird im Grunde "Erziehung" hinfällig. Denn es ist natürliche Rolle. Natürlich ist mir sehr bewusst, dass viele Menschen denken, sie kommen mit ihrem Leben klar, aber meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es oft nicht stimmte und da ich dann gelernt habe, dass es besser ist, so etwas nicht zu bennene habe ich mir andere Verbündete gesucht. Und da ich ja meine Verbündeten, die Kinder habe, zeige ich eben den Kindern, wie sie ihre Eltern erziehen sollten. Und was mich selbst immer wieder erfreut, dass ich im Grunde total vielen Familien, egal ob Freunde, Bekannte oder "Kunden" geholfen habe, helfe oder noch helfen werde.

Und zum Schluss noch eine Bitte an alle die diese Zeilen lesen.

Es ist egal ob Du Mutter oder Vater bist, es ist egal ob Du Kinder haben willst, nicht haben kannst oder nicht haben willst, jeder Mensch ist immer, zu jeder Zeit für alle Kinder verantwortlich. Die meisten Eltern begreifen nicht, wie sie mit eingefahrenen Denkmustern zur Verdummung und Verrohung der Kinder beitragen und die Effizienz nimmt rasant zu. Wenn Du Konflikte zwischen Kindern und Eltern wahrnimmst und Dein Gefühl Dir sagt, es ist nicht okay, dann tue etwas, Spring über Deinen Schatten, denn die Kinder schreien nur nach Vertrauen und Liebe und wir geben Ihnen Konsum und Habgier! Und machen die Seelen mit unserem Schweigen mit kaputt. Du kannst nichts dafür, aber Du kannst etwas ändern, jeden Tag!

 
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RE: Erziehungsratgeber und andere Betrachtungen

#2 von Nathanael , 20.10.2015 12:14

Kognitive Entwicklungstheorie nach Jean Piaget

Im Folgenden möchte ich einige Informationen zu einem schweizerischen Entwicklungspsychologen bereit stellen. Denn seine kognitive Entwicklungstheorie beschreibt die verschiedenen Stufen bei der kindlichen Entwicklung des Denkens. Auch hat Jean Piaget einige praktische Tests entwickelt, die eben verschiedene Denkmuster sichtbar machen.

Jeder Erwachsene der sich etwas eingehender mit dieser Theorie befasst wird feststellen, dass Kinder tatsächlich ganz anders Denken, als Erwachsene. Und somit dürfte niemals wieder ein:

"Menschenskind, verstehst Du das nicht!"

über die Lippen kommen. Denn Kinder haben bestimmte kognitive Fähigkeiten einfach noch nicht entwickelt und ausgebildet, können also wirklich gedanklich nicht folgen. Dabei möchte ich kurz auf die Kernpunkte der Theorie eingehen und auch einen Test vorstellen, der eben dieses andere Denken sichtbar macht.

Zur Person: Jean Piaget

Im Zentrum der kognitiven Entwicklungstheorie stehen zwei komplementäre Prozesse. In einem vereinfachten Schema sieht der grundlegende Prozess so aus:







Als Bild könntet Ihr Euch ein Kleinkind in einem Laufgitter vorstellen. Vor dem Laufgitter liegt ein Bauklotz, der aber auf Grund seiner Beschaffenheit nur hochkant durch die Stäbe passt. Das Kind hat bereits das Greifen gelernt und versucht also nun, den Baustein zu greifen und in das Laufgitter zu ziehen. Es scheitert aber daran, weil der Bauklotz eben nur hochkant durchpassen würde. Das wäre die Akkommodation, also eine bereits erlernte Handlungsmöglichkeit. Hinzu kommt das neue Subjekt, also Bauklotz und die Umwelt ist das Laufgitter.

Und durch Versuche wird das Kind dann erkennen, dass es den Bauklotz drehen muss, um ihn in das Laufgitter zu bekommen. So erlernt es ein Subjekt innerhalb der Umwelt zu assimilieren, also ein Subjekt innerhalb der gegebenen Umwelt sinnvoll zu nutzen. Dieser Prozess ist im Grunde ein ständig fortlaufender Prozess und begleitet uns ein Leben lang.


Die vier Stadien der kognitiven Entwicklung

Piaget unterteilt die kindliche Entwicklung in vier Stadien ein.

1. Stadium der sensomotorischen Intelligenz (0 - 2 Jahre)

2. Stadium der präoperationalen Intelligenz (2 - 7 Jahre)

3. Stadium der konkret - operationalen Intelligenz (7 - 12 Jahre)

4. Stadium der formal - operationaler Intelligenz ( ab 12 Jahre)


Ich möchte jetzt nicht auf die einzelnen Stadien eingehen, da sie doch recht umfangreich und komplex sind und kann jedem Interessierten nur dazu ermutigen, sich damit zu befassen. Aber schon an den Altersangaben könnt Ihr erkennen, dass ein Kind / Jugendlicher erst ab ungefähr dem 12 Lebensjahr wirklich logisch denken kann. Und möchte daher sensibilisieren, auf solche Dinge zu achten, um eben Kinder nicht zu überfordern. Es geht hier zwar nur um die kognitive Entwicklung, aber die seelisch, körperlich, emotionale Entwicklung ist wechselseitig bedingt und gerade über die rationale Seite können Kinder massive Misshandlung erfahren, was vielen Erwachsenen gar nicht bewusst ist.

Deshalb möchte ich einen der Tests von Piaget vorstellen, der bestimmte Dinge sichtbar macht. Anhand von diesem Test kann erkannt werden, ob das Kind in der präoperationalen oder der konkret - operationalen Intelligenz ist. Dieser Test wird ebenfalls bei der Diagnostik für Autismus angewandt.

Die falsche Annahme

In diesem Test wird eine kleine Bildergeschichte erzählt. Dabei geht es um zwei Mädchen. Sally und Anne.


Sie sind gemeinsam in einem Raum und Sally legt ihren Ball in den Korb und verlässt den Raum.
Anne nimmt den Ball und steckt ihn in die Kiste und geht aus dem Raum.
Jetzt kommt Sally zurück.

Wo sucht Sally den Ball?


Ihr werdet jetzt ganz logisch antworten, Sally sucht den Ball im Korb.

Aber ein Kind was noch in der präoperationalen Intelligenz ist, besitzt noch nicht die Fähigkeit zur Perspektivübernahme und wir antworten, Sally sucht den Ball in der Kiste.
Das bedeutet, dass Kind kann sich gedanklich noch nicht in andere Menschen hineinversetzen und erkennt in diesem Fall nicht, dass Sally gar nicht im Raum ist. Das ist ein Zeichen von egozentrischen Denkmustern, die eben für dieses Alter normal ist.

Wenn Ihr Kinder beobachtet, die zum Beispiel Tisch decken und eben noch nicht über dieses Denken verfügen, legen zum Beispiel das Besteck spiegelverkehrt hin, wenn gegenüber schon Besteck liegt. Es gibt verschiedenen Formen der Perspektivübernahme. Von einfachen Objekten bis hin zu sozialer Perspektivübernahme. Also das was dann ein wichtiger Bestandteil von Empathie und Mitgefühl ausmacht, zu mindest wenn es rational bearbeitet wird.

Mein abschließender Appell an alle Erwachsenen: Kinder denken anders, sie leben in einer komplett anderen Welt und unserer Pflicht ist es, diese Wesen zu behüten und helfen das Potenzial zu befreien. Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, um die Zerstörung von Kinderseelen zu stoppen. Und Selbstbildung ist ein guter Weg. So weit bis hier.

 
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RE: Erziehungsratgeber und andere Betrachtungen

#3 von Nathanael , 02.11.2015 13:25

Bindungstheorie nach John Bowlby

Im folgenden möchte ich einige Informationen zu einem englischen Kinderarzt, Kinderpsychologen und Psychoanalytiker bereitstellen. Dieser Mann zählt zu den Pioniere der Bindungsforschung und er war einer der ersten, die davon ausgegangen sind, dass es ein biologisch angelegtes Programm gibt, was die emotionale Beziehung zwischen Mutter und Kind ermöglicht.

Wer sich mit dieser Theorie befasst, kann schnell Zusammenhänge erkennen, wie sich frühkindliche Bindung auf den erwachsenen Mensch auswirkt. Denn das erfahrene Verhalten im Kleinkindalter übernimmt der Mensch als Bindungsmuster und wird so auch zukünftig seine Beziehungen und Bindungen gestallten, was zum Teil sehr verheerende Auswirkung hat.

"Der misshandelnde Erwachsene von heute ist das misshandelte Kind von gestern."

Durch diese Theorie werden Zusammenhänge der eigenen kindlichen Erfahrung und die daraus resultierenden Handlungen als Erwachsener aufgezeigt und es wird deutlich, dass viele Gewalt- und Sexualtäter im Grunde durch die eigene Biographie erst zu diesen gemacht worden sind. Natürlich soll dies nicht als Rechtfertigung verstanden werden, aber es ist ein wichtiger Anteil, um manche Dinge besser zu verstehen.

Zur Person: John Bowlby

Im Zentrum der Theorie steht die Bindung als emotionale Beziehung zwischen Menschen.





Da sich diese Theorie mit der frühkindlichen Bindung befasst, geht es hier um die Bindung zwischen Mutter und Kind. Aber es kann auch ein dauerhaft emotionales Band zwischen Kind und anderen Bezugspersonen entstehen. Es kann als auch Bindung ohne biologische Abstammung entstehen, denn es bindet nicht die Abstammung, sonder die Fürsorge, Nähe und Zuwendung zu einem Menschen.


Qualitäten einer Bezugsperson

Hier ist es entscheidend, wie emphatisch und verantwortungsbewusst dieser Mensch ist. Es geht um eine dauerhafte Versorgung und Befriedigung der physiologischen Bedürfnissen des Kindes. Es geht um eine dauerhafte Verfügbarkeit und Kontakt, um auch so psychische Bedürfnisse wie emotionale Nähe und Geborgenheit zu befriedigen. Auch hat diese Bezugsperson die Aufgabe, eine Umgebung zu schaffen, die dem Kind die Entwicklung und das Lernen ermöglicht.

Soziale Fähigkeiten des Neugeborenen

Ein Kind in diesem Alter besitzt die Fähigkeit, Signale der Umwelt, die an soziale Interaktion gekoppelt sind, bevorzugt zu beachten. Hier geht es um pro-soziale Wahrnehmung. Das Kind erkennt den Geruch und die Stimme der Bezugsperson und beginnt die visuelle Wahrnehmung auf Gesichter zu fixieren.

Ein Kind besitzt die Fähigkeiten, Signale an die Umwelt auszusenden, die wiederum als sozial von der Umwelt interpretiert werden. Das Kind schreit, es greift und es lächelt.

Dies kann als ein Wechselspiel zwischen Kind und Bezugsperson und als kommunikationsähnliche Interaktion verstanden werde. Biologisch ist das Kindchenschema und die Fähigkeiten des Kindes eine entscheidende Voraussetzung für die sicher Bindung zu einer Bezugsperson.

Voraussetzung der Bezugsperson

Die Bezugsperson sollte im Idealfall folgende Bedingungen erfüllen. In emotional unsicher Situationen muss die Bezugsperson als "sicherer Hafen" dienen, es müssen Signale des Kindes wahrgenommen und richtig interpretiert werden. Daraufhin sollte schnell und situationsbezogenen reagiert werden und ein feinfühliges Verhalten als Grundlage dienen.


Entwicklung von Bindung


1. Vorbindungsphase:
1. - 3. Lebensmonat, Kontaktaufnahmeverhalten sind weinen, lächeln und lallen

2. Entstehungsphase der Bindung:
3. - 6. Lebensmonat, Kind wendet sich Bezugsperson zu und differenziert bekannte und unbekannte Menschen

3. Eindeutige Bindungsphase:
6. Lebensmonat - 3. Lebensjahr, deutliche Zuwendung zu Menschen, laufen, kriechen, krabbeln, interaktive Möglichkeit der Sprache, benennen von Wünschen und Bedürfnissen, Kind ist zur Bindung fähig und durch die einsetzende Objektpermanenz (ca. 1 LJ) versteht das Kind, wenn Bezugsperson nicht zu sehen ist, dann ist sie nicht verschwunden und auch äußerliche Veränderung an bekannten Menschen werden wahrgenommen, es entsteht auch hier das Fremdeln

4. Phase der gegenseitigen Beziehung:
Kind kann mit Emotionen und Gefühlen umgehen, es erkennt, dass bestimmtes Verhalten eine bestimmte Reaktion, Emotion oder Gefühle bei Bezugsperson auslöst, Kind richtet Verhalten daran aus, es artikuliert seine Bedürfnisse, Emotionen und Gefühle, es wächst die Sprache und das Denken und das Kind kann sich zunehmend selbst beschäftigen

Die Entwicklung von Bindung ist ein Prozess, der qualitativ von der wachsenden kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeit des Kindes bestimmt wird. Umgekehrt sind die genannten Qualitäten erheblich von der Qualität der Bindungserfahrung abhängig.

Dies sind die einzelnen Phasen, die jedes Kind durchläuft. Aber es gibt verschiedene Faktoren, die auch zu verschiedenen Bindungsmuster führen, die wiederum die Qualitäten als zukünftige Bezugsperson prägen.


Bindungsmuster



Diese Tabelle ist zwar relativ kurz gehalten, verdeutlicht aber welche frühkindlichen Erfahrungen zu welchem späteren Auswirkungen führen kann. Diese Theorie ist nicht als absolut zu betrachten, da auch Kinder mit einem unsicheren Bindungsmuster, dieses später über rationale Reflexion und Selbstdisziplin im Erwachsenenalter erkennen kann und dementsprechend sein Verhalten steuren kann.


Ich möchte aber mit diesem Beitrag verdeutlichen, dass gerade Bindungsmuster, worauf dann jeder Art der Beziehung zu anderen Menschen aufbaut und gestaltet wird, ein Fundament im Leben eines Menschen darstellt. Anhand der Bindungsmuster sind dann auch viele psychische Probleme von Erwachsene nachvollziehbar. Und gerade die Veranlagung zu schwere psychische Erkrankungen wie Neurosen, Psychosen, Schizophrenie oder Borderline werden durch unsicher Bindungsmuster verstärkt.

Auch wenn ich selbst immer für Kinder eintreten werde, so kann ich seit meiner Kenntnis über diese Theorie oft nur Mitgefühl für viele "Täter" empfinden. Wie bereits erwähnt möchte ich dies nicht als Entschuldigung für Misshandlung oder Gewalt an Kinder heranziehen, aber ich empfinde es als sehr unreflektiert und es zeugt von wenige Empathie, wenn Straftäter nicht im Zusammenhang mit der eigenen Biographie betrachtet werden. Denn wenn solche Faktoren nicht bei Straftäter einbezogen werden, dann wird es nie zu einer wirklichen Resozialisierung kommen.

Ich möchte damit aber auch aufzeigen, dass in einer Welt, wo die Rahmenbedingungen für eine gute Mutter Kind Bindung gegeben sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit die meisten Probleme im zwischenmenschlichen Bereich komplett umgangene werden könnten. Doch dieses System ist darauf ausgelegt, möglichst unsicher gebunden Kinder zu erzeugen. Und an diesem Punkt fordere ich jede Mutter, jeden Vater, jeden Menschen mit einem Herzen auf, die stattlichen "Bildungsangebote" in Frage zustellen.

Meiner Ansicht nach ist es unverantwortlich, geradezu fahrlässig, Kinder in diesem Alter in eine Kindereinrichtung zu geben. Doch der Staat lässt oft keine Wahl. Das Elterngeld wird für maximal 14 Monate gezahlt. Das bedeutet, dass gerade in der Phase wo Bindung ensteht, diese Kinder zutiefst gestört werden können. Der offizielle Schlüssel in Kinderkrippen ist 1 zu 6, was Augenwischerei ist, den die Realität sieht anders aus.

Warum lassen wir so etwas zu? Und dann wundern sich viele Menschen, warum ihre Kinder auffällig werden oder schon in der frühen Kindheit massive psychische Probleme haben. Und im Grunde scheitert es oft an der fehlenden Bildung der Eltern. Hier kann aber den Eltern oft kein Vorwurf gemacht werden, da systemisch bedingt diese Selbstbildungsprozesse schon als Kind abgetötet wurden und nun eben als normal an die folgende Generation weitergegeben wird. Durch die Kopplung von Existenz an Arbeit, werden die Eltern gezwungen, die Kinder abzugeben und nicht darüber nachzudenken und schon gar nicht sich einzufühlen.

Deutschland ein Bildungsland? Ich bekomme oftmals Zorn, wenn ich diese ganzen pseudowissenschaftlichen Argumente höre, die als Grundprogramm Neoliberalismus in sich tragen. Wir müssen erkennen und handeln, denn vor unseren Augen wird die Zukunft zerstört und wir sehen Tatenlos dabei zu!

Ich sehe hier keine Bildungseinrichtungen - Ich sehe Massenkinderhaltung die eine ideologische Konditionierung als Bildung verkaufen. Kita, Schulen und Universitäten haben nichts mehr mit Selbstbildung zu tun und jeder Mensch der unreflektiert in einem solchen System arbeitet, macht sich unbewusst zum Mittäter beim Mord an der Kinderseele.

Und warum? Dann schaut Euch die Bindungsmuster an und Ihr könnt erkennen, welches Bindungsmuster die meisten "Entscheidungdträger" haben. Im Grunde habe ich Mitgefühl, aber dies bedeutet nicht, dass ich immer entschlossen dafür eintreten werde, dass Kinder eine bessere Welt haben.



"Blickst Du, mein Kind, ins Auge mir, weiß ich was mir gefällt. Die Heimat zu verwandeln Dir, in eine bessre Welt!"

Wieland Herzfelde

 
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RE: Erziehungsratgeber und andere Betrachtungen

#4 von Nathanael , 18.11.2015 21:50

Bedürfnisse nach Abraham Maslow

Im folgenden möchte ich einige Informationen zu einem Mitbegründer der Humanistischen Psychologie, der in den USA lebte und forschte, bereitstellen. Aus seinem humanistischen Menschenbild heraus entwickelte er ein Stufenmodell der Bedürfnisse. Am Ende seines Lebens gründete er die Transpersonale Psychologie und erweitere sein wohl bekanntestes Model um eine sechste Stufe.

Wer sich mit diesem Modell befasst wird schnell erkennen, dass die Bedürfnisse aufeinander aufbauen und jeder Mensch diese Bedürfnisse in sich trägt. Also wird das alltägliche Leben von Menschen immer auch mit diesen Bedürfnissen und deren Befriedigung konfrontiert sein. Und gerade in unserer "Gesellschaft" sind die wichtigen Bedürfnisse scheinbar so zuverlässig abgesichert, dass die Menschen im Grunde ein Luxus Problem haben. Aber ich möchte auch deutlich machen, dass es trotzdem kein Grund ist relative Armut wegzuwischen.

Außerdem ist die Auseinandersetzung mit diesem Model eine gute Hilfe, um sich vor Augen zu führen, um welche Bedürfnisse es denn eigentlich geht. Und kombiniert mit dem Wissen, wie eben Propaganda funktioniert, kann schon wertvoll Erkenntnis ermöglichen. So lassen sich die künstlichen Bedürfnisse besser ausfiltern und der Mensch besinnt sich auf die Dinge, die eben wirklich zählen.

Zur Person: Abraham Maslow

Bedürfnispyramide

Seine ursprüngliche Bedürfnispyramide hatte am Anfang 5 Stufen. Schon durch die Stufen soll ersichtlich werden, dass die unteren Bedürfnisse am elementarsten sind und eben die weiteren Bedürfnisse erst darauf aufbauen. Und auch soll deutlich werden, dass es verschiedene Formen von Bedürfnissen bestehen. Und es gibt Bedürfnisse, die müssen erfüllt sein, um eben Leben zu ermöglichen.

Die Unterscheidung in Defizit- bzw Wachstumsbedürfnis ist wichtig zu verstehen. Denn gerade in unserer "Gesellschaft", wo jeder Wasserhahn Durst löscht, an jeder Ecke es Essen gibt, die Menschen beheizbare Wohnräume haben, verschwinden die Defizitbedürfnisse oft komplett aus dem Bewusstsein. Sie werden nicht mehr wertgeschätzt und sogar sträflich die Verantwortung aus den Händen gegeben. So unterliegen viele Menschen der Manipulation der Werbung.





Als Maslow älter wurde erkannte er für sich, dass seinen Model auch noch erweitert werden kann. und so kam zu den fünf Stufen:

1. Physiologische Bedürfnisse (Existenzbedürfnisse: Atmen, Wärme, Essen, Trinken, Schlafen,Sex)

2. Sicherheitsbedürfnisse (Schutz vor Wetter und Gefahren, Schutz in Gruppen...)

3. Soziale Bedürfnisse (Anbindung zu Menschen, Rolle und Platz in sozialen Gruppen)

4. Induvidualbedürfnisse (Erfolg, Unabhängigkeit, Freiheit, Wertschätzung, Achtung, Macht)

5. Selbstverwirklichung (Wird durch die Befriedigung der niederen Bedürfnisse ermöglicht)

Doch Maslow erweitert diese um eine sechste Stufe.

6. Transzendenz (Sinnfrage, Metaphysik, Spiritualität)





Die heutigen Wissenschaftler und Forscher haben solche Differenzierungen vorgenommen, dass diese Pyramide bereits acht Stufen aufweit und durchaus noch filigraner definiert werden könnte, sicher auch noch wird...

Ich muss dazu nicht viel mehr schreiben, da die Beschriftung in dieser Pyramide sehr konkret ist und auch das Grundprinzip klar sein sollte. Mir geht es im Kern darum, dass Menschen verstehen, welche Bedürfnisse sie lenken und sensibel mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen. Denn was nützt es denn Kinder zu erziehen, wenn die Erwachsenen nicht mal um die Bedeutung von wirklichen Bedürfnissen wissen?

Und ich möchte auch damit klar zum Ausdruck bringen, dass alles was wir gemeinsam gerade tun und noch tun werden, einem sehr hohen Bedürfnis entspringt, dem der Selbstverwirklichung und Transzendenz. Sicherlich müssen wir Dankbarkeit und Demut walten lassen, da wir nur aus purem Zufall eben hier geboren sind. Aber demnach haben wir auch eine sehr hohe Verantwortung. Nicht nur unseren eigenen Kindern gegenüber, sondern allen Menschen die tagtäglich um die einfachsten Existenzbedürfnisse kämpfen muss...







Wichtig ist die Erkenntnis, dass Defizit- und Wachstumsbedürfnisse sehr verschiedenen Qualitäten haben. Und erst die Defizite ausgeglichen sein müssen, um eben wachsen zu können. Aber eben auch zu erkennen, wann Bedürfnisse künstlich erzeugt werden!


 
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zuletzt bearbeitet 18.11.2015 | Top

RE: Erziehungsratgeber und andere Betrachtungen

#5 von Nathanael , 04.12.2015 13:13

Möglichkeiten der Verhaltensmodifikation auf der Basis von lerntheoretischer Erkenntnisse

Ich habe lange überlegt, wie ich in diesem Thread fortfahren möchte. Denn ich bin ein konstruktiver, Lehre ziehend aus der Vergangenheit, feste Position im Jetzt, in die Zukunft blickender Mensch. Und an diesem Punkt komme ich in eine Konflikt. Denn wenn ich mich im Jetzt umsehe, dann kann ich was Bildung bei Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen betrifft, nur mit Grauen das Gesicht abwenden.

Aber ich halte es dann doch für wichtig, dass Menschen die Alternativen leben möchten, auch den IST Zustand verstehen. Aus diesem Grund möchte ich in diesem Artikel vor erste eine Theorien vorstellen, die im Grunde als Mechanismus zur Manipulation von Menschen genutzt wird. Ich werde versuchen möglichst objektiv zu sein und habe auch den Titel neutral gehalten, aber ich möchte alle Menschen, die diese Zeilen lesen, bitten, sensibel mit diesem Wissen umzugehen. Denn was ich gleich beschreibe, ist Alltag in Kitas, Schulen, Universitäten. Und kann als Vorbereitung auf das Hamsterrad betrachtet werden. Und ich werde im nächsten Artikel noch eine weiter Theorie vorstellen, die ähnlich missbraucht werden kann.

Aber wie bei fast jedem Wissen, kann ein Mensch achtsam damit umgehen. Und gerade Eltern können bei Beachtung einiger grundlegender Dinge, ziemlich viel Stress mit den Kindern vermeiden. Denn wenn die Eltern verstehen, wie der Mechanismus funktioniert, dann können sie diesen eben auch vermeiden.

Die folgende Theorie geht auf einen russischen Mediziner und Psychologen zurück, der sogar den Nobelpreis für Medizin für eine Arbeit über Verdauungsdrüsen bekam. Iwan Petrowitsch Pawlow erarbeitet später auch wichtige Grundlagen für die Verhaltensforschung und war Mitbegründer der behavioristischen Lerntheorien.

Zur Person: Iwan Petrowitsch Pawlow

1. Klassische Konditionierung

Diese Theorie beschreibt einen Lernmechanismus und die Gesetzmäßigkeiten, wie eben dieser funktioniert.

Bei diesem Experiment geht es darum, dass ein wiederholte Kopplung eines neutralen Reizes (NS) mit einem ungelernten Reiz (UCS) zu einer kognitiven Übernahme führt. Der neutrale Reiz übernimmt eine Signalfunktion und löst nach der Konditionierung einen ungelernten Reflex (UCR) aus.

Was bedeutet dies?

Neutraler Reiz (NS - neutraler Stimulus)...
ist ein Reiz, der keine bestimmte Reaktion auslöst.

Ungelernter Reiz (UCS - unconditioned stimuli)...
ist ein Reiz, der ohne vorhergegangenes Lernen eine ungelernte Reaktion (UCR) auslöst.

Ungelernter Reiz (UCR - unconditioned reaction / reflex)...
sind angeborene Reaktionen - Reflexe.

Gelernter Reiz (CS - conditioned stimuli)... ist ein ursprünglich neutraler Reiz (NS), der durch mehrfache Kopplung mit einem ungelernten Reiz (UCS), eine gelernte Reaktion - Reflex (CR) auslöst.

Gelernte Reaktion (CR - conditioned reaction / reflex)...
ist dann eben das Ergebnis, wenn dieses Modell für Konditionierung angewandt wird.


Da ich damit im Grunde aufzeigen wollte, wie dieses Experiment jeden Tag Realität an Kitas, Schulen und Universitäten, im Grunde auch an der Stechuhr vollzogen wird. Nur eben nicht mit Hunden...

Eigentlich ziemlich erbärmlich und ich frage mich da wirklich, warum nicht mal...


 
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zuletzt bearbeitet 05.12.2015 | Top

RE: Erziehungsratgeber und andere Betrachtungen

#6 von Nathanael , 05.12.2015 12:25

Im Folgenden möchte ich eine weitere der Möglichkeiten der Verhaltensmodifikation auf Basis von lerntheoretischer Erkenntnis vorstellen. Wie schon bei der Klassischen Konditionierung, kann auch diese Methode missbraucht werden. Und wer diesen Mechanismus erkennen kann, wird unser Schul- und Bildungssystem sehr in Frage stellen. Denn die folgende Theorie baut im Grunde auf die Klassische Konditionierung auf und wird auch als eine der behavioristischen Lerntheorien bezeichnet.

Diese zweite Art der Konditionierung wurde durch einen amerikanischen Psychologen erkannt und er entwickelte dazu ein Experiment, welches heute noch zur Veranschaulichung im Studium der Verhaltensforschung verwendet wird. Burrhus Frederic Skinner absolvierte ursprünglich ein kunst- und sprachwissenschaftliches Studium. Doch er war nur ein mäßig guter Autor und nach dem er sich mit den Grundlagen von Iwan Petrowitsch Pawlow und John B. Watson befasste, studierte er dann Psychologie. Er arbeitet in der neuen verhaltenspsychologischen Abteilung einer Universität und entwickelte dort sein eigenes Experiment und beschrieb das Operante Konditionieren als Modell.

Zur Person: Burrhus Frederic Skinner

2. Operante Konditionierung

Im Grunde geht es bei dieser Methode darum, ein bestimmtes, also erwünschtes Verhalten zu verstärken. Und im Gegenzug unerwünschtes Verhalten abzubauen oder gar zu löschen. Diese Form der Konditionierung wird auch Lernen durch Verstärkung genannt.

Platt gesprochen geht es hier um Belohnung und Bestrafung. Ziemlich deutlich wird das Prinzip, wenn sich der geneigte Leser mal folgendes Bild ansieht:

Die Skinner Box

Bei diesem Versuchsaufbau geht es darum, dass ein Versuchstier, also meist eine Ratte, in eine Box mit glatten Wänden getan wird. Dort gibt es einen Lautsprecher, eine Lampe, einen Reaktionshebel, eine Futterspender und ein elektrisches Gitter.

Und an diesem Versuch kann nun die Operante Konditionierung sichtbar gemacht werden. Ein Tier was diese Box nicht kennt, wird eingesetzt. Wenn der Versuchsleiter nun die Lampe leuchten lässt und es dann immer Futter gibt und wenn die Lampe aus ist, es eben kein Futter gibt. Wird das Tier schnell lernen, dass es Futter gibt, wenn die Lampe leuchtet. Also wird es dann auch aktiv werden, wenn die Lampe leuchtet. Dies wäre dann lernen durch Belohnung / Verstärkung der ersten Art.

Hier wäre aber auch möglich, dem Tier beizubringen, dass es auf ein akustisches Signal der Futterhebel drücken sollte, weil sonst ein leichter aber unangenehmer Stromstoß als Bestrafung erfolgen würde. Die Ratte drückt also den Hebel, um eine unangenehme Situation zu vermeiden. Das wäre dann sozusagen Belohnung der zweiten Art.

Es könnten natürlich auch Bestrafungen erfolgen. Also wenn die Ratte den Hebel drückt, obwohl die Lampe nicht leuchtet, bekommt sie einen Stromstoß. So wird sie schnell lernen, dass sie dafür bestraft wird, wenn sie eben ohne leuchtende Lampe den Hebel drück. Bestrafung erster Art wird dieses Prinzip genannt.

Nun könnte der Versuchsleiter auch ganz einfach den Hebel abstellen und somit einen angenehmen Reiz entfernen. Das wäre dann die Bestrafung zweiter Art.



Lernen durch Verstärkung ist ein Prozess, bei dem ein Verhalten was angenehme Konsequenzen herbeiführt oder unangenehme Situationen beseitigt, vermehrt auftritt.

Was vielleicht im ersten Moment sehr abstrakt und entfremden wirkt, dass dieses Experiment mit Ratten oder auch Tauben und anderen Nagetieren durchgeführt wird, aber auch für Menschen funktioniert. Nur wissen eben die Menschen nicht, dass sie selbst im Grunde in so einer Box stecken. Und die Gefahr die ich eben in diesen behavioristischen Lerntheorien sehe, dass sie nur vom Verhalten ausgehen. Also wird hier der Mensch reduziert auf sein natürliches Verhalten. Im Grunde kein Problem, aber die Erkenntnis wird nicht zum Guten und heilsamen verwendet, sondern durch die vielen Manipulationen bewusst so aufrecht erhalten.

Und um deutlicher zu machen, was der "Reaktionshebel", die "Lampe", der "Lautsprecher", ja das "elektrische Gitter" wirklich in unserem Leben bedeutet, möchte ich noch etwas näher das Prinzip der Operanten Konditionierung erläutern. Denn durch diese Erkenntnis kann auch jeder Mensch der die Elternrolle hat, oder sich dafür einfach interessiert, damit befasst und auch erkennt, dass das Prinzip der Löschung ein sehr gutes Werkzeug ist, um Kinder aus dem Manipulationen Karussell zu befreien. Und wenn das Prinzip verinnerlicht ist, dann wird sich das Verhältnis Kind zu Eltern sehr zum Guten verändern.

Leider habe ich keine wirklich gute Tabelle gefunden, da die meisten sich konkret auf die Erziehung von Haustieren beziehen. Aber ich möchte wirklich verdeutlichen, dass diese Prinzip im Grunde ein Teil des Bildungssystems ist. Aber ich möchte trotzdem veranschaulichen, wie das Prinzip ist und wenn Ihr dieses folgende Bild betrachtet, dann denkt dabei an das Schulsystem. An die Noten, an die Moralvorstellung, Disziplin usw..



Bezeichnungen

Positive Verstärkung ist sozusagen die Belohnung eines erwünschten Verhaltens. Es wird ein angenehmer Reiz hinzugefügt und dieses Verhalten wird nun häufiger gezeigt. Am Beispiel Schule. Wenn ein Schüler eben den sinnlosen Mist paukt, dann wird er eine gute Note bekommen. Dann hat er Ansehen und es ist angenehm.

Negative Verstärkung wird wirksam, wenn ein unangenehmer Zustand oder Reiz entfernt wird. Am Beispiel, ein Kind hat Stubenarest bekommen. Aber es zeigt gewünschtes Verhalten, also kann nun dieses Verhalten verstärkt werden, wenn die Strafe aufgehoben wird. Also eine indirekte Belohnung für das Kind.

Bestrafung I ist wirksam, wenn ein unangenehmer Reiz auf unerwünschtes Verhalten erfolgt. Am Beispiel Kind, wäre es eben auf Grund schlechter Noten, bekommt das Kind Stubenarest. Also direkte Bestrafung für ein Verhalten.

Bestrafung II wird wirksam, wenn auf ein unerwünschtes Verhalten ein angenehmer Zustand oder Reiz entfernt wird. Hier wird aber deutlich, dass im Grunde diese Lerntheorien auch Grenzen haben, denn beim Faktor Mensch ist gerade diese Form der Bestrafung im Grunde sehr eng mit dem Typ I verwoben. Als Beispiel könnte es sein, dass diese Form der Strafe zum Beispiel als Konsequenz einen angenehmen Zustand der in Aussicht stand, also ein Zoo Besuch, Eis essen usw eben nicht stattfinden, wegen dem unerwünschten Verhalten.

Was hier leider nicht enthalten ist, dass ist die Löschung von Verhalten. Das bedeutet, dass auf ein gezeigtes Verhalten eben auch keine Reaktion erfolgt.


Zum Schluss möchte ich noch einige eigene Gedanken zu dieser Methode und der Anwendung im Jetzt äußern. Ich habe versucht mit den beiden Artikeln Möglichkeiten der Verhaltensmodifikation auf Basis der lerntheoretischer Erkenntnis aufzuzeigen, wie wertvoll, aber auch wie gefährlich dieses Wissen ist.

Denn wer wirklich verstanden und ergriffen hat, um was es hier geht, der muss an diesem Punkt auf jeden Fall das Bildungssystem in Frage stellen. Pawlow´sche Klingel in Schulen und Skinner Box als Lebensraum für Menschen. Denn gerade die Skinner Box kann sogar bis zum Kollektiv "Deutschland" erweitert werden...

Aber wann wir als erwachsene Menschen anfange das Prinzip der Löschung zu verstehen und auch anzuwenden, können wir viele Dinge wirklich vereinfachen.

Und hier ist wirklich ein wichtiger Punkt, den Eltern oder alle Menschen die sich für Kinder verantwortlich fühlen, verstehen müssen.

Doch ist eben das größte Problem, dass die Selbstbildung bei den meisten Menschen gegen Null tendiert, sie verharren in der BOX und lassen sich von der einen in die andere Ecke jagen, wie die Tiere. Nur das Dumme ist, die kleinen Ratten merken es nicht, denn viele sind diplomiert oder Träger von Ansehen und Würde, was auch immer dies sein soll?

Jeder Pädagoge, der nicht versucht mit dem Prinzip der Löschung zu arbeiten, der weiterhin Belohnung und Bestrafung anwendet zeigt mir als MENSCHEN im Grunde nur eins. Solche Menschen sollten NIEMALS Kinder betreuen! Es ist absolut unverantwortlich, total unreflektiert in einem System mitzuschwingen, ohne auch nur ansatzweise über den Tellerrand zu blicken. Und ja, dies ist auch eine Art Anklageschrift, denn alle gutes Wollen schütz nicht davor, Fehler die nie wieder oder nur sehr schwer zu beheben sind, zu begehen.

Die Löschung von Verhalten ist im Grunde die entspanntest Möglichkeit. Doch bevor dies wirklich funktioniert, müssen auch bestimmte andere Bedingungen klar sein. Denn wie sollen Erzieher, Lehrer, eben die ganzen Pseudo Pädagogen die selbst schwanken, jemals Kinder einen Halt bieten. Im Grunde halten uns die Kinder, doch wer versteht und erkennt dies?

Und um eine wirklich gute Möglichkeit für eine sinnvolle "Kindererziehung" aufzuzeigen, werde ich im nächsten Beitrag auch noch einmal eine Variante vorstellen. Und in Kombination mit dem Wissen über die Klassische und die Operante Konditionierung möchte ich eben doch eine gute Alternative die auch praktisch umsetzbar ist, vorstellen.

Wenn Operant, dann doch gerne mal so...

 
Nathanael
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Registriert am: 24.04.2015


   

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