Brzezinski´s Welt – Ein Psychogramm (1)

#1 von ped43z , 27.09.2015 22:46

Original unter: http://peds-ansichten.de/2015/09/brzezinskis-welt-ein-psychogramm/

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Vorwort

Um Andere verstehen zu können, muss man sich aktiv, offen, kritisch aber auch selbstkritisch mit den Gedanken der Anderen auseinandersetzen. Bewusst wähle ich das Wort „Andere“, bemüht darum, Feindbilder in meinem ICH nicht zuzulassen, das unterstützt mich dabei, sehr sorgsam mit der Verwendung des Begriffs „Feind“ umzugehen. Konsequenterweise sehe ich deshalb den Mann, dem ich mich gleich widme, auch nicht als Feind (das näher zu begründen, ist hier nicht der Ort) und so kritisch ich seinen Gedanken auch gegenüber stehe, werde ich mich bemühen, ihm, wie jedem Menschen die Achtung entgegen zu bringen, auf die ein jeder Mensch Anspruch haben darf. Unter dieser Prämisse habe ich Zbigniew Brzezinski´s 1997 erschienenes Buch „The Great Chessboard“ (Die einzige Weltmacht) gelesen und mich dabei intensiv mit den Gedanken des Autors befasst. Was mir die Möglichkeit gab, in die Hintergründe (und Abgründe) seines Denkens einzutauchen. Meine Erkenntnisse der Analyse aus der Lektüre dieses Buches fasse ich am Ende des Artikels zusammen. Gern dürfen die von mir vorgebrachten Hypothesen kritisch beleuchtet werden. Hauptanliegen dieses Artikels ist jedoch ein anderer:

Etwas fiel mir nämlich beim Studium des Buches auf: Das Psychogramm Zbigniew Brzezinski´s lässt aufgrund der von mir bei ihm erkannten psychologischen Konstitution auf eine ausgeprägte Fähigkeit zur Manipulation schließen. Diese Annahme meine ich, im folgenden Artikel immer wieder zu belegen. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass so auch sein Buch „The Great Chessboard“ einen hochmanipulativen Charakter besitzt. Dieses Buch sollte man deshalb auf gar keinen Fall einfach nur so schnell mal durchlesen! Man muss das Buch studieren, denn man setzt sich der Manipulation durch Zbigniew Brzezinski aus! Man sollte sich immer gewahr sein, dass unser Unterbewusstes prinzipiell jeglichen Inhalt ungefiltert aufnimmt. Nur die einhergehende bewusste Verarbeitung kann uns vor der geistigen Vereinnahmung schützen, zu der Menschen wie Brzezinski fähig sind.


Die Sprache der Macht

Schon mit dem Lesen der ersten Sätze fiel mir also eine besondere Art von Sprache in´s Auge und die setzte sich ungebrochen über das gesamte Buch hinweg fort. In Brzezinski´s einleitenden Betrachtungen erscheint so auch gleich eine Sequenz, mit welcher der Verfasser anderen (in speziellen Fall Gesellschaften) unterstellt, von den gleichen Machtphantasien geprägt zu sein wie er selbst. Zwar spricht er von Staaten und gegnerischen Mächten, seine Sicht auf deren Verhalten ist allerdings eine Projektion der eigenen Psyche. Er bildet eine eigene tiefsitzende Angst vor Machtverlust auf die eines Staates vor seinen Feinden ab – und er stellt gleich eingangs eine Behauptung auf, deren Beweis er bis zum Schluss des Buches nicht erbringen wird :

Zitat
„Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird – und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann.“ [1]



Auf dieser unbewiesenen grundsätzlichen Behauptung allerdings beruht das gesamte „Great Chessboard“, einschließlich der formulierten praktischen Ratschläge für politisches Handeln! Das nächste Zitat ist sichtbar getragen von der Arroganz der Macht, dem Selbstverständnis das Richtige zu tun und so als Weltrichter auftreten zu dürfen. Ein Merkmal des Buches wird gewahr; Machtbewusstsein mit der ihr anhängenden Überheblichkeit und die fortwährende Wiederholung dieses Musters.:

Zitat
„Folglich muss die amerikanische Außenpolitik den geopolitischen Aspekt der neu entstandenen Lage im Auge behalten und ihren Einfluss in Eurasien so einsetzen, dass ein stabiles kontinentales Gleichgewicht mit den Vereinigten Saaten als politischem Schiedesrichter entsteht.“ [2]



Und es setzt sich weiter fort in einer kalten gefühllosen, moralische Bedenken ausgrenzenden Sprache, überzeugt davon, dass z.B. dieses Agieren völlig normal war:

Zitat
„Der spanisch-amerikanische Krieg 1898 war der erste Eroberungskrieg, den die USA in Übersee führten. Er hatte einen Vorstoß amerikanischer Macht bis weit über Hawaii und die Philippinen hinaus in den pazifischen Raum zur Folge … Mit dem Bau des Panamakanals, der eine Vorherrschaft sowohl über den Atlantik als auch den Stillen Ozean erleichterte, bekräftigten die Vereinigten Staaten ihre Ansprüche auf einen Sonderstatus als alleiniger Sicherheitsgarant der westlichen Hemisphäre, den sie bereits Anfang des Jahrhundert in der Monroe-Doktrin verkündet und in der Folgezeit mit Amerikas angeblich „offenkundigem Schicksale“ gerechtfertigt hatten.“ [3]



Fällt das dem Leser auf? Es könnte schwierig sein, denn diese Sprache hat in gewisser Weise Einzug in den Massenmedien gehalten und ist damit für viele Menschen unauffällige Normalität geworden. Kritisch nur ist, dass mit dem Verinnerlichen dieser Sprache, Menschen auch damit verbundene Handlungsweisen als „normal“ hinnehmen. Die aber zutiefst das verletzen, was eigentlich unsere ethisch menschliche Hülle ausmacht.

Brzezinski ist in der Ideologie des freien Spiels der Kräfte gefangen und so glaubt er auch bedingungslos an das Gute der freien Marktwirtschaft (respektive der freien Konkurrenz), dabei völlig ausblendend, welch gewaltige Machtkonzentrationen sich in den USA schon Anfang des 20.Jahrhunderts herausgebildet hatten. Das als Ergebnis eines ganz und gar nicht gleichberechtigten, eines vielmehr äußerst brutalen Verdrängungswettbewerbs:

Zitat
„Begünstigt wurde diese beachtliche wirtschaftliche Dynamik durch eine experimentierfreudige und innovatorische Kultur. Amerikas politische Institutionen und seine freie Marktwirtschaft eröffneten ehrgeizigen und himmelsstürmenden Erfindern beispiellose Möglichkeiten, da keine archaischen Privilegien und starren gesellschaftlichen Hierarchien sie daran hinderten, ihre persönlichen Träume zu verwirklichen.“ [4]



Wer einen Blick in die USA des 19.Jahrhunderts geworfen hat, weiß – ohne den Erfindungsgeist der Ingenieure jener Zeit zu negieren – mit welcher Rücksichtslosigkeit sich die Monopole der Eisenbahngesellschaften, die Kohle- und Öl-Giganten sowie die Finanzmagnaten herausbildeten und umgehend an die Schalthebel der Macht drängten, dabei unzählige soziale Existenzen vernichteten, schrankenlos die Menschen ausbeuteten, „nebenbei“ die Ureinwohner des nordamerikanischen Kontinents faktisch ausrotteten und die Naturressourcen dieses großen (zuvor den Ureinwohnern geraubten) Landes gnadenlos plünderten. Liest man weiter, fühlt man sich in eine Denkfabrik des Neoliberalismus versetzt, Hayek [5] könnte das Wesen dessen nicht besser ausdrücken:

Zitat
„Der Nachdruck, den die USA auf Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung legen, verbindet sich somit zu einer schlichten ideologischen Botschaft, die bei vielen Anklang findet: Das Streben nach persönlichem Erfolg vergrößert die Freiheit und schafft Wohlstand. Das ist der Nährboden einer unwiderstehlichen Mischung aus Idealismus und Egoismus. Individuelle Selbstverwirklichung gilt als ein gottgegebenes Recht, das gleichzeitig anderen zugute kommen kann, indem es ein Beispiel setzt und Wohlstand erzeugt. Diese Lehre zieht alle jene unweigerlich in ihren Bann, die Energie, Ehrgeiz und eine hohe Wettbewerbsbereitschaft mitbringen.“ [6]



Dass es der Gemeinschaft gut geht, wenn alle ihren Egoismus ausleben, diese irrwitzige Annahme wiederlegt ein Blick auf die Welt dieser Tage, die von einer schreienden Diskrepanz zwischen arm und reich geprägt ist, wie es sie wohl nie zuvor in der Geschichte der Menschheit gegeben hat.. Die „unwiderstehliche Mischung aus Idealismus [welcher?] und Egoismus“ setzt er gleich mit individueller Selbstverwirklichung als „gottgegebenem Recht“. Mit diesem göttlichen Recht verbietet sich auch die Kritik dieses nun unumstößlichen Gesetzes, womit eine erste Methode der Propaganda auffällig wird. Über die Kraft des (nicht zu beweisenden) perse positiv konnotierten (christlichen) Glaubens werden abweichende Meinungen von vornherein – quasi als gottlos – ausgegrenzt. Die gedanklich in die Menschen eingepflanzte Verbindung von Egoismus und dem (doch eigentlich mit einer ganz anderen Bedeutung versehenen) Begriff der individuellen Selbstverwirklichung ist ein weiterer, oft angewandter manipulativer Trick. Kritikern der Prinzipien egoistischer Lebensweisen wird nun unterstellt, dass sie die individuelle Selbstverwirklichung von Individuen verbieten wollen, was einem Angriff auf die Freiheit des Menschen gleichkommt.

Welcher „Nachdruck auf Demokratie“ damit gelegt wird, bleibt das Geheimnis des Zbigniew Brzezinski (oder dessen Definition von Demokratie ist eine andere, als wir sie annehmen), dass die propagierte Ideologie aber gegenwärtig weltweit noch immer auf einem Triumphzug ist, damit hat er zweifellos recht:

Zitat
„Dass der american way of life in aller Welt mehr und mehr Nachahmer findet, entsteht ein idealer Rahmen für die Ausübung der indirekten und scheinbar konsensbestimmten Hegemonie der Vereinigten Staaten.“ [7]




Die Rolle der Bündnispartner im Großen Schachspiel

Der eine oder andere mag ja glauben, dass die NATO ein Verteidigungsbündnis gleichberechtigter Staaten ist, die sich als Partner bei Aggressionen auf ihr Staatsgebiet solidarisch unterstützen. Wer die hier untersuchte Abhandlung eines Mannes gelesen hat, der US-Präsidenten, und – Vizepräsidenten wie – Präsidentenschaftskandidaten als Berater zur Seite stand [8], sollte von dieser Illusion befreit sein:

Zitat
„Die Nordatlantische Allianz, die unter dem Kürzel NATO firmiert, bindet die produktivsten und einflussreichsten Staaten Europas an Amerika und verleiht den Vereinigten Staaten selbst in innereuropäischen Angelegenheiten eine wichtige Stimme.“ [9]



Wer immerfort und ausschließlich in der eindimensionalen Welt der Macht denkt, mag auch ein Geostratege sein. Ein solches Denkmuster (welches sich ohne jeden Bruch durch das gesamte Buch zieht) lässt sich jedoch auch ganz eindeutig als das eines Psychopathen bezeichnen! Bündnispartner kann es in einer solchen Gedankenwelt nicht geben, allenfalls in seiner manipulativen Verwendung. Wer Herrscher und wer Diener ist (nach Brzezinski), eine andere Betrachtung der Welt gibt es für ihn nicht – dafür hier ein weiteres Beispiel, das die Rolle des „Bündnispartners“ Japan beschreibt:

Zitat
„Die bilateralen politischen und militärischen Beziehungen bindet die bedeutendste Wirtschaftsmacht Asiens an die USA, wobei Japan (zumindest vorerst) im Grunde genommen ein amerikanisches Protektorat bleibt.“ [10]



Ein weiteres Beispiel gefällig?

Zitat
„Besondere Sicherheitsvorkehrungen im Persischen Golf, vor allem nach der kurzen Strafexpedition gegen den Irak […] , haben diese wirtschaftlich vitale Region in ein amerikanisches Militärgebiet verwandelt.“ [11]



„Strafexpedition“, so nannten auch frühere Kolonialmächte ihre Kriege (um Sicherung ihnen gottgegebener Ressourcen) gegen unbootmäßige Völker und Staaten. Es ist eine kaum zu überbietende Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit, die auch hinter folgendem Satz steht:

Zitat
„Das [die USA] ist auch der Ort, wo sich der Machtpoker abspielt, und zwar nach amerikanischen Regeln. Vielleicht das größte Kompliment, mit dem die Welt anerkennt, dass im Mittelpunkt amerikanischer globaler Hegemonie der demokratische Prozess steht, ist das Ausmaß, in dem fremde Länder in die amerikanische Innenpolitik verwickelt sind. “ [12]



Auch eine bewusste propagandistische Überhöhung, KEINE Oberflächlichkeit ist übrigens seine Gleichsetzung der USA mit Amerika (welche sich durch das gesamte Buch zieht)! Dass weiterhin deren Hegemonie sich durch Einfluss fremder Länder in die Innenpolitik der USA (und eben nicht Amerikas) manifestiert, kommt einer argumentativen (und misslungenen) Zangengeburt gleich, einer Orwellschen Umkehrung der Wirklichkeit [13]. Wie das funktionieren soll, was in einer Abhandlung mit wissenschaftlichem Anspruch doch zu erwarten wäre, immerhin ist sein Buch seit vielen Jahren eine strategische Handlungsanleitung für die US-Administration, lässt Brzezinski offen. Es geht dabei nicht einmal vordergründig um die Aussage. Auffällig ist, dass er nicht reflektiert – und damit auch nicht in der Lage ist, zu revidieren, zu korrigieren, er zeigt ein sich ständig wiederholendes Denkmuster, das frei von allen Selbstzweifeln ist.

Noch anzumerken: All die bis hierher aufgeführten Zitate stammen aus der Einleitung des Buches.


Merkmale eines eindimensionalen Weltbildes

Ist Brzezinski wirklich so ein genialer Stratege und Kenner der Gesellschaft? Wenn ich das folgende lese, habe ich da allergrößte Zweifel:

Zitat
„Die meisten ausländischen Regierungen setzen auch amerikanische Lobbyisten ein, um ihre Sache, vor allem im Kongress, voranzubringen, gar nicht zu reden von den etwa tausend ausländischen Interessengruppen, in in Amerikas Hauptstadt registriert sind.“ [14]



Es gibt eine einzige Machtgruppe, die ich wirksam in Washingtons Politik eingreifen sehe, das ist die zionistische Wirtschafts- und Finanzelite, die ein enges Netzwerk innerhalb de USA sowie zwischen Israel und den USA geknüpft hat. Jede andere in der US-amerikanischen Hauptstadt angesiedelte Interessenvertretung des Auslands ist in meinen Augen eine Interessenvertretung der USA IM Ausland, eine wirkungsvolle Methode, über transatlantische Organisationen, die Vasallen (von denen Brzezinski immer wieder ohne Scheu spricht) an den Hegemon zu binden.

Erschreckend ist seine Vertuschung historischer Zusammenhänge und ich bin sehr nahe daran zu glauben, dass ihm das nicht bewusst ist, hier zum Beispiel blendet er komplett aus, welch enormen Anteil die USA an der Vorbereitung und Durchführung des Zweiten Weltkrieges von deutscher Seite aus hatten und mit unglaublicher Naivität blendet er die dutzenden von den USA verursachten und mit millionenfachen Opfern bezahlten Kriege gleichermaßen aus und redet ein Ende der Kriegsgefahr herbei:

Zitat
„Treffend fasste der Politologe G. John Ikenberry die wesentlichen Züge dieses Systems wie folgt zusammen: „Es war hegemonial, insofern es um die Vereinigten Staaten zentriert war … Es war liberal, da es legitimiert und wechselseitige Beziehungen geprägt war. Die Europäer (… [und] die Japaner) konnten ihre gesellschaftlichen Strukturen und Volkswirtschaften wieder aufbauen und so integrieren, dass sie mit der amerikanischen Vorherrschaft im Einklang standen, ihnen aber auch genug Spielraum ließen, um mit ihren eigenen autonomen und halbautonomen politischen Systemen zu experimentieren… Die Entwicklung dieses komplexen Systems diente dazu, die Beziehungen der bedeutenden westlichen Staaten zueinander zu domestizieren. Diese Staaten hatten sich immer wieder bekriegt, der entscheidende Punkt aber ist, dass Konflikte innerhalb einer fest verankerten, stabilen und immer besser gegliederten politischen Ordnung im Zaum gehalten wurden … Die Kriegsgefahr ist vom Tisch.“ [15]



Die USA tragen eine gewaltige Verantwortung für fast alle Kriege des vergangenen und gegenwärtigen Jahrhunderts! Verantwortung jedoch übernehmen Leute, die so „ticken“ wie es Brzezinski tut, gerade nicht! Menschen aber, die niemals Verantwortung übernehmen, kennen auch keine Fehler, denn dafür müssten sie ihr eigenes Denken und Handeln reflektieren. Das aber findet nicht statt, sie halten sich im Prinzip für etwas Besseres. Und so leiten sie auch ihr Recht ab, für andere (die sie eindeutig als unter ihnen in der Hierarchie klassifizieren) zu entscheiden, also Macht auszuüben, Gott zu spielen.

Brzezinski lügt, aber nicht im Sinne empathischer Menschen (die so etwas auch tun), er ist sich seiner Lügen nicht aus der Sicht ethisch zweifelhaften Verhaltens bewusst und schämt sich dessen nicht (man könnte sagen, er lügt ohne dabei rot zu werden). Er kann sich nicht schämen, glaubt in seiner pathologischen Machtwelt [a1] ohne jeden Zweifel, dass die USA der Welt den Frieden brachten und bringen, weil er es für sich (so widersprüchlich es auch sein mag) so definiert hat. Auch im weiteren spricht er ohne Scheu von einer Friedensordnung, die erhalten werden müsste, eine Umkehrung der Tatsachen. Und im Bewusstsein absoluter Unfehlbarkeit, als ob ein Naturgesetz zitiert würde, geht es weiter, als er einen weiteren Geostrategen zitiert, den US-amerikanischen Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington, ebenfalls ein Berater der Administration der USA (im Bereich Außenpolitik) [16], von dessen und Halford McKinders (s.w.u.) strategischen Schlüssen Brzezinski entscheidend für dieses Buch beeinflusst wurde):

Zitat
"Ohne die Vorherrschaft der USA wird es auf der Welt mehr Gewalt und Unordnung und weniger Demokratie und wirtschaftliches Wachstum geben, als es unter dem überragenden Einfluss der Vereinigten Staaten auf die Gestaltung der internationalen Politik der Fall ist. Die Fortdauer der amerikanischen Vorherrschaft ist sowohl für das Wohlergehen und die Sicherheit der Amerikaner als auch für die Zukunft von Freiheit, Demokratie, freier Marktwirtschaft und internationaler Ordnung in der Welt von zentraler Bedeutung.“ [17]



Solche Sprüche kommen dem Leser bekannt vor? Ja doch und absolut nachvollziehbar, denn hier erkennen wir eine Sprache, wie sie tagtäglich über die Massenmedien auf die Menschen niederregnet. Und wie kann man diese verbal formulierte Umkehrung der Wirklichkeit anders bezeichnen als – Propaganda!? Aus dieser Propaganda erwirkt Brzezinski das Recht für die USA, alles zu tun, was deren Vorherrschaft sichert. Dabei kommt ihm nicht ansatzweise der Gedanke, dass dieses Tun, in überwältigendem Maße ein Hohn auf Freiheit, Demokratie und internationaler friedlicher Ordnung in der Welt ist – und so kommt er auch nicht in die Verlegenheit, sich für diese schmutzigen Nebensächlichkeiten rechtfertigen zu müssen. Man darf hier in keiner Weise unterschätzen, welchen Einfluss Leute wie Brzezinski auf die US-amerikanische Politik haben, sie sind die ideologischen Vordenker eines Systems, dessen „Werte“ schließlich über die Medien die Menschen erreichen, ja sie indoktrinieren und somit Denk- und Verhaltensmuster in Gang setzen, welche u.a. die des Zbigniew Brzezinski sind.


Das „Herzland“ des Halford Mackinder

In seinem Buch geht es Brzezinski vorrangig um den eurasischen Kontinent und die geostrategischen Herausforderungen an die Machteliten (aus seiner Sicht nur der USA, aus meiner Sicht vor allem aber nicht ausschließlich der USA), ein Bündnis der großen Staaten dieser Landmasse zu verhindern – indem man Zwietracht sät! Und so schreibt er:

Zitat
„Bedient man sich einer Terminologie, die an das brutalere Zeitalter der alten Weltreiche gemahnt, so lauten die drei großen Imperative imperialer Geostrategie: Absprachen zwischen den Vasallen zu verhindern und ihre Abhängigkeit in Fragen der Sicherheit zu bewahren, die tributpflichtigen Staaten fügsam zu halten und zu schützen und dafür zu sorgen, dass die „Barbaren“völker sich nicht zusammenschließen.“ [18]



Ein kurzer Einschub über die Rolle des britischen Geographen und Geostrategen Halford Mackinder [19] erscheint an dieser Stelle notwendig, denn dessen Ideen haben auch die Gedankenwelt Brzezinski´s entscheidend geprägt. Den Kerngedanken seiner Heartland-Theorie [20] hat Mackinder folgendermaßen formuliert:

Zitat
„Wer über Osteuropa herrscht, beherrscht das Herzland. Wer über das Herzland herrscht, beherrscht die Weltinsel. Wer über die Weltinsel herrscht, beherrscht die Welt.“ [21]




Heartland v. Halford J.Mackinder (Originalquelle: Geographical Journal 23, 4.4.1904)

Wir werden auf die Gedanken Mackinder´s zurückkommen, dass in diesem Zusammenhang das Wort Osteuropa fiel, ist aber schon ein deutlicher Fingerzeig. Noch eines: Die Theorie über das „Herzland“ ist niemals bewiesen worden! Und trotzdem drängen die Strategen der USA auf ihre Anwendung, sie sind bestrebt, die Wahrheit zu erschaffen, statt sie zu erkennen – das ist eine charakteristische Verhaltensweise pathologischen Denkens.

Brzezinski spezifiziert in seinem Buch fünf Staaten, denen er eine geostrategische Rolle als Hauptakteure zuspricht: Frankreich, Deutschland, Russland, China und Indien. In seinem eindimensionalen geostrategischen Machtdenken spricht er diesen Staaten das gleiche klassische (und zwar ebenso skrupellose) Machtstreben zu, wie den USA. Und zumindest was Deutschland und Frankreich betrifft, gebe ich ihm Recht. Rücksichtslos hat Deutschland in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts seine Ansprüche auf dem Balkan durchzusetzen versucht, hatte eine entscheidende Aktie an der Destabilisierung einer ganzen Region. [22] Und Frankreich hat ebenso unverfroren seine Interessen durchgesetzt, als eine funktionierende Zivilgesellschaft in Libyen zerschlagen wurde. Neben der militärischen Komponente ist es auch das wirtschaftliche Auftreten dieser Staaten im Ausland – insb. der Dritten Welt – das alle Zeichen einer eigenützigen machtbasierten Politik aufweist. Diese Staaten spielen das Spiel (The Great Chessboard) also tatsächlich mit und werden damit von den USA (aus dieser Sicht betrachtet) völlig zu Recht auch als Konkurrenten gesehen.

Interessant ist, dass Brzezinski Großbritannien diesem elitären Kreis nicht zurechnet:

Zitat
„Es [GB] … hegt keine ehrgeizige Vision von der Zukunft Europas und ist aufgrund seines relativen Niedergangs heute nicht mehr in der Lage, wie früher die Rolle eines Schiedsrichters in Europa zu spielen … Natürlich bleibt GB für Amerika dennoch ein wichtiger Partner … Es ist die wichtigste Stütze der USA, ein sehr loyaler Verbündeter, eine unerlässliche Militärbasis und ein enger Partner bei heiklen Geheimdienstaktivitäten. Seine Freundschaft muss gepflegt werden, doch seine Politik fordert keine dauernde Aufmerksamkeit…“ [23]



Brzezinski zählt nachfolgend weitere Staaten auf, beschreibt und begründet ihre (von ihm so wahrgenommene) Rolle im Machtpoker. Und er formuliert angenommene und reale Bündnisse, die er offensichtlich ausschließlich als (in dieser Form von tiefem Mistrauen geprägte) Zweckbündnisse im Spiel der Macht ansieht. Ehrliche Zusammenarbeit, getragen vom vorbehaltlosen Willen, den Partner zu achten und zum gemeinsamen Wohl verpflichtet, eine solche Art der Kooperation gibt es in der Welt des Zbigniew Brzezinski nicht. Und er nennt neben den Hauptakteuren weitere fünf Staaten, denen er eine geopolitische Rolle als Dreh- und Angelpunkte zuspricht: Die Ukraine, Aserbaidshan, Südkorea, die Türkei und den Iran (die beiden letztgenannten auch mit geostrategisch aktiver Rolle). Es fällt der Name Ukraine, womit wir wieder bei Mackinder sind – und hellhörig werden sollten:

Zitat
„Die Ukraine, ein neuer und wichtiger Raum auf dem eurasischen Schachbrett, ist ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt, weil ihre bloße Existenz als unabhängiger Staat zur Umwandlung Russlands beiträgt. Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, würde aber dann ein vorwiegend asiatisches Reich werden, das aller Wahrscheinlichkeit nach in lähmende Konflikte mit aufbegehrenden Zentralasiaten hineingezogen würde, die den Verlust ihrer kürzlich erlangten Eigenstaatlichkeit nicht hinnehmen und von den anderen islamischen Staaten im Süden Unterstützung erhalten würden. Auch China würde sich angesichts seines zunehmenden Interesses an den dortigen neuerdings unabhängigen Staaten voraussichtlich jeder Neuauflage einer russischen Vorherrschaft über Zentralasien widersetzen. Wenn Moskau allerdings die Herrschaft über die Ukraine mit ihren 52 Millionen Menschen, bedeutenden Bodenschätzen und dem Zugang zum Schwarzen Meer wiedergewinnen sollte, erlangte Russland automatisch die Mittel, ein mächtiges Europa und Asien umspannendes Reich zu werden.“ [24]



1997 kam dieses Buch heraus und Jedem der ernsthaft glaubt, die USA hätten keine Interessen in der Ukraine, dem sollte man die gerade genannte Passage vorlesen. Was hier so bestürzend zu lesen ist, das ist die Tatsache, dass der Verfasser tief davon überzeugt ist, dass Russland so „tickt“ wie die Geostrategen der USA. Dass es so und nicht anders sein kann. Brzezinski überträgt sein eigenes Denken (und wenn man weiß, dass es pathologisch ist, nur dann versteht man auch seine Logik) auf jeden realen wie vermeintlichen Gegner – und Brzezinski irrt niemals. Daher hat die einzige Weltmacht auch jedes Recht „regulierend“ einzugreifen, wo immer sie das für nötig hält. Brzezinski lebt dementsprechend ausschließlich in Feindbildern, seine Sprache strotzt nur so davon. Dass Russland, China, Indien und der Iran, dass diese großen Nationen vielleicht eine Politik weg von der antiquierten Machtpsychose (denn dafür halte ich sie) suchen, kann ihm aufgrund seiner Beschränktheit nicht in den Sinn kommen.

Diese Beschränktheit äußert sich auch im Unverständnis, dass eine Expansionspolitik für Russland schlicht kontraproduktiv wäre, es zu einer Fülle neuer ethnischer, religiöser und politischer Konflikte führen würde. Was für Russland 1997 existenziell war (und daran hat sich auch bis heute nichts geändert), waren und sind friedliche, kooperative und stabile Gesellschaften an seinen Grenzen. Welche Kräfte dieses Bestreben jahrzehntelang hintertrieben haben, kann hier nicht näher ausgeführt werden. Dass aber bspw. eine NATO-Mitgliedschaft Georgiens oder der Ukraine für Russland zutiefst bedrohlich wirken muss, wer soll das nicht verstehen? Brzezinski, er versteht es offenbar tatsächlich nicht. Und so schreibt er – aus meiner Sicht, aber leider nicht aus Sicht der Eliten in den USA – diesen Unsinn:

Zitat
„… Die Türkei stabilisiert das Gebiet ums Schwarze Meer, kontrolliert den Zugang von diesem zum Mittelmeer, bietet Russland im Kaukasus Paroli, bildet immer noch ein Gegengewicht zum islamischen Fundamentalismus und dient als der südliche Anker der NATO. Eine destabilisierte Türkei würde wahrscheinlich mehr Gewalt im südlichen Balkan entfesseln und es zugleich den Russen erleichtern, den seit kurzem unabhängigen Staaten im Kaukasus erneut ihre Herrschaft aufzuzwingen.“ [25]




Wie Europa zukünftig auszusehen hat

Es sei darauf hingewiesen, dass wir uns in der Gedankenwelt des Geostrategen Zbigniew Brzezinski bewegen, einer Welt die von den Kategorien Macht und Herrschaft über Menschen und Ressourcen geprägt ist. Bislang, bis zur Seite 79 war nicht ansatzweise von einer anderen Prämisse die Rede, soziale, kulturelle, ethnische, religiöse, wirtschaftliche, politische Besonderheiten spielten im Grunde keine Rolle. Was aber unterstellt wurde, ist die Behauptung, dass es Jedem und immer nur um Macht geht, alles andere steht hinten an. Das ist – ich wiederhole mich – die Ideologie von Psychopathen, deren gedanklicher und sie glücklich machender Reichtum einzig im Ausleben von Machtfantasien liegt. Das tut Brzezinski hier auch und deshalb ist das Bild, das er zeichnet auch so verblüffend einfach gestrickt, da ist überhaupt nichts von der Komplexität gesellschaftlicher Strukturen, es passt nicht in sein Spiel, dass er lebt. Individualität der Menschen selbst spielt damit konsequenterweise auch keine Rolle, sie werden von Brzezinski als mehr oder weniger gleichartig (wie er selbst!) funktionierende Wesen betrachtet – und zwar als Masse, als steuerbares Programm [26] (um die Steuerung, die Kontrolle, geht es solchen Menschen in herausragendem Maße).

Die Frage stellt sich, wie man realistische geostrategische Analysen betreiben und auf deren Basis Prognosen aufstellen kann, wenn man die Komplexität der Gesellschaften, wie derer Mitglieder, was auch die Betrachtung einzelner Individuen einschließen würde, ihre religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen Eigenheiten ignoriert? Man kann es nicht und Brzezinski kann es ebenso nicht. Was die Angelegenheit so beunruhigend macht, ist, dass solche Menschen im Zuge ihres Kontrolltriebes die Wirklichkeit quasi schaffen und hier kommen ihnen ihre ausgeprägten manipulativen Fähigkeiten, frei jeden Skrupels, zugute. Die an den Schalthebeln der Macht operierenden Think Tanks und die mit ihnen verflochtenen Politiker, Finanziers, Ideologen und Medienmogule haben also im Verbund konsequent die Prognosen des „Great Chessboard“ als Richtschnur ihres Handelns verwendet – wobei die zugrunde liegenden Theorien natürlich viel älter als das behandelte Buch sind (siehe Mackinder und Huntington w.o.).

Der Kontrollwahn treibt Brzezinski um. So sieht er auch die Rolle Europa´s zu einer gleichberechtigten Partnerschaft mit gemischten Gefühlen. Er hat Angst, Angst vor Machtverlust und er sucht eine Entscheidung für die USA, wer denn nun geeignet wäre zur Teilhabe an der Macht. Und getrieben von Mackinders Ideen die Kontrolle über das „Heartland“ zu erringen, schreibt er:

Zitat
„Eine Politik für ein geeintes Europa wird sich außerdem – wenn auch gemeinsam mit den Europäern – der hochsensiblen Frage nach Europa´s geografischer Ausdehnung stellen müssen. Wie weit sollte sich die Europäische Union nach Osten erstrecken? Und sollten die Ostgrenzen der EU zugleich die östliche Frontlinie der NATO sein? … Da zunehmend Konsens darüber besteht, dass die Nationen Mitteleuropa´s sowohl in die EU als auch in die NATO aufgenommen werden sollten, richtet sich die Aufmerksamkeit auf den zukünftigen Status der baltischen Republiken und vielleicht bald auf den der Ukraine.“ [27]



Der seit 2013 (16 Jahre nach Erscheinen dieses Buches) eskalierende Konflikt in der Ukraine soll Folge einer Volksbewegung sein, oder vielleicht doch eher der Umsetzung von Phantasien einflussreicher Strategen? Dass Russland allenfalls eine Rolle als Juniorpartner zugedacht wird, kann nicht überraschen, Brzezinski´s Angst (er kann nicht anders) äußert sich so:

Zitat
„Aber Russland hegt womöglich weitergehende Ambitionen und gibt sich nicht damit zufrieden, als Demokratie Anerkennung und Respekt zu erlangen.“ [28]



Er wägt also ab, wie weit die US-getriebene Politik der NATO-Osterweiterung (vergessen wir nicht, wir schreiben das Jahr 1997), gehen kann und „berechnet“ seinen Gegner Russland.

Es geht nicht um eine Dämonisierung Brzezinski´s, sondern um die Offenlegung und Erläuterung von Verhaltensmustern, die nun einmal auf eine pathologische Psyche schließen lassen. Dazu hier ein weiterer Beleg. Nachdem Brzezinski über einhundert Seiten lang die Rolle Amerikas [nein, der USA!] im Kontext von Neuordnung, Kontrolle, Protektorat, Hegemonie, Vorherrschaft beschrieb, wundert er sich allen Ernstes über die folgende „Unterstellung“:

Zitat
„Überdies wird Amerika unterstellt, es verfolge eine Politik, in der die vom Westen betriebene Neuordnung des europäischen Raumes im Grunde von dem Gedanken geleitet ist, in diesem Teil der Welt neue, relativ kleine und schwache Nationalstaaten durch deren mehr oder weniger enge Bindung an die NATO, die EU und dergleichen zu stützen.“ [29]



Genauso ist es aber doch geschehen, am besten ersichtlich auf dem Balkan. Die beleidigte Note, die hinter der Anmerkung „wird Amerika unterstellt“ hervorschimmert, zeugt vom Unverständnis des Autors, dass die Völker genau das erkennen und dadurch zutiefst beunruhigt sind. Zbigniew Brzezinski lügt in diesem Fall wiederum nicht im Gefühl etwas unethisches zu tun (meine Auffassung), nein er ist nicht in der Lage den Widerspruch seiner niedergeschriebenen Gedanken aufzulösen. Solche Menschen wie er haben „eigentlich“ keine Angst – außer vor sich selbst. Sie wagen es nicht, ihr Selbstbild anzutasten, weil das für sie einer Zerstörung der eigenen Persönlichkeit gleichkäme, fürchten die dahinter liegende Ungewissheit geradezu manisch und lassen aus diesem Grunde ein kritisches Hinterfragen eigenen Denkens und Handelns nicht zu. Deshalb ist Brzezinski auch in der Lage, 20 Seiten später wiederum das genaue Gegenteil eben Zitierten auszudrücken, ohne dass ihn das in irgendeiner Weise beeindrucken würde.

Interessant ist auch die immer wiederkehrende Sorge um die Demokratisierung Russlands, die er dann aber mit solchen widersinnigen Schlüssen kommentiert (Russland soll sich innenpolitisch erholen aber trotzdem ein schwacher Staat bleiben, wer soll diese Logik verstehen?):

Zitat
„Russlands innenpolitische Erholung ist die wesentliche Voraussetzung für seine Demokratisierung und letztlich Europäisierung. Aber jede Erholung seines imperialen Potenzials wäre beiden Zielen abträglich.“ [30]



Hier gerät Brzezinski nun in Not, in den Grenzen seines Denkens findet er einfach keine Lösung und so setzt er (in geradezu naiver Weise, wenn er wirklich ernsthaft einen NATO-Beitritt Russlands für realistisch hielt, aber dessen Unterwerfung, die Weiterexistenz als Vasall ist für ihn einfach zu reizvoll) fort:

Zitat
"Zudem könnte es über diese Fragen zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Staaten kommen, besonders bei einer Erweiterung von EU und NATO. Sollte Russland als Anwärter auf eine Mitgliedschaft in einer dieser beiden Strukturen in Betracht gezogen werden? Und was wäre dann mit der Ukraine?“ [31]



Brzezinski´s Weltbild erscheint eingeschränkt. Sein Erörterungen sind so theoretisch, so fern von der Realität, dass ihm Wechselwirkungen durch kapitale Interessen diverser Wirtschafts- und Finanzeliten (der eigenen Hegemonialmacht) überhaupt nicht in den Sinn kommen. Interessen, die diese in Russland und der Ukraine des Jahres 1997 längst verfolgt hatte. Wer in solch flachen Strukturen denkt, kann auch keine tragfähigen Lösungen entwickeln. Und logischerweise bleibt ihm so auch verborgen, dass unzählige Konflikte auf der Welt aktiv durch den Machtapparat der US-Eliten entzündet wurden, was bei ihm rauskommt, sieht so aus:

Zitat
„In diesem von leicht entflammbaren Hassgefühlen zerrissenen und von miteinander konkurrierenden mächtigen Nachbarn umgebenen Raum [Naher- und Mittlerer Osten] werden sich vermutlich Kriege zwischen Nationalstaaten wie auch, was noch wahrscheinlicher ist, langwierige ethnische und religiösen Konflikte [entzünden].“ [32]



Als ob die Völker dieses Raumes eine genetisch bedingte Störung hätten und deshalb leicht entflammbar in ihrem Hass wären! Verzeihung, aber das ist doch krank! Brzezinski stellt sich nie die Frage nach den Ursachen, er sieht nur Macht, da mehr, dort weniger – und rechnet dann, wer gewinnt, oder wer sich verbündet um zu mehr Macht zu gelangen, mehr liest man nicht. Moderne zukunftsgewandte Geostrategie sieht, so finde ich ich, anders aus.

Brzezinski aber findet auch auf den nächsten 200 Seiten kaum mehr als Machtkategorien, um potenzielle gesellschaftliche Aspekte zu betrachten. Auch wenn er Europa, die Europäische Union (die er als möglichen Machtblock untersucht), Frankreich und Deutschland ausführlich behandelt, ändert sich nichts an der eindimensionalen Betrachtungsweise – und dem Fehlen von Lösungen. Und so bedauert er, dass Europa keine ECHTER Partner der Weltmacht ist:

Zitat
"Tatsache ist schlicht und einfach, dass Westeuropa und zunehmend Mitteleuropa weitgehend ein amerikanisches Protektorat bleiben, dessen alliierte Staaten an Vasallen und Tributpflichtige von einst erinnern. Dies ist kein gesunder Zustand, weder für Amerika noch für die europäischen Nationen“ [33]



Die vereinfachte Darstellung von mannigfaltig wechselwirkenden Gesellschaften lässt einen zuweilen im Gefühl zurück, ein Kinderbuch zu betrachten. Die Kennzeichnung der Interessensphären Frankreichs und Deutschlands wirkt dermaßen banal, dass man Lust hat, gleich noch ein paar Kringel um die Türkei, Italien und Großbritannien zu zeichnen. Was soll eine solche Verbildlichung vermitteln?


Interessensphären Frankreichs und Deutschlands (Quelle: Die Einzige Weltmacht; Fischer-tbv)

Über viele Seiten hinweg versucht Brzezinski nun (aus seiner einzig möglichen Sicht) die Machtverhältnisse in Europa zu deuten. Dabei kürt er Deutschland zum bevorzugten Juniorpartner der USA und man muss im nachhinein feststellen, dass der deutsche Staat, die deutsche Gesellschaft, die Vorstellungen Brzezinski´s in geradezu vorbildhafter Weise umgesetzt hat:

Zitat
„Deutschland – fest in Europa verankert und harmlos, aber durch die militärische Präsenz der Amerikaner sicherer geworden – konnte nun die Integration des jüngst befreiten Mitteleuropa in europäische Strukturen vorantreiben. Es würde nicht mehr das alte Mitteleuropa des deutschen Imperialismus sein, sondern eine friedliebende Gemeinschaft wirtschaftlicher Erneuerung, die durch deutsche Investitionen und Handelsbeziehungen angespornt und von einem Deutschland ermuntert wird, das außerdem Befürworter der schließlich auch offiziellen Einbindung des neuen Mitteleuropa in EU und NATO auftritt. Da die deutsch-französische Allianz für Deutschland die unverzichtbare Plattform darstellt, um eine entschiedenere Rolle in der Region zu spielen, braucht es keine Hemmungen mehr zu haben, sich im Bereich seines besonderen Interesses zu behaupten.“ [34]



Dass es hier nicht um das Wohl und Wehe Europa´s geht, wird rasch deutlich. Brzezinski nutzt – das sollten die Europäer sehr ernst nehmen – den militärischen Begriff „Brückenkopf“, er sieht Europa als Kriegsschauplatz für die USA im Machtkampf um Eurasien. Europa ist das Schachbrett, nicht Nordamerika!

Zitat
„Ein Blick auf die Karte der riesigen eurasischen Landmasse offenbart die geopolitische Bedeutung des europäischen Brückenkopfes für Amerika – und auch seine bescheidenen geographischen Ausmaße. Die Erhaltung dieses Brückenkopfes und seine Erweiterung zum Sprungbrett für Demokratie sind für die Sicherheit Amerikas von unmittelbarer Relevanz.“ [35]



Und sodann tritt der auf emphatiefreiem uneingeschränktem Egoismus beruhende Neoliberalismus mit seiner verlogenen Moral, welche die Kooperation für die Menschen doch nur als hinderlich ansieht (Stichwort: ineffizienter Sozialstaat), in seiner ganzen Brutalität hervor und wird zur (inzwischen umgesetzten) Handlungsanweisung für die Europäer:

Zitat
„Die Krise der politischen Glaubwürdigkeit und des Wirtschaftswachstums, die Westeuropa zunehmend zu schaffen macht – und die es nicht zu überwinden vermag, ist in der alle gesellschaftlichen Bereiche erfassenden Ausweitung des sozial-staatlichen Systems, das Eigenverantwortlichkeit klein schreibt und Protektionismus und Engstirnigkeit begünstigt, tief verwurzelt. Die Folge ist eine kulturelle Lethargie, eine Kombination von eskapistischem Hedonismus und geistiger Leer, die nationalistische Extremisten oder dogmatische Ideologen für deren Zwecke ausnützen könnten.“ [36]



Menschen mit dem Psychogramm Brzezinski´s erkennen (instinktiv) Gleichgestrickte, an ihren Worten, sie loben diese Menschen gerade für deren psychopathische Denkweisen, was ihrem Verständnis einer elitären Schicht anzugehören, zuspricht. Wohl nicht zufällig findet deshalb der deutsche Politiker Wolfgang Schäuble einen Platz im „Großen Schachspiel“:

Zitat
„Wolfgang Schäuble […] brachte diese Auffassung mit der Feststellung zum Ausdruck […], dass „Deutschland während des gesamten Mittelalters … daran beteiligt war, in Europa Ordnung zu schaffen.“ [37]



Immer wieder und mit zunehmender Vehemenz pocht Brzezinski darauf, alle europäischen Staaten in die NATO einzubinden, daran macht er die Glaubwürdigkeit der USA als einziger Weltmacht fest! Und er hatte 1997 bereits klare Vorstellungen, wohin der Weg der Ukraine führen sollte:

Zitat
„Irgendwann zwischen 2005 und 2010 sollte die Ukraine für ernsthafte Verhandlungen sowohl mit der EU als auch mit der NATO bereit sein […]“ [38]



Ist das nicht bezeichnend? Im Jahre 2004 brach in der Ukraine die sogenannte Orangene Revolution aus, was für ein Zufall! Brzezinski´s Vorstellungen von Geopolitik wurden mit beklemmender Akkuratesse vorangetrieben und der Verlust an „Gestaltungsmöglichkeit“ muss ihn extrem umgetrieben haben, als Viktor Janukowitsch (der für eine enge Bindung der Ukraine an Russland stand), 2010 wider Erwarten erneut zum Präsidenten der Ukraine gewählt wurde. Leute vom Schlage eines Brzezinski´s lösen die damit verbundene kognitive Dissonanz in der Weise, dass sie die neu entstandenen Realitäten NICHT akzeptieren und mit aller Macht (im wahrsten Sinne des Wortes und ohne jede empathische Rücksichtnahme, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf) ihre eigenen Vorstellungen doch noch umsetzen. Menschen wie er untersuchen nicht die Wahrheit, nein sie schaffen sie! Unterschätzen wir nicht den Einfluss, den der hochbetagte Brzezinski noch heute bis in die höchsten Führungsriegen US-amerikanischer Politik hat.


Das Schwarze Loch

Nicht überraschend wird im Buch (unter dieser Überschrift) eingehend auf Russland eingegangen, einschließlich der turbulenten Ereignisse während und nach dem Zerfall der Sowjetunion. So ausführlich Brzezinski´s Betrachtungen auch sind, nach einigen Seiten beginnen sie zu langweilen, denn immer wieder wird das Mantra von Macht als einzig wesentichem Existenzmerkmal von Gesellschaften gepredigt. Diese Art von Sprache, fortwährend Botschaften zu wiederholen, ist ein deutliches Zeichen propagandistischer Beeinflussung.

Zitat
„Binnen zwei Wochen mußte das russische Volk […] plötzlich erkennen, dass es nicht mehr Herr über ein transkontinentales Reich war […]“ [39]



Natürlich gab es auch zu Zeiten des Verschwindens der Sowjetunion (dort) Machtpolitiker, die mglw. ähnlich dachten wie Brzezinski, insbesondere und naturgemäß bei den Streitkräften. Das russische Volk und auch die allgemeine russische Politik aber hatte mit ganz anderen Widrigkeiten zu kämpfen, als mit den Machtphantasien, welche Brzezinski ihnen unterstellt. Es war mit einem Zusammenbruch der Wirtschaft und Sozialsysteme, mit einer extremen Umweltzerstörung konfrontiert. Die Versorgung der Bevölkerung mit einfachsten lebensnotwendigen Dingen war nicht mehr gesichert.

Ein weiterer Hebel von Propaganda ist die Selektion. Brzezinski beklagt die geschädigte Gesundheit der Menschen in der Zeit des Postkommunismus, weist auf die verfehlte sowjetische Wirtschaftspolitik hin, verschweigt aber den entscheidenden Aspekt, dass die Sowjetunion mit Beginn der Amtsübernahme des US-Präsidenten Ronald Reagan in einen verhängnisvollen Rüstungswettlauf, wie auch militärische Konflikte gezwungen wurde, die einerseits die Welt fast in die nukleare Katastrophe geführt hätten und andererseits zu einem Ruin der sowjetischen Wirtschaft führten. Brzezinski war sogar maßgeblich an den diplomatischen – und Geheimdienstoperationen beteiligt, die die Sowjetunion „in die afghanische Falle lockten“ (Originalaussage: Zbigniew Brzezinski!) [40]. Die Kritik die er also vom Stapel lässt, ist schlicht verlogen und zeigt (typischerweise) auf die Anderen.

Sehr bewusst und manipulativ geht Brzezinski von falschen Tatsachen aus:

Zitat
„Aber ohne die Ukraine mit ihren 52 Millionen slawischen Brüdern und Schwestern droht jeder Versuch Moskaus, das eurasische Reich wiederaufzubauen, Russland in langwierige Konflikte mit den [..] Nichtslawen […].“ [41]



Die Psyche Brzezinski´s ist zwanghaft bestrebt, Realitäen zu erschaffen. Wenn Russland eigentlich gar nicht anstrebt, ein eurasisches Reich wiederaufzubauen (die Behautpung ist auch so einfach Quatsch, man braucht nur die Größe des Landes zu betrachten), dann wird halt solange „gestaltet“, bis der Opponent gezwungen ist, im Sinne der strategischen Vorgaben eines Psychopathen zu handeln. Aus diesem Grunde ist auch das geopolitische Handeln Russlands an seiner Westgrenze (insbesondere seit dem Putsch in der Ukraine 2014) durch seine Ausgewogenheit und Besonnenheit außerordentlich bemerkenswert. Die Führer des Landes wissen offensichtlich sehr wohl, mit wem sie es auf der anderen Seite zu tun haben.

Psychopathen prüfen innerhalb ihres Machtdenkens sehr präzise die eigene Position. Ist diese zu schwach, um straffrei gestalten zu können, gehen sie Zweckbündnisse ein oder täuschen Kooperation vor (vorgetäuscht weil nicht das Gemeinwohl, sondern die Verbesserung der eigenen Position im Vordergrund steht). Dabei lauern sie auf Fehler und nutzen rücksichtslos Schwächen des „Partners“ aus, der in Wirklichkeit ein Konkurrent ist, den es zu unterwerfen gilt. Das hat man sehr gut im Falle Libyens erkennen müssen, als man Muammar al-Gaddafi dazu brachte, sein Drohpotenzial (Chemiewaffen) zu vernichten und ihm gleichzeitig das Gefühl vermittelte, er sei nun ein geachteter Partner in der Weltgemeinschaft (Gaddafi war sogar für das Jahr 2011 zur Auszeichnung für den UN-Friedenspreis nominiert!). Gaddafi war viel weniger ein Despot, als die Massenmedien es den Menschen einredeten, deshalb vertraute er auch Psychopathen, er verkannte ihre wahre Natur, was zu seinem Verhängnis wurde!

Eben diese Natur ist inzwischen der gesamten russischen Gesellschaft sehr bewusst geworden und hat sie in einem Maße vereinigt, wie es ein Brzezinski in seiner beschränkten Sicht niemals erahnen konnte. Russland hat (spätestens seit der gewaltsamen Zerschlagung des libyschen Staatswesens) erkannt, dass die USA zu einer wirklich ehrlichen, gleichberechtigten, von gegenseitigem Verständnis geprägten Zusammenarbeit, einem Miteinander auf Augenhöhe, in ihrer Rolle als (im Selbstverständnis gottgegebenem) Hegemon überhaupt nicht in der Lage sind.

Pathologisches Machtdenken kennt nur ein „Gegen“. Das eigene Handeln ist, da durch den ausgeprägten Egotismus ohne jeden Selbstzweifel, alternativlos. Dass es Strategien geben könnte, die ein „Neben“ oder „Zusätzlich“ implizieren, kommt ihnen nicht ernsthaft in den Sinn. Von tiefem Misstrauen beseelt, wird argwöhnisch beäugt, ob es Abweichler vom alternativlosen Handeln gibt, auch in den eigenen Reihen (womit die Aufgabe des US-amerikanischen Schnüffeldienstes NSA hinreichend erklärt ist). Dass Russland einfach nur aus Gründen guter Nachbarschaft und zum gegenseitigen Nutzen seine Beziehungen zu den Nachbarn China und Iran zunehmend intensivierte, diese Gründe konnten für Brzezinski aufgrund seiner Prägung einfach nicht nachvollziehbar sein. Er witterte sofort einen aufstrebenden Konkurrenten im Kampf um die Weltmacht:

Zitat
„Anfang 1996 ersetzte Präsident Jelzin seinen […] Außenminister Kosyrew durch den erfahrenen, aber zu Sowjetzeiten linientreu kommunistischen Fachmann für internationale Beziehungen Jewgenij Primakow, dessen Interesse seit langem schon dem Iran und China galt. Einige russische Kommentatoren stellten bereits fest die Vermutung an, dass es unter Primakow schneller zu einer antihegemonialen Koalition jener drei Mächte kommen werde, die an einer Schwächung der amerikanischen Position das größte geopolitische Interesse haben.“ [42]



Dass ein Bröckeln der unipolaren Welt unter der Hegemonie der USA schon damals absehbar war, konnte Brzezinski ebenfalls nicht erkennen, denn zu einseitig, weil einzig auf machtpolitische Aspekte beschränkt, erfolgte seine Analyse. Die daraus resultierende Überschätzung der Stärke und des langfristigen Potenzials des US-Systems sowie die Überzeugung, dass andere Gesellschaften ideologisch und strategisch in den gleichen Denkmustern gefangen sein müssen (wie er selbst), ließ ihn annehmen:

Zitat
„Als Partner ist Russland für die USA viel zu schwach, aber es ist immer noch zu stark, um einfach ihr Patient zu sein. […] Obwohl ein langfristiges russisch-chinesisches und russisch-iranisches strategisches Bündnis unwahrscheinlich ist, sollte Amerika [die USA] […] eine Politik vermeiden, die Russland davon abbringen könnte, die notwendige geopolitische Wahl zu treffen.“ [43]



Die „notwendige geopolitische Wahl“ meinte eine vollständige Einbindung in das „an die USA gekoppelte Europa„. Das folgende Angebot setzte somit auch die Unterwerfung voraus:

Zitat
„Europa und Amerika [die USA] stellen für einen […] demokratischen russischen Nationalstaat keine Bedrohung dar. Sie haben keine territorialen Absichten auf Russland, was man von China nicht behaupten kann, noch teilen sie mit ihm eine unsichere und potentiell explosive Grenze wie die ethnisch und territorial unklar verlaufende zu den muslimischen Völkern im Süden.“ [44]



Die unsicherste Grenze Russlands der Gegenwart liegt mit Sicherheit an einem Land nicht: China! Sie liegt im Westen, dort wo in der Ukraine 2014 ein Bürgerkrieg ausbrach (was zeitweise sogar die bis heute nicht vollständig beseitigte Gefahr eines Weltenbrandes einschloss!) und an der Grenze zu den baltischen Staaten, wie auch im Schwarzen Meer, wo provokativ und wiederholt NATO-Manöver durchgeführt werden. Und in den mittelasiatischen Nachbarstaaten Russlands haben die USA Stück für Stück ihre militärische Präsenz erweitert. So weit zur Bedrohungsanalyse an den Grenzen Russlands aus Sicht des Zbigniew Brzezinski. Und wieder zeigt sich, welche Strategen initial dafür sorgten, dass die Ukraine heute (im Jahre 2015) ein gescheiterter Staat mit faschistischer Note ist:

Zitat
„Obwohl dies Zeit brauchen wird, kann der Westen – während er seine Sicherheits- und Wirtschaftskontakte mit Kiew weiter ausbaut, schon jetzt das Jahrzehnt zwischen 2005 und 2015 als Zeitrahmen für eine sukzessive Eingliederung der Ukraine in´s Auge fassen. Dadurch vermindert er das Risiko, dass die Ukrainer befürchten könnten, Europa´s [die EU-] Erweiterung werden an der polnisch-ukrainischen Grenze haltmachen“. [45]



Brzezinski und seinesgleichen hatten entschieden und die mit ihnen verwobenen politischen Entscheidungsträger handelten. Schon damals agierten NGOs fleißig in der Ukraine, um das Land im Sinne der US-Doktrin umzuformen. Europa setzt Brzezinski übrigens mit der EU gleich. Man könnte das als Schlampigkeit werten, fragt sich aber, wie einem selbsternannten GEOSTRATEGEN entgehen kann, dass der europäische Teil Russlands das größte Staatsgebiet Europas überhaupt ist, gefolgt von dem der Ukraine. Gut möglich ist aber auch, dass hier Sprache propagandistisch bewusst eingesetzt wurde. Der GEOSTRATEGE hat entschieden, wer zu Europa gehört (die Guten) und wer nicht (die Bösen die sich entscheiden müssen, ob sie zu den Guten gehören wollen) und manipuliert damit den mangelhaft reflektierenden Leser seines Buches. Dieser Eindruck festigt sich durch die regelmäßige Wiederholung (als ebenso erprobtes Mittel von Propaganda) dieser wohl doch nicht Schlampigkeit.


>>> zu Teil 2: Brzezinski´s Welt – Ein Psychogramm (2)


Ab einer gewissen Größe der Artikel fängt die Software von Xobor an zu spinnen, daher kann ich den Artikel an dieser Stelle leider nicht vollständig abbilden, ich bitte um Euer Verständnis.
Viele Grüße von Peter


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RE: Brzezinski´s Welt – Ein Psychogramm

#2 von Nathanael , 28.09.2015 01:41

Ein wirklich toller Artikel. Peter, ich sage es doch Tugend als Schild und Wahrheit als Schwert. Großartig geschrieben!

Du hast mir mit diesem Artikel gezeigt, dass was Du hier sehr treffend analysierst und kommentierst, sehr wertvolles Wissen ist. Und wenn ich dann anfange darüber nach zu denke, was dann die Auswirkung auf mein eigene unmittelbare Lebenswirklichkeit sind, da wird es echt kompliziert.

Du hast sehr gut verdeutlicht, wie die Sprache als Werkzeug zur Manipulation genutzt wird und schon auf der Metaebene im vornherein im Individuum selbst verwurzelt ist. Denn in der Analyse wir deutlich, dass im Grunde ein relativ überschaubarer Kreis an Menschen, eine Art Dogma erzeugt und über alle Kanäle in die Lebenswirklichkeit der Menschen transportieren. Und was ich auch richtig gut fand, dass Du ausdrücklich den manipulativen Charakter des Buches erwähnt hast. Denn auch hier sehe ich eben die Gefahr und kann auch nur wie Du davor warnen, einfach nur Bücher oder andere Medien zu konsumieren. Denn das was Du hier deutlich zeigst, sehe ich auch an vielen anderen Stellen.

Aber da Du lieber Peter nun mal ein hellblauer Kämpfer bist, gibst Du Dich natürlich auch nicht mit Kleinigkeiten zu frieden, nich wahr ;) Aber das ist gut so. Ich selbst könnte es nicht und schon beim Lesen Deines Artikel habe ich gemerkt, wie mich das anstrengt, dass von den Worten von Herrn B. etwas komisches ausgeht. Bei mir ist dieses Aufdecken von Manipulation nicht rational, sonder emotional. Aber so können wir gemeinsam Wege finden, um alles aufzulösen. Und ehrlich gesagt sind mir beim Lesen dann auch noch Dinge vor meinem inneren Auge aufgeblitzt, die sogar einen Bezug zu unserer eigenen Lebenswirklichkeit darstellen könnten. Aber dazu später mehr.

Ich selbst verspüre weder Lust noch Verlangen, solche Bücher zu lesen. Ist mir zu destruktiv, macht mich zu voll, lähmt mich. Aber ich habe schon Kommentare, Artikel und Beiträge gelesen, gehört, was B. in dem Buch abhandelt. Auch die "Herzland" Theorie von Mckinder war mir bekannt. Ich selbst habe dann durch aus Rückschlüsse auf geopolitische Ereignisse gezogen, Siehe eben Ukraine oder auch viele baltische Staaten. Ich habe diese Herzland Theorie so verstanden, dass das Herzland Eurasien ist, wer dieses Herzland kontrolliert ist dann der Ansager. Frühere koloniale Mächte haben versucht, über die Seemacht die Gebiete zu kontrollieren, mussten aber erkennen, dass diese riesige Landmasse Eurasien nie über Seemacht kontrollierbar sein wird, wenn sich eine Macht formiert, die Ansprüche stellt, letztendlich die Machtfrage um die globale Vorherrschaft stellt. Dann ist es militärisch schlicht nicht möglich, etwas entgegenzusetzen. Und das es selbst einer Militärmacht wie den USA nicht gelungen ist, ein Land dauerhaft militärisch zu besetzen, sollte auch dem "Mainstream" Menschen seit dem Irak Krieg klar geworden sein.

Deshalb sind Deine Analysen sehr zu treffend. Und auch die Ukraine ist nur ein Teil, um zu verhindern, dass sich eine Eurasische Macht, auf welcher Art auch immer, formiert. Es wird deutlich, dass hier eine Form von Herrenrassen Denken die Grundlage für dieses Dogma bildet. Das ist blanker Rassismus. Und das schlimmste für mich, solche Psychopathen bestimmen die Norm. Im Grunde finde ich nicht verwerflich was sie tun, ich verachte aber ihre Manipulation. Denn was diese Menschen nach außen kommunizieren, ist sehr überlegt, sehr rational, aber auch sehr manipulativ. Und jeder Mensch der dem sich nicht gewahr ist, ist ein potentielles Opfer, der durch Unterlassung und Billigung zum Mittäter wird. Hier greifen dann massenpsychologische Effekte. Da kann ich Gustav LeBon und Stanley Milgram empfehlen, hat mir selbst geholfen, dann eben den Spagat von Dogmen und unmittelbare Lebenswirklichkeit zu verstehen. Und mich selbst aus bestimmten Manipulationen im Denken zu befreien.

Beim Lesen des Artikel ist in mir auch immer die Verbindung zur NATO mitgeschwungen. In meinem Artikel über die NATO Geheimarmeen habe ich eben auch aufzeigen wollen, dass zum Beispiel in der Ukraine durchaus solche Gladio Strukturen ganz offiziell im Militär integriert sind. Und auch hier greift ein Rädchen ins andere. Geostrategisch passt das gut zu B. und wiedererkennbare Muster von Geheimdiensten und Militär lassen sich nachweisen. Die NATO führt im Sinne der Herzland Theorie Krieg. Es werden Länder destabilisiert oder "demokratisiert". Im Grunde liegen alle Fakten auf dem Tisch. Aber das große Problem, die Wahrheit im weiten Sinne ist bekannt, doch ist sie unter einer Schicht aus Lügen, Manipulation oder einfach nur Müll begraben. Die Menschen sind so unsensibel, man könnte die Wahrheit mit 1000 Volt einspeisen, die würden sich nur fragen, was gerade gekratzt hat und es wegwischen. Im Grunde ist das Individuum in der Welt der Gedanken und der Worte und Sprachen gefangen. Wir halten uns selbst gefangen, geißeln uns, füttern unseren Intellekt. Ist auch gut, aber es kann auch zu viel werden, eben genau was wir haben.

Ich schätze Deine Arbeit sehr und ich überlege die ganze Zeit, wie die Reichweite erhöht werden könnte. Und was ich vorhin kurz erwähnte, als ich schrieb mir blitzt etwas auf. Da war beim Lesen des Artikel auf einmal ein Bild von einem "Antideutschen" mit USA und Israel Flagge. Habe ja selbst öfter mal welche gesehen, wie auch immer die heißen wollen, was auch immer sie darstellen. Aber ich frage mich schon, was würden den diese Menschen zu Deinem Artikel sagen? Bist Du dann ein Antisemit? Mich beschleicht immer mehr der Verdacht, dass auch diese Strömung durch eben genau solche Gedanken geprägt sind. Und wenn ich dies konsequent zu ende Denke, dann wurde ich selbst auch schon von Rassisten, die sich als Anti Systemisch definieren, als Antisemit beschimpft. Schon bisschen seltsam? Wenn sie wirklich so antisystemisch sind, wie geht dass dann zusammen, dass sie irgendwelche Flaggen tragen? Oder sind das nur die Sponsoren?

Hier ergibt sich meine Ansicht nach eine weiter Schwachstelle der Marke "Mahnwache". Denn es gibt Themen die benannt werden müssen, aber eben so gedanklich verbaut sind, das wir uns selbst bei der Vernetzung im Weg stehen. Im Grunde fände ich die Vorstellung ziemlich gut, wenn dieser Artikel eine Art Ausgangspunkt für einen Dialog mit anderen Kollektiven wär. Interessant fände ich dies zum Beispiel im Dialog mit der Antifa. Aber mal ehrlich, würden die sich auf einen Dialog einlassen, wenn wir als Mahnwache und dann mit diesem Thema kommen? Da sind wir doch gleich doppelte und dreifache Antisemiten, oder etwa nicht? Ich meine gut, ich habe so was noch nicht gemacht, würde es auch probieren. Aber ich kann nur Dinge tun, zu denen ich wirklich stehen kann.

Was für mich nach diesem Artikel auch ganz klar rüberkommt, Deutschland muss aus der NATO. Denn es wurde sehr deutlich, die USA ist die Macht, alle anderen sind nur Gehilfen. Wir müssen Wege finden, um die wahnsinnig gewordenen Politiker hier in Deutschland von der Macht zu entfernen. Friedlich und Liebevoll, aber auch konsequent und nachdrücklich. Deswegen brauchen wir auch die Antifa. Aber wir brauche auch Polizei und Militär. Aber das geht nur über Vernetzung.

Solche Beitrage wie von Peter, sind dann auch ein Türöffner...

 
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